Deutscher Apothekertag 2000

Ein "net"-ter Apothekertag Ein Bericht der DAZ-Redaktion

"Ich bin der Meinung, wir müssen langfristig über Wege nachdenken, wie der Handel mit Arzneien über das Internet sicherer gemacht werden kann. Ich würde mich freuen, wenn Apotheken und Politik hier gemeinsam nach neuen Lösungswegen suchten, damit wir auch für diesen Bereich einen umfassenden Verbraucherschutz gewährleisten können" - Originalton Andrea Fischer im Tagungsführer zum diesjährigen Apothekertag (28. bis 30. September) in Köln. Wer es bis jetzt noch nicht wusste, dem wurden die Augen geöffnet: unsere Bundesgesundheitsministerin ist prinzipiell für den Arzneiversand via Internet - sobald er sicher ist.

Das Internet und seine Nutzungsmöglichkeiten zog sich wie ein roter Faden durch den Apothekertag. Im Gegensatz zur Position von Frau Fischer und den Krankenkassen sprachen sich Opposition und die deutschen Apothekerinnen und Apotheker gegen den Arzneiversand via Internet aus, aber für die Nutzung des Internets als Informations- und Fortbildungsmedium.

Ein weiteres "Netz-Thema" stand in diesem Jahr im Mittelpunkt: die integrierte Versorgung, die reichlich Sprengstoff bietet. Außerdem standen auf der Tagesordnung die pharmazeutische Betreuung und pharmazeutische Leistungsangebote in der Arzneimittelversorgung. Weitere Tagesthemen kamen über die Anträge zur Sprache. Wir informieren Sie auf den folgenden Seiten in unserem Bericht über den diesjährigen Apothekertag in Köln, begleitet von unseren Kommentaren und Randnotizen.

Für eilige Leser: Apothekertag kompakt

Falls Sie zu wenig Zeit haben, um unseren gesamten Bericht vom diesjährigen Deutschen Apothekertag zu lesen, haben wir für sie als eiligen Leser einen Extrakt herausdestilliert. Er versucht, das Wichtigste in Kürze zusammenzustellen, sodass Sie mit "Apothekertag kompakt" schnell und umfassend informiert sind.

Grußworte von Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer:

Ein offensiver Umgang mit dem Internet im Arzneibereich, die Verteidigung der Arzneimittelbudgets sowie ein Plädoyer für einen Systemwechsel hin zur neuen integrierten Versorgung mittels Praxisnetzen - das waren Grundsätze in der Rede von Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer bei der Eröffnung des Deutschen Apothekertags in Köln. Weitere Aussagen aus Fischers Rede: Zunächst wird es keine weitere "große" Gesundheitsreform geben, ebenso wenig ist eine schnelle Lösung bei den Festbeträgen in Sicht. Die gesetzliche Krankenversicherung als Solidarsystem soll erhalten bleiben, darf allerdings nicht überstrapaziert werden, das bedeutet eine klare Absage an Forderungen nach mehr Geld im System. Eisern hielt die Bundesgesundheitsministerin auch an den von den Apothekern kritisierten Arzneimittelbudgets fest. Das für den Herbst konzipierte Aktionsprogramm, mit dem die KVen die Ärzte zu mehr Sparsamkeit anhalten, hält sie für legitim.

Ein klares Wort zur integrierten Versorgung: Sie soll zur Regelversorgung der Zukunft werden. Die Telematik im Gesundheitswesen soll gefördert werden, um zu mehr Transparenz zu gelangen. Ein neues Gesetz soll hierfür erarbeitet werden. Und zum Thema Internet: Frau Fischer sieht die Gefahren des heutigen Arzneimittelbezugs via Internet. Es sollte aber überlegt werden, wie der Arzneimittelversand sicherer gemacht werden könnte - und zwischen den Zeilen war zu hören, dass dann der Arzneiversand in Betracht käme! Die Apotheker sollten offensiv mit dem Internet im Arzneibereich umgehen.

Grußworte der Politiker:

Zu einer verstärkten patientennahen Beratung in Apotheken rief die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Birgit Fischer (SPD) auf. Qualifizierte Beratung und Qualitätsarbeit sind "Garant und Chancen" für die Apotheken. Das Versandhandelsverbot begrüßte sie.

Horst Schmidtbauer (SPD) sprach sich für die "Aut-idem-Regelung" aus, bekannte sich zum jetzigen Betriebssystem und lehnte Versandhandel, Mehrfachbesitz und Kettenbetriebe ab.

Wolfgang Lohmann, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion kritisierte das Festhalten von SPD und Bündnisgrünen an den Arzneibudgets. Er sprach sich für Fremd- und Mehrbesitzverbot aus und plädierte für die Absenkung der Mehrwertsteuer auf Arzneimittel.

Der gesundheitspolitische Sprecher der FDP, Dr. Dieter Thomae, stellte eine neue Variante von Selbstbeteiligungen vor. Auch er lehnte den Versandhandel via Internet ab, ebenfalls die Positivliste. Ein Fehler der Apotheker war es nach seiner Meinung, den Sondervertriebsweg für Mifegyne zu akzeptieren.

Geschäftsbericht der ABDA:

Europa, Beziehungen zu Krankenkassen, Verbandspolitik, die Heimversorgung, Kompetenzabgrenzung zwischen Krankenhausapotheken und öffentlichen Apotheken, Arzneimittelversand, E-Commerce und Internet - dies waren die Themen, mit denen sich Dr. Johannes Pieck, Sprecher der Geschäftsführung der ABDA, der Bundesapothekerkammer und des Deutschen Apothekerverbandes, in seinem diesjährigen Geschäftsbericht zum Deutschen Apothekertag befasste. Er ging auf anstehende und noch ungelöste Probleme ein, zeichnete insgesamt jedoch kein negatives Bild von der Apothekenzukunft. Nach wie vor böten politische und ökonomische Rahmenbedingungen die Chance, die Effizienz des Apothekensystems auch in Zukunft unter Beweis zu stellen.

Auch wenn in anderen Ländern der EU immer wieder Trends zur Liberalisierung festzustellen sind, muss konstituiert werden, dass sich das deutsche Apothekenwesen in einem legalen europäischen Rahmen bewegt.

Pieck machte auf Angriffe von Seiten der Krankenkassen aufmerksam, die Fremd- und Mehrbesitzverbot und die Zulassung des Versandhandels fordern. Ein weiterer Gegner des bestehenden Apothekensystems ist Apotheker Günther Stange, gegen den ein öffentliches Strafverfahren läuft. Er wird nach Einschätzung von Pieck auch weiterhin alles daran setzen, Grundstrukturen des Apothekenwesens zu zerstören.

Die Positionen der politischen Parteien zur Apotheke in ihrer heutigen Form sind nicht mehr so einfach auszumachen wie früher. Die Politik entwickelt keine Vorstellung über Alternativen zur Apotheke, fordert jedoch von den Apothekern Reformvorschläge.

Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass die ABDA ihren Einfluss geltend macht, auch wenn sie keine Macht hat. Ein Zerschlagen der ABDA, wie von manchen gewünscht, würde die Position aller Apotheker schwächen.

Pieck lobte die Verbandspolitik und plädierte, auch weiterhin auf die Kraft von Argumenten zu setzen. Konzepte wie Qualitätsmanagementsystem, Qualitätsleitlinien und pharmazeutische Leistungsgemeinschaft sind keine PR-Aktionen, sondern Versuche, das System der freiberuflich geprägten Apotheken für die Zukunft zu stabilisieren. Diese Konzepte müssen allerdings intensiv und schneller in die Praxis umgesetzt werden als bisher.

Die bereits in der vergangenen Legislaturperiode eingebrachte Novelle zum Apothekengesetz, mit der die Arzneimittelversorgung der Bewohner von Alten- und Pflegeheimen neu geregelt werden sollte, ruht derzeit, was nicht unbedingt Gutes verheißt. Hinzu kommt der Entwurf eines neuen Heimbewohner-Schutzgesetzes. Zwischen beiden Gesetzentwürfen besteht noch Abstimmungsbedarf. Gefahren drohen dadurch, dass möglicherweise Apotheker die konkrete Arzneimittelversorgung bis hin zum Krankenbett vornehmen sollen, ohne dass hierfür ein finanzieller Ausgleich erfolgen soll. Eine andere Gefahr besteht darin, dass Bundesländer die Heimversorgung allein auf Krankenhausapotheken übertragen wollen.

Ein Konsenspapier zwischen ABDA und dem Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) bekräftigt die Trennung und Zuordnung beider Systeme auf jeweils ambulante bzw. stationäre Arzneimittelversorgung.

Gegen die niederländische Versandapotheke in Kerkrade hat der Deutsche Apothekerverband eine einstweilige Verfügung beantragt. Der Versandhandel von Arzneimitteln vom europäischen Ausland ist nicht erlaubt, wie ein vorliegendes Rechtsgutachten bestätigt.

Schon heute erfüllen die deutschen Apotheker die Forderungen nach einer sicheren, schnellen, kostengünstigen und bequemen Arzneimittelversorgung. Der Arzneimittelversandhandel via Internet wird eindeutig abgelehnt, das Internet als neues technologisches Informationsmedium soll jedoch stärker genutzt werden: Ein öffentliches Gesundheitsportal der Apotheken für Patienten und Verbraucher wird derzeit errichtet.

Lagebericht des ABDA-Präsidenten:

"Kompetenz zeigen - Verantwortung tragen - Nutzen bieten" - unter diesem Motto stand die Grundsatzrede von ABDA-Präsident Hans-Günter Friese bei der Eröffnung des diesjährigen Apothekertags. Friese plädierte für eine optimale Arzneimittelversorgung im Krankheitsfall, allerdings muss das Gesundheitswesen bezahlbar bleiben, was Ziel der Apotheker und der Bundesregierung ist. Fehlentwicklungen im Gesundheitswesen sind Arzneimittelbudget, Verschiebebahnhöfe in der GKV und Tendenzen zu einer Amerikanisierung des Gesundheitswesens. Die Budgets führen zu Unterversorgung und Rationierung.

Experimenten zum Vertrieb von Arzneimitteln erteilte Friese eine Absage. Im Rahmen der integrierten Versorgung muss auch die Arzneimittelversorgung auf der Grundlage des bestehenden Rechts durchgeführt werden.

Auch Friese lehnt den Versandhandel mit Arzneimitteln via Internet ab. Die Apotheker können schon heute die Anforderungen, wie sie der Arzneimittelversand verspricht ("sicher, schnell und kostengünstig"), erfüllen. Bestellungen, die per Internet an eine Apotheke geleitet werden, können behandelt werden wie Bestellungen per Telefon oder per Telefax: persönliche Abholung des Arzneimittels in der Apotheke, im begründeten Einzelfall Zustellung durch Boten.

Das Telematikprojekt der ABDA soll voran getrieben werden. Friese setzte sich für eine Verbesserung bestehender Versorgungsformen ein, beispielsweise mit Hilfe der pharmazeutischen Betreuung. Hierfür ist eine enge Kooperation mit Ärzten und Patienten nötig. Auch Friese wies auf die Forderung der ABDA nach einer Aut-idem-Regelung hin.

Pharmazeutische Leistungsangebote:

Die Diskussion über alternative Vertriebswege für Arzneimittel nimmt im Rahmen der Gesundheitsreform viel Raum ein. Die Apothekerschaft, so erklärte Dr. Frank Diener, Geschäftsführer Wirtschaft und Soziales der Bundesvereinigung Deutscher Apothekeverbände - ABDA, hat keine Angst, sich dieser Diskussion zu stellen. Als Verteidiger des bewährten Systems ist sie allerdings in der Defensive. Um in die Offensive zu gelangen, gilt es als additiven Diskussionspunkt den "Mehrwert Apotheke" in der Öffentlichkeit bekannt zu machen und das bestehende pharmazeutische Angebot um neue Leistungen zu erweitern.

Diener beklagte das derzeit herrschende Verordnungschaos bei der Generikaversorgung. Die Lösung liegt nach seiner Auffassung in der Zulassung der Aut-idem-Regelung.

Ein weiteres Leistungsangebot könnte die Ausweitung des ambulanten Notdienstes sein, eine bessere Erreichbarkeit des örtlichen Apothekennotdienstes gehören hier dazu, außerdem die Abstimmung pharmazeutischer und ärztlicher Notdienste und die Entwicklung von pharmazeutischen Notdienstpaketen.

Ein weiteres Leistungsangebot ist eine Health Professional Card zur Speicherung und Übermittlung von Daten zwischen Patienten und Beteiligten im Gesundheitswesen. Der Internetauftritt wird für die Patienteninformation verwendet. Durch eine Beschleunigung des Datenflusses kann ebenfalls das pharmazeutische Leistungsspektrum erweitert werden. Vorteilhaft ist die Einführung des elektronischen Rezeptes, die ABDA hat bereits die Voraussetzung hierfür geschaffen, jetzt erwartet man Hilfe von Seiten der Politik, um das elektronische Rezept auch den Krankenkassen und den Ärzten schmackhaft zu machen. Schließlich kann der Mehrwert Apotheke auch durch die Einrichtung von lokalen Arzneimittelkommissionen, gemeinsamen Konferenzen von Ärzten und Apothekern gesteigert werden.

Pharmazeutische Betreuung:

Das Konzept der pharmazeutischen Betreuung etabliert sich zunehmend in den öffentlichen Apotheken und gewinnt für den Berufsstand stetig an Bedeutung. Seit der Verabschiedung der ABDA-Thesen im Jahr 1993 sind bis heute bereits zahlreiche Module und Programme für die pharmazeutische Betreuung erarbeitet worden, wie Dr. Martin Schulz, Leiter des Zentrums für Arzneimittelinformation und pharmazeutische Praxis der ABDA, erläuterte. Dass pharmazeutische Betreuung notwendig ist, zeigen Beispiele von falscher oder unterlassener Arzneimittelanwendung, Falsch- und Fehlbehandlungen. Der Apotheker muss mitverantwortlich für die Arzneimitteltherapie sein. Zahlreiche Studien und Projekte zur pharmazeutischen Betreuung zeigen Nutzen und Sinn dieser Dienstleistung. Voraussetzung für die tägliche pharmazeutische Betreuung sind das Führen einer Medikationsdatei, das automatische Erstellen eines Medikationsprofils und die Erfassung therapierelevanter Patientenmerkmale.

Integrierte Versorgung:

Mit dem GKV-Gesundheitsreformgesetz 2000 ist die integrierte Versorgung neu in das System der gesetzlichen Krankenversicherung aufgenommen worden. Welcher enorme ordnungspolitische Sprengsatz in diesem Konzept liegt, zeigte Dr. Sebastian Schmitz, ABDA-Geschäftsführer für Wirtschafts- und Vertragsrecht sowie Personalangelegenheiten, in seinem Vortrag auf.

Die Krankenkassen erwarten eine Umverteilung der Zahlungsströme zu Leistungserbringern mit qualitätsgesicherten Leistungen. Die neue Versorgungsform soll zu Einsparungen führen. Integrierte Versorgung bedeutet eine "ganzheitliche" Versorgung mit einer übergreifenden Steuerung zwischen ambulanter und stationärer Versorgung. Die integrierte Versorgung ist unter anderem dadurch gekennzeichnet, dass einzelne Krankenkassen mit einzelnen Leistungserbringern oder einem Versorgungssystem aus verschiedenartigen Leistungserbringern, d. h. einem Netz, Verträge abschließen. Aus neuen Verträgen folgt eine neue einheitliche Vergütung, angestrebt wird eine pauschale Vergütung der Krankenkassen pro Versicherten an die Netze. Wichtig: Die im Rahmen der integrierten Versorgung abgeschlossenen Verträge dürfen nicht von anderen Vorschriften abweichen. Für die Apotheken bedeutet dies, dass die Arzneimittelpreisverordnung und die Vorgabe eines einheitlichen Apothekenabgabepreises weiterhin Gültigkeit besitzen. Auch von der Höhe des Krankenkassenrabattes kann nicht abgewichen werden, selbst wenn Krankenkassenvertreter andere Auffassungen haben. Die Politik wünscht sich eine bessere Zusammenarbeit zwischen ambulanten und stationären Leistungserbringern, die Krankenkassen fordern Einsparungen bei gleichzeitiger Qualitätsverbesserung und manche Beteiligten wünschten sich die integrierte Versorgung als Gelegenheit zur Systemveränderung. Die Position der Apotheker hierzu: Ein klares politisches Nein zu Systemveränderungen und ein klares Ja zur Qualitätsverbesserung. Bei den integrierten Versorgungsformen können von Apotheken gemeinsam besondere Leistungen angeboten werden. Die ABDA empfiehlt gegenüber Netzen kollektive Verträge.

Anträge des Deutschen Apothekertags 2000:

Eine Auswahl der wichtigsten Antragsinhalte: - Das Versandhandelsverbot mit apothekenpflichtigen Arzneimitteln muss aufrecht erhalten bleiben. - Die Hauptversammlung der deutschen Apothekerinnen und der Apotheker sprach sich dafür aus, dass durch eine Dokumentationsverpflichtung der Weg vom Hersteller über den Großhandel bis zur Krankenhausapotheke bzw. bis zur krankenhausversorgenden Apotheke dokumentiert werden soll. - Beklagt wurde ein gravierender Mangel an pharmazeutischem Personal in öffentlichen Apotheken. Deshalb sollten Ausbildungskapazitäten an bestehenden pharmazeutischen Instituten und die Ausbildungskapazität der Lehranstalten für PTAs erhöht werden. Auch Wiedereingliederungsmaßnahmen für nicht berufstätige Apothekerinnen und PTAs müssen verstärkt und ausgedehnt werden. - Die Hauptversammlung sprach sich außerdem für gemeinsame interdisziplinäre Kurse von angehenden Medizinern und Apothekern im Studium aus. - Für die onkologische Pharmazie sollen Fortbildungsangebote zur Herstellung anderer Gruppen von Spezialrezepturen entwickelt werden. - Außerdem soll ein Fortbildungskonzept für Apotheker über das Internet erarbeitet werden. - Der Begriff "Apotheke" ist zu schützen. - Die öffentliche Apotheke soll von den Vorschriften der Preisangabenverordnung ausgenommen werden. - Ein Antrag wandte sich gegen die Beibehaltung der Budgetierung. - Mit Hilfe eines Rahmenvertrags Ärzte/Apotheker soll die heilberufliche Zusammenarbeit auf eine moderne vertragliche Grundlage gestellt werden, zum Nutzen für den Patienten und für eine bessere Compliance. - Weitere finanzielle Verschiebebahnhöfe innerhalb der Sozialversicherung sollen wieder rückgängig gemacht werden. - Alle Jahre wieder ein Antrag, der schon "einen langen Bart" hat: Auf apothekenpflichtige Arzneimittel soll ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz erhoben werden. - Steuerpflichtige sollen beim Kauf apothekenpflichtiger Arzneimittel im Rahmen der Selbstmedikation ihre Kosten als außergewöhnliche Belastung absetzen dürfen. - Ein deutliches Votum gab die Hauptversammlung der Forderung nach aut idem. Wird die Arzneimittelauswahl durch den Apotheker ausgeübt, bedeutet dies auch die Übernahme einer Preisverantwortung. Für die Aut-idem-Regelung und für die pharmazeutische Betreuung sollen Vergütungsmodelle erarbeitet werden. - Befürwortet werden Aktivitäten der ABDA, ein öffentliches Gesundheitsportal der Apotheken im Internet zu etablieren. JoKrankenkassen und Ärzteschaft sollen in Kooperation mit der ABDA wissenschaftlich begleitete Studien zum ökonomischen Nutzen der pharmazeutischen Betreuung chronisch kranker Patienten durch den Apotheker durchführen. - Den Apothekerinnen und Apothekern sollen Hilfsmittel für die pharmakoökonomische Betrachtung der Arzneimitteltherapie an die Hand gegeben werden, z. B. über eine Rubrik in der pharmazeutischen Fachpresse. - Es wird befürwortet, dass Apothekerinnen und Apotheker an Modellvorhaben zur Verbraucher- und Patientenberatung teilnehmen sollen. - Ja zur integrierten Versorgung nur dann, wenn die Qualität der Versorgung der Versicherten im Vordergrund steht, ein gleichmäßiger Zugang für alle Versicherten gewährt wird und eine Selektion "guter Risiken" zu Gunsten der Netze und zu Lasten der Solidargemeinschaft unterbleibt. - Und schließlich: Auch in den nächsten Jahren wird ein ABDA-Präsident nicht durch die Hauptversammlung der deutschen Apothekerinnen und Apotheker gewählt. Ein entsprechender Antrag wurde abgelehnt.

Das Internet und seine Nutzungsmöglichkeiten zog sich wie ein roter Faden durch den Apothekertag. Im Gegensatz zur Position von Frau Fischer und den Krankenkassen sprachen sich Opposition und die deutschen Apothekerinnen und Apotheker gegen den Arzneiversand via Internet aus, aber für die Nutzung des Internets als Informations- und Fortbildungsmedium.

Ein weiteres "Netz-Thema" stand in diesem Jahr im Mittelpunkt: die integrierte Versorgung, die reichlich Sprengstoff bietet. Außerdem standen auf der Tagesordnung die pharmazeutische Betreuung und pharmazeutische Leistungsangebote in der Arzneimittelversorgung. Weitere Themen kamen über die Anträge zur Sprache. Wir informieren Sie in unserem Bericht umfassend über den diesjährigen Apothekertag in Köln, die Diskussionen und die Anträge, begleitet von unseren Kommentaren und Randnotizen.

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