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Bluthochdruck: Ein Viertel der Fälle wird nicht erkannt

Eine von vier Personen, denen der Arzt einen normalen Blutdruck bescheinigt, hat in Wirklichkeit eine Hypertonie. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommt eine kanadisch-amerikanische Untersuchung an über dreihundert freiwilligen gesunden Personen.

Alle hatten zwölf Stunden lang ein Gerät zur ständigen Aufzeichnung des Blutdrucks getragen und sich daneben auch zur klassischen Blutdruckmessung im Labor eingefunden. Letztere zeigte bei jedem vierten Studienteilnehmer einen wesentlich tieferen Wert als den Durchschnittswert, den das Gerät aufzeichnete. Selbst eine fünfmal wiederholte Messung vermochte den Fehler nicht zu korrigieren.

Das Phänomen verblüffte die Studiendurchführenden. Bisher war nur der umgekehrte Fall unter der Bezeichnung "Weißkittel-Hochdruck" bekannt: Der Patient kommt in die Praxis, und vor lauter Aufregung über ein möglicherweise nachteiliges Ergebnis schnellt sein Blutdruck in die Höhe.

Wie aber entdeckt man einen hinter "Weißkittel-Normaldruck" versteckten Bluthochdruck? Eine 12-Stunden-Überwachung ist zu teuer, um sie ohne dringenden Verdacht auf eine Blutdruckstörung einzusetzen. Die Selbstmessung zu Hause kann ebenso falsche Ergebnisse liefern wie die Messung in der Praxis. Bleibt also nur, häufig und in dem Bewusstsein zu messen, dass das angezeigte Ergebnis niedriger sein kann als der tatsächlich vorliegende Blutdruck. Zum Glück ist der Fehler meistens nicht größer als 10 Millimeter Quecksilber. Eine Tendenz lässt ich also in jedem Fall per Einzelmessung feststellen.

Quelle: Archives of Familiy Medicine 2000, Vol. 9, Nr. 6, S. 533-540

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