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...werfen ihre Schatten voraus. Wie wahr. Die Schatten, die sich derzeit über die Deutschlands Apothekenlandschaft ausbreiten, kommen von Veränderungen, mit denen sich über kurz oder lang alle Apotheken befassen müssen: QMS - Qualitätsmanagementsysteme. Ein Thema, das polarisiert. Es zeichnet sich mehr und mehr ab, dass QMS - zunächst als freiwillige Maßnahme propagiert und bis jetzt als solche von Kammern und QMS-Anhängern verkauft - nach einem anfänglich sanften Druck später dann für jede Apotheke verbindlich vorgeschrieben werden. Die Kammern im Lande rüsten bereits auf, sie verabschieden QMS-Leitlinien und machen sich intensiv Gedanken zur Zertifizierung. QMS wird die Apotheken in Trab halten und Kosten nach sich ziehen. Eine Zertifizierung samt Audits ist nicht gerade billig, hinzukommen die in bestimmten Abständen erforderlichen Rezertifizierungen. Ein Trost: hat man es geschafft, seinen Betrieb durchforstet und die Handbücher geschrieben, die Audits und Zertifizierungen überstanden, dann hat man Schwachstellen seines Betriebs aufgedeckt und beseitigt, Arbeitsabläufe dürften einfacher, schneller und sicherer gehen, die Einarbeitung neuer Mitarbeiter wird leichter gehen. Letztendlich dürfte dies alles auch ein Gewinn für die Arzneimittelsicherheit sein. Doch noch sind bei weitem nicht alle Apothekerinnen und Apotheker davon überzeugt, wie auch ein Blick in die Leserbriefrubriken beweist. Da kommt noch Aufklärungsarbeit auf die Kammern zu.

Große Veränderungen bahnen sich auch mit dem Medium Internet an - die Schatten, die sie werfen, sind bereits zu sehen. Täglich werden die (verlockenden) Angeboten aller möglichen Anbieter im Netz mehr, die die Apotheken dazu bewegen wollen, unter ihr Portal zu schlüpfen. Bevor man sich bindet: Jede Apotheke sollte sich Gedanken über ihre Internet-Strategie machen, wie sie sich und mit wem sie sich in der virtuellen Welt präsentieren möchte - z. B. lieber mit einer eigenen Homepage und einem eigenen Auftritt, der zwar individuell ist, aber Arbeit und Geld kostet, oder unter einem großen Gesundheitsportal, das ein entsprechendes Umfeld mit Gesundheitsinfos bietet und Apothekensuchmöglichkeiten, zwar kaum oder nur relativ wenig Individualität zulässt, dafür aber günstiger oder sogar umsonst ist. Wie auch immer: In wenigen Jahren wird die Internetpräsenz so selbstverständlich sein wie heute schon der Eintrag ins Telefonbuch.

Veränderungen sind im Gespräch beim Sondervertriebsweg für Mifegyne. Sie erinnern sich: Die bisherige Vertriebsfirma Femagen aus Holzkirchen wird den Vertrieb der Abtreibungspille zum Jahresende einstellen wegen zu geringer Verkaufszahlen. Ärzte verschrieben zu selten dieses Präparat, nicht zuletzt deshalb, weil sie für den operativen Eingriff besser entlohnt werden als für die medikamentöse Verordnung. Seit Oktober liegt nun ein Gesetzentwurf der FDP vor, der sich einer Verbesserung der Möglichkeiten des medikamentösen Schwangerschaftsabbruchs annehmen will: mit einem neuen Gesetz soll der Sondervertriebsweg für Mifegyne geändert werden, die Apotheken sollen doch zum Zuge kommen. Präparate wie Mifegyne sollen nämlich über die Apotheken vertrieben werden, wobei jedoch ähnlich wie bei Betäubungsmitteln ein Nachweis über Erhalt und Abgabe des Präparats zu führen ist. Die französische Herstellerfirma Exelgyn hat, wie bekannt wurde, bereits eine neue Vertreiberfirma für Deutschland gefunden, die Mitte Dezember bekannt gegeben werden soll. Noch ist offen, ob Bundestag und Bundesrat dem Gesetzentwurf zustimmen werden.

Zu Veränderungen in der Prophylaxe und Therapie des Herzinfarkts könnte es kommen, wenn auf breiter Ebene Konsequenzen aus einer vor kurzem veröffentlichten Studie gezogen werden, deren Ergebnisse bereits für Schlagzeilen in der Presse sorgten. Mit einer Kombination aus Niacin (Vitamin B 3) in hoher Dosis und dem Cholesterol-Synthese-Hemmer Simvastatin gelang es, die Herzinfarktrate um 70 % zu senken. Man habe sogar, so heißt es in der Studie, eine "Verstopfung" der Blutgefäße stoppen und sogar rückgängig machen können. Das lässt viele Betroffene und Gefährdete hoffen.

Weniger hoffnungsfroh stimmt dagegen die Meldung, dass Deutschlands Ärzte ihr Budget für dieses Jahr ausgeschöpft haben, wie der "Spiegel" berichtet. Ärzte schließen ihre Praxen, nehmen keine Patienten mehr an und vertrösten auf nächstes Jahr. Behandlungen führen manche Ärzte nur noch gegen Barzahlung durch. Die Schatten einer Zwei- oder sogar Drei-Klassen-Medizin zeichnen sich deutlich ab. Das Gesundheitssystem ruft nach Veränderungen. Peter Ditzel

Große Veränderungen...

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