Arzneimittel und Therapie

Influenza: Oseltamivir verkürzt die Grippedauer

Oseltamivir reduziert die Dauer einer Grippe um rund 1,3 Tage und führt zu einem wesentlich leichteren Krankheitsverlauf als die Therapie mit einem Plazebo. So lautet das Fazit einer großen multizentrischen Studie in den USA.

In den USA müssen jährlich schätzungsweise 150000 Patienten aufgrund schwerwiegender Grippekomplikationen hospitalisiert werden; 20000 sterben an den Folgen einer Influenza. Daher wird auch in den USA für bestimmte Risikopatienten (z.B. Alter über 65 Jahre, Aufenthalt in Pflegeheimen, Vorliegen chronischer Erkrankungen) eine jährliche Grippeschutzimpfung empfohlen. Zur kurativen Therapie gibt es bislang nur wenig Optionen. Begrenzt können Amantadin und Rimantadin eingesetzt werden, die allerdings nur gegen das Influenza-A-Virus wirken und ferner mit einer Reihe unerwünschter Wirkungen wie zentralnervösen und gastrointestinalen Störungen sowie zunehmenden Resistenzen behaftet sind.

Die Neuraminidase-Inhibitoren Zanamivir und Oseltamivir sind beide gegen Influenza-A- und Influenza-B-Viren wirksam. Zanamivir (Relenza) muss inhaltiv oder intranasal bzw. parenteral verabreicht werden, Oseltamivir (Tamiflu) kann oral gegeben werden. Die Wirksamkeit von Oseltamivir wurde bislang in Tierversuchen, in Studien mit experimentell infizierten Menschen und in Präventionsstudien nachgewiesen.

Studie mit grippekranken Probanden

In einer neuen Studie wurde die Wirksamkeit und Sicherheit von Oseltamivir bei einer natürlich erworbenen Influenza untersucht. Dazu wurde zwischen Januar und März 1998 an 60 Zentren in den USA eine randomisierte, plazebokontrollierte und doppelblinde Studie durchgeführt. Für diese Studie wurden insgesamt 629 nicht immunisierte Erwachsene im Alter von 18 bis 65 Jahren ausgewählt, die sich im Frühstadium eines grippalen Infekts befanden und auf die folgende Kriterien zutrafen: Einsetzen der Symptomatik seit weniger als 36 Stunden, Temperatur von 38 Grad Celsius oder mehr, Vorliegen mindestens eines respiratorischen (z.B. Husten, nasale Symptome, Halsschmerzen) und eines konstitutionellen Symptoms (z.B. Kopfschmerz, Müdigkeit, Myalgie, Schwitzen).

Die Studienteilnehmer wurden randomisiert drei Gruppen zugeteilt:

  • die Probanden der Gruppe I erhielten während fünf Tagen zweimal täglich 75 mg Oseltamivir,
  • die Teilnehmer der Gruppe II über denselben Zeitraum hinweg zweimal täglich 150 mg Oseltamivir und
  • die Patienten der Gruppe III zweimal täglich ein Plazebo.

Mit Hilfe verschiedener Skalen wurde die Schwere und Dauer der Erkrankung beurteilt. Ferner wurde untersucht, ob sich im Hals- und Nasensekret Influenzaviren nachweisen lassen. Mit Hilfe dieser mikrobiologischen Untersuchung konnte dann nachträglich festgestellt werden, ob die Grippesymptome tatsächlich auf eine Infektion mit einem Influenzavirus zurückzuführen waren.

Oseltamivir verkürzt die Krankheitsdauer um rund 30%

Bei 374 Studienteilnehmern – das sind knapp 60% – konnte eine Influenzainfektion festgestellt werden. Die mit Oseltamivir behandelten Patienten waren weniger lange krank als die Probanden der Plazebogruppe und hatten eine deutlich schwächere Krankheitssymptomatik.

Die statistische Auswertung der Daten führte im Einzelnen zu folgenden Ergebnissen:

  • Die durchschnittliche Krankheitsdauer in der 75-mg-Oseltamivirgruppe betrug 71,5 Stunden, in der 150-mg-Gruppe 69,9 Stunden und in der Plazebogruppe 103,3 Stunden.
  • Im Vergleich zur Behandlung mit einem Plazebo führte Oseltamivir zu einer 38%igen (75-mg-Gruppe) bzw. 35%igen (150-mg-Gruppe) Reduktion der Krankheitssymptomatik.
  • Die Probanden der Verumgruppen hatten weniger lange Fieber und Husten als die Patienten der Plazebogruppe und konnten ihre üblichen Aktivitäten zwei bis drei Tage früher aufnehmen.
  • Komplikationen einer Influenza wie Bronchitis, Pneumonie oder Sinusitis traten bei 15% der mit einem Plazebo und bei 7% der mit Oseltamivir behandelten Patienten auf.
  • Unerwünschte Wirkungen traten in den Verumgruppen häufiger auf als in der Plazebogruppe. So klagten 18% der mit Oseltamivir therapierten Probanden über Nausea und 14,1% über Erbrechen; in der Plazebogruppe waren es nur 7,4% bzw. 3,4%. Übelkeit und Erbrechen unter der Oseltamivirgabe waren indes nur leichter Natur, und nur ein Patient unterbrach die Studie aufgrund gastrointestinaler Beschwerden.

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