Arzneimittel und Therapie

Mammakarzinom: Letrozol besser als Tamoxifen

Neue klinische Ergebnisse aus zwei Studien, die nach einer Information der Novartis Pharma GmbH anlässlich der Europäischen Brustkrebskonferenz (European Breast Cancer Conference, EBCC) im September in Brüssel vorgestellt wurden, zeigen, dass der Aromatasehemmer Letrozol (Femara) als First-line-Therapeutikum und präoperative Therapie des Mammakarzinoms bei postmenopausalen Frauen wirksamer ist als Tamoxifen (20 mg). Tamoxifen gilt international als Mittel mit größtem Einfluss auf die Senkung der Sterblichkeitsrate bei Brustkrebs.

Therapeutische First-line-Studie

Die multizentrische randomisierte Phase-III-Studie umfasste 939 postmenopausale Frauen mit hormonsensitivem Brustkrebs und ist eine der umfangreichsten doppelblinden, endokrinen therapeutischen First-line-Studien zum Mammakarzinom, die jemals durchgeführt wurden. Hauptziel der Studie war der Vergleich der Wirksamkeit und Sicherheit von oralen Einzeldosen Letrozol mit Tamoxifen. Die Wirksamkeit wurde durch Messung der Zeitdauer bis zur Progression, der objektiven Responserate und -dauer, der Rate und Dauer des klinischen Nutzens, der Zeitspanne bis zum Therapieversagen und der Gesamtüberlebensrate beurteilt.

Die mittlere Zeitdauer bis zur Progression betrug 9,4 Monate in der Letrozol-Gruppe, verglichen mit 6,0 Monaten in der Tamoxifen-Gruppe (P = 0,0001). Die mit Letrozol behandelten Patientinnen zeigten ebenfalls eine bessere objektive Remissionsrate (vollständige und partielle Remission: 30% versus 20%, P = 0,0006). Die klinische Erfolgrate war ebenfalls höher bei Letrozol (49% versus 38%; P = 0,001). Die Zeitspanne bis zum Therapieversagen war bei Letrozol signifikant länger als bei Tamoxifen (9,1 Monate versus 5,7 Monate, P = 0,0001).

Es ergaben sich keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich der Dauer der Remission oder des klinischen Nutzens. Um die Auswirkungen dieser Behandlungen auf die Überlebensrate in dieser Studie zu bewerten, ist es noch zu früh.

Prüfungsergebnisse der präoperativen Therapie

In der zweiten randomisierten kontrollierten Phase-III-Studie wurden Letrozol oder Tamoxifen zur Reduzierung des Tumorumfanges vier Monate lang vor dem chirurgischen Eingriff verabreicht. Bei 337 postmenopausalen Frauen mit hormonsensitiven, ausgedehnten lokalisierten oder lokal fortgeschrittenen Mammakarzinomen, die nicht einer brustkonservierenden Operation zugeführt werden konnten, war die Häufigkeit einer klinischen Response signifikant höher bei Letrozol als bei Tamoxifen (55% versus 36%, P < 0,001). Bei signifikant mehr mit Letrozol behandelten Frauen wurde eine brustkonservierende Operation durchgeführt, verglichen mit Tamoxifen (45% versus 35%, P = 0,022).

Nach Anpassung nach Tumorumfang, nodaler Beteiligung und Alter erhöhten sich die Vorteile eines brustkonservierenden Eingriffes um mehr als 70% bei Letrozol verglichen mit den Vorteilen unter Tamoxifen (P = 0,03). In beiden Studien wurden Letrozol und Tamoxifen gleich gut vertragen.

"Femara ist die erste endokrine Substanz, die eine konsistente Überlegenheit gegenüber Tamoxifen zeigt, seit letztere vor einigen Jahrzehnten eingeführt wurde", sagte Dr. Henning Mouridsen, Professor für Onkologie, Universitätsklinik Kopenhagen und Forschungsleiter der First-line-Studie. "Die Daten belegen die signifikante Überlegenheit von Femara® als wirksamere First-line-Option für postmenopausale Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs."

Wirksamer Aromatasehemmer

Die Daten stellen einen signifikanten Fortschritt dar, da Letrozol - ein hochpotenter und wirksamer Aromatasehemmer - nun den Nachweis einer größeren klinischen Wirksamkeit als Tamoxifen, Megestrolacetat und Aminoglutethimid sowie seiner Überlegenheit gegenüber Anastrozol bei der Östrogensuppression bei Brustkrebspatientinnen erbracht hat.

Letrozol ist ein Aromatasehemmer und gegenwärtig für die Behandlung des fortgeschrittenen Mammakarzinoms bei Frauen mit natürlichem oder künstlich induziertem postmenopausalem Status zugelassen, die vorab mit Antiöstrogenen behandelt wurden. Letrozol wirkt durch Hemmung der Aromataseenzyme und blockiert die Umwandlung von Androgenen in Östrogene, wodurch dem Tumorwachstum vorgebeugt wird.

Letrozol ist kontraindiziert bei Patientinnen mit bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Letrozol oder einer seiner Trägersubstanzen. Die am häufigsten berichteten unerwünschten Nebenwirkungen von Femara sind Kopfschmerz (6,9%), Übelkeit (6,3%), peripheres Ödem (6,3%), Erschöpfung (5,2%), Hitzewallungen (5,2%), Dünnerwerden der Haare (3,4%) und Hautausschlag (3,4%).

Hormontherapie bei Brustkrebs

Die Hormontherapie zielt darauf ab, das Wachstum der Krebszellen zu verlangsamen, indem sie dem Tumor Östrogen entzieht (Östrogen ist der wichtigste Wachstumsfaktor des Mammakarzinoms). Die Mehrheit der Mammakarzinome bei postmenopausalen Frauen ist in ihrem Wachstum hormonabhängig und spricht daher auf eine Hormontherapie an.

Bis vor kurzem war beim fortgeschrittenen Mammakarzinom Tamoxifen die Hormontherapie der Wahl. Tamoxifen wird auch für die adjuvante Behandlung (im Anschluss an die Operation des Primärtumors) und für die Verkleinerung des Tumors vor der Operation eingesetzt. In den letzten Jahren wurde als Alternative zu Tamoxifen eine neue Klasse von Medikamenten entwickelt, die so genannten Aromatasehemmer.

Aromatasehemmer

Das Östrogen der postmenopausalen Frau stammt vor allem aus dem Fettgewebe der Leber, dem Muskelgewebe und dem Brustgewebe. Es entsteht durch einen Prozess, der Androgene aus der Nebennierenrinde (z.B. Testosteron und Androstendion) in Östrogene umwandelt. Das so entstehende Estrogen regt hormonabhängige Brustkrebszellen zum Wachstum an. Ein bösartiger Brusttumor kann auch selbst Estrogen (und damit seinen eigenen Wachstumsfaktor) herstellen. Aromatasehemmer binden an das Enzym Aromatase und blokkieren so die Umwandlung von Androgenen in Östrogene. Die Östrogenproduktion bei der prämenopausalen Frau findet vorwiegend in den Eierstöcken statt. Ein Feedbackmechanismus schränkt hier die Wirksamkeit der Aromatasehemmer ein.

Letrozol hat bei postmenopausalen Frauen eine signifikant bessere Wirksamkeit gegen den Tumor als Tamoxifen; und zwar sowohl in der Erstlinienbehandlung des fortgeschrittenen Brustkrebses als auch in der präoperativen Behandlung, bei auf die Brust beschränktem Tumor. Letrozol hat sich auch in der Zweitlinientherapie, nach Versagen von Tamoxifen, gegenüber den Standardmedikamenten Megestrolacetat und Aminoglutethimid als überlegen erwiesen.

Letrozol ist zurzeit zugelassen für die Behandlung des fortgeschrittenen Brustkrebses bei Frauen mit natürlich oder künstlich eingetretener Menopause, die vorher mit Antiöstrogenen behandelt wurden.

1 Kommentar

Z.N. Mamacarzimon ohne Brustabnahme

von Tiemann Angelika am 22.10.2019 um 13:19 Uhr

Meine Mutter ist 84 Jahre und hatte Brustkrebs nimmt Tamoxifen hat viele Nebenwirkungen ist es in dem Alter sinnvoll überhaupt ein Medikament zu nehmen hat seit kurzem auch Wasser in der Lunge.

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