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Muskeln per Mausklick?

STUTTGART (la). Die im Juli diesen Jahres gestartete Kampagne "Medikamente Online" klärt zur Zeit auf ihrer Homepage über "Dopingmittel im Internet" auf, ein im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Sydney gerade aktuelles Thema, das jedoch zunehmend auch den Breitensport betrifft. Hinter den oft so harmlos erscheinenden Produkten verbergen sich häufig Substanzen, deren Einnahme zu schweren Gesundheitsschäden führen kann. Ziel der Kampagne ist es, den Verbraucher über diese Risiken, vor allem beim Bezug aus dem Internet, hinzuweisen.

Bis Anfang der 60er-Jahre wurden im Spitzensport ausschließlich Aufputschmittel zur Leistungssteigerung vor dem Wettkampf eingenommen. Erst im Laufe der 60er-Jahre setzte ein Wandel ein: der gesamte Körper sollte konditioniert werden, also in eine gute und schöne Form gebracht werden. "Hinsichtlich der Wahl der Dopingmittel gab es regelrechte "Moden". Sobald ein Präparat auf die Dopingliste kam, wurde nach neuen leistungssteigernden Substanzen Ausschau gehalten", sagte Prof. Dr. Manfred Steinbach, einst selbst erfolgreicher und aktiver Spitzensportler in der Disziplin Weitsprung, auf einer Pressekonferenz der Initiatoren von "Medikamente Online" am 22. September in Stuttgart.

Anabolika gehörten zu den ersten Dopingmitteln, die den Muskelaufbau stimulieren sollten. Nachdem diese Präparate als Dopingmittel 1977 verboten worden waren, setzte man auf das so genannte Blutdoping. Man verabreichte blutverdickende Substanzen wie das Erythropoietin (EPO). Heute sind es vor allem Wachstumshormone und so genannte Nahrungsergänzungsmittel wie Kreatin und Carnitin, die von Spitzensportlern zur Leistungssteigerung eingenommen werden.

Auch im Freizeitsport wird gedopt

Seit Mitte der 70er-Jahre greifen zunehmend Freizeitsportler, vor allem Bodybuilder, zu Dopingmitteln. In diesem Bereich sind es insbesondere Anabolika und Nahrungsergänzungsmittel, die in Fitness-Studios illegal vertrieben und vor allem von jugendlichen Freizeitsportlern konsumiert werden.

Den meisten Anwendern ist gar nicht bewusst, dass sie mit der Einnahme dieser Substanzen ihre Gesundheit gefährden können. Doch die Folgeschäden des Dopingmittelkonsums können gravierend sein, so kann es beispielsweise zu Herzschäden, Lebererkrankungen und -tumoren, Unfruchtbarkeit, Prostatakrebs und psychischen Auswirkungen kommen. Da die Erkrankungen meist erst Jahre später auftreten, kann kaum mehr ein Zusammenhang mit dem Gebrauch von Dopingmitteln erkannt werden.

Dopingmittel im Internet - nein danke

Das Internet stellt einen neuen, nicht kontrollierbaren Vertriebsweg für Dopingmittel dar. "Wir haben schon im Vorfeld zu den Olympischen Spielen eine Angebotshäufung im Internet feststellen können und sehen uns als Projektgruppe "Medikamente Online" in der Pflicht, auf diese Gefahren aufmerksam zu machen", sagte Roger Jaeckel, Leiter der VdAK/AEV-Landesvertretung Baden-Württemberg. Die Arzneimittelsicherheit, medizinische und pharmazeutische Beratung, wie sie von Ärzten und Apothekern geleistet wird, blieben beim Bezug aus dem Internet auf der Strecke. Nur Aufklärung könne hier weiterhelfen, denn "kein Gesetz kann alle Risiken beim Kauf im Internet ausschalten. Die Verbraucher müssen sich daher gut informieren, wenn sie nicht auf die Nase fallen wollen", betonte Monika Ketterer, Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Sie weist auch auf die finanzielle Schädigung durch den Bezug aus dem Internet hin, denn wer sich an die Empfehlungen dort hält, gibt nicht selten mehrere hundert DM im Monat für solche Präparate aus. Viele Bestellungen werden außerdem fehlerhaft, überteuert oder überhaupt nicht geliefert.

Doping - von vielen unterschätzt

"Offensichtlich ist man sich immer noch nicht im Klaren, dass man laufend und fahrlässig mit hochwirksamen Medikamenten umgeht, mit Substanzen, die ausschließlich für die Therapie von Krankheiten vorgesehen sind und deren Missbrauch strafrechtliche Konsequenzen nach sich zieht", sagte Karin Wahl, Präsidentin der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg. So macht sich jeder des illegalen Medikamentenhandels schuldig, der Dopingmittel vertreibt. Seit dem 11. September 1998 sind nach § 6a des Arzneimittelgesetzes (AMG) bestimmte Handlungen im Zusammenhang mit Doping im Sport verboten und nach § 95 AMG strafbar. Für die Abgabe von Dopingmitteln an Personen unter achtzehn Jahren droht das Gesetz sogar mit einer Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren (§ 95 Abs. 3 Satz 2 Nr. 4 AMG). Doch auch Karin Wahl betonte, dass Aufklärung hier besonders wichtig sei. Den Bezug solcher Präparate allein durch das Gesetz zu regeln ist im Internet sehr schwierig. Denn nur durch gute Information kann der Verbraucher sein eigenes Risiko erkennen und abschätzen.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter www.Medikamenteninformation.de und in dem Faltblatt "Muskeln aus der Dose? - Nahrungsergänzungsmittel für Sportler". Das Faltblatt kann bei der Verbraucherzentrale angefordert werden (Paulinenstr. 47, 70178 Stuttgart, Fax (07 11) 66 91 50).

"Medikamente Online"

Die Kampagne "Medikamente Online" wurde gemeinsam von der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg, der VdAK/AEV-Landesvertretung Baden-Württemberg und der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg e. V. initiiert. Sie informiert Verbraucher mit einer eigenen Homepage über die gesundheitlichen, rechtlichen und finanziellen Risiken beim Kauf von Online-Arzneimitteln. Ergebnisse von Testbestellungen, Links zu seriösen und fachlich fundierten Seiten über Arzneimittel und Kontaktmöglichkeiten zu Pharmazeuten, Verbraucherschützern und Krankenkassen runden das Angebot ab. Die Homepage ist zu finden unter: www.medikamenteninformation.de

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