Feuilleton

Ausstellung: Faszinierende Welt der Spinnen

Eine Wanderausstellung, die bis zum 10. September im Naturkundemuseum Gera zu sehen ist, soll dazu beitragen, dass die Vorurteile gegenüber den Lebensgewohnheiten der Chelicerata abgebaut werden. Gezeigt werden lebende Spinnentiere in über 30 Arten, darunter die Vogelspinne Theraphosa leblondii als größte Spinne der Welt, die Schwarze Witwe Latrodectus sowie der afrikanische Riesenskorpion Pandinus imperator.

Horrorgeschichten

Ausgerechnet eine Vogelspinne sei an einem Waldbrand und der Vernichtung zweier Gehöfte schuld gewesen, behauptete der Korrespondent einer brasilianischen Zeitung. Später stellte sich heraus, dass einer der Hausbewohner das Tier entdeckt und mit Benzin überschüttet hatte. Dann warf er ein brennendes Streichholz darüber. Doch nicht nur die Spinne, sondern auch das Gras und die Büsche ringsum fingen Feuer, das dann auf die Gehöfte übergriff. Spinnen werden von den meisten Menschen gemieden, mitunter auch grausam vernichtet. Maria Sibylla Merian ließ sich durch dramatische Berichte von Georg Marcgraf über einen Aufenthalt in Nordost-Brasilien Mitte des 17. Jahrhunderts so sehr beeindrucken, dass sie eine Riesenspinne zeichnete, die gerade einen Vogel erbeutet und getötet hatte. Ihr vermeintlicher Appetit auf Vögel trug dazu bei, dass eine tropische Spinne als Vogelspinne bezeichnet wurde und als Avicularia in die wissenschaftliche Nomenklatur einging. Aus heutiger Sicht ist diese Bezeichnung jedoch kaum zutreffend. Allenfalls größere Spezies aus der Familie der Vogelspinnen (Theraphosidae) töten und verzehren gelegentlich Vögel. Und dies nur, sofern es frisch geschlüpfte Jungtiere sind.

Spinnengift beruhigt...

Prof. Dr. Wolfgang Bücherl berichtete Anfang der 90er-Jahre in einem Buch über Experimente mit Toxinen von 16 südamerikanischen Vogelspinnenarten. (In Südamerika sind über 400 Spezies dieser Familie endemisch. Das ist etwa ein Drittel aller auf dem Globus verbreiteten Theraphosidae.) Die Tests ergaben, dass das Gift der untersuchten Vogelspinnen auf warmblütige Organismen in geringen Dosen sedierend wirkt. Bei Mäusen, denen 25 Prozent der tödlich wirkenden Menge unter die Haut injiziert wurde, habe sich deren aggressive Stimmung nach fünf Minuten besänftigt. Auch seien keinerlei Schmerzsymptome aufgefallen. Nach der Applikation von 33 Prozent der letalen Giftdosis seien die Versuchstiere paarweise eingeschlafen. Bei Störungen seien sie indessen sofort wieder aufgewacht. Nach der Gabe von 50 Prozent der tödlich wirkenden Menge hätten die Mäuse bei langsamer Atmung tief und ruhig geschlafen.

...kann aber auch schmerzhaft sein

Aus diesen Ergebnissen dürfen indessen keine allgemeinen Schlüsse über Spinnengifte gezogen werden. Das Gift der Spezies Trechona venosa beispielsweise, die in der Region um Rio de Janeiro und Sčo Paulo beobachtet wurde, soll nach Berichten aus den 20er-Jahren sogar kleinere Säugetiere töten. Auch wirke es nicht wie die Toxine der Theraphosiden sedierend, sondern verursache Schmerzen und Atemnot. Die meisten Vogelspinnen sind für den Menschen aber weitaus weniger gefährlich, als oft behauptet wird. Ihr Vorkommen beschränkt sich übrigens nicht nur auf die Tropen. In Mitteleuropa etwa sind sie mit der relativ artenarmen Gruppe der Tapezierspinnen vertreten. Diese Spezies verbringen den größten Teil ihres Lebens unter der Erde in Gängen, die mit einem feinen Schlauch ausgesponnen sind. Verfängt sich darin ein Beutetier, wird es getötet und verzehrt. Ort: Naturkundemuseum Gera, Nicolaiberg 3, 07503 Gera, Tel. (0365) 52003. Geöffnet: dienstags bis sonntags von 10.00 bis 17.00 Uhr.

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