Arzneimittel und Therapie

Krebstherapie: Caelyx beim Ovarialkarzinom zugelassen

Doxorubicin zählt zu den wirksamsten Substanzen für die zytostatische Chemotherapie. Bei der Anwendung treten jedoch Nebenwirkungen auf, welche Anwendung und Akzeptanz begrenzen. Dosislimitierend ist die kumulative Kardiotoxizität. Mit Caelyx, einer pegylierten liposomalen Formulierung von Doxorubicin, die ein günstigeres Nebenwirkungsprofil bei mindestens ebenbürtiger Wirksamkeit aufweist, eröffnen sich neue Perspektiven für die Tumortherapie. In Deutschland wurde Caelyx jetzt für die Behandlung des platinvorbehandelten Ovarialkarzinoms zugelassen, wie Essex Pharma mitteilte.

Typische Anthracyclin-Toxizitäten sind Kardiotoxizität, Knochenmarksdepression, Übelkeit/Erbrechen und Alopezie. Durch Verkapselung von Doxorubicin in pegylierte Liposomen (Caelyx) wird die Pharmakokinetik und damit auch das Nebenwirkungsspektrum von Doxorubicin verändert, die Wirksamkeit bleibt hingegen erhalten. Insbesondere die Kardiotoxizität und Knochenmarkstoxizität sind unter Caelyx nur geringfügig ausgeprägt, die Haupttoxizitäten betreffen die Haut und die Schleimhaut.

Neue Therapieoption

Anthracycline zählten mit Ansprechraten von etwa 20% zu den wirksamsten Substanzen für die Second-line-Therapie des Ovarialkarzinoms. Mit Caelyx wurden in Phase-II-Studien beim refraktären oder rezidivierten Ovarialkarzinom bei zum Teil intensiv vorbehandelten Patientinnen etwa 25% objektive Remissionen erzielt, darunter auch komplette Remissionen. Die mediane Überlebenszeit betrug knapp ein Jahr; ungefähr die Hälfte dieser Zeit waren die Patientinnen progressionsfrei.

In einer Phase-III-Studie wurde bei Patientinnen mit Ovarialkarzinom, die nach einer platinhaltigen First-line-Therapie ein Rezidiv erlitten hatten, die Wirksamkeit und die Verträglichkeit von Caelyx mit Topotecan verglichen. Die Auswertung von 474 Patientinnen zeigte, dass Caelyx und Topotecan sowohl in Hinblick auf das Ansprechen als auch das progressionsfreie Intervall und die Gesamtüberlebenszeit gleichwertig sind. Für Patientinnen mit platinsensiblen Tumoren, also Tumoren, die auf die initiale platinhaltige Chemotherapie angesprochen und die ein progressionsfreies Intervall von mehr als 6 Monaten hatten, ergab sich ein signifikanter Überlebensvorteil für die mit Caelyx behandelten Patientinnen. Sie lebten im Durchschnitt über 9 Monate länger.

Das Nebenwirkungsspektrum und die Inzidenz von Nebenwirkungen der beiden Therapien waren sehr verschieden. Während bei Caelyx als häufigste Nebenwirkungen Hautreaktionen (Palmar-Plantar-Erythrodysästhesie, PPE) in 23% und Neutropenie in 12% der Fälle auftrat, waren die häufigsten Nebenwirkungen unter Topotecan Neutropenie (78%), Anämie (28%) und Thrombopenie (34%). Alopezie trat unter Caelyx überhaupt nicht auf, unter Topotecan bei 6% der Patientinnen. Insgesamt traten unerwünschte Ereignisse unter Topotecan wesentlich häufiger auf.

Die Behandlung mit Topotecan, die bislang als Standardtherapie für die Second-line-Behandlung des Ovarialkarzinoms angesehen wurde, ist mit zahlreichen Nebenwirkungen verbunden. Bei bis zu 81% der Patienten kann unter der Therapie mit Topotecan eine Neutropenie vom Grad III/IV auftreten, die bei über 30% der Patientinnen eine Therapie mit hämatopoetischen Wachstumsfaktoren oder Blutprodukten notwendig macht. Diese Behandlungen sind mit erheblichen Kosten verbunden. Die mit Caelyx verbundenen Nebenwirkungen sind zwar klinisch relevant, aber nicht kostenintensiv zu behandeln und weitgehend durch geeignete Verhaltensmaßnahmen oder Dosismodifikationen zu verhindern. Die hämatologischen Toxizitäten von Topotecan waren hingegen potenziell lebensbedrohend und mussten üblicherweise mit supportiver Medikation oder stationär behandelt werden.

Das günstige Produktprofil von Caelyx macht die Substanz auch interessant für die First-line-Therapie des Ovarialkarzinoms und für andere Indikationen wie das Mammakarzinom.

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