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38. Fortbildungskongress in Meran eröffnet: Apotheke steht für Glaubwürdigkei

MERAN (diz). Die Apotheke sollte nicht als Logistik- und Distributionszentrum gesehen werden, sie erbringt einen Mehrwert für den Patienten. Apotheke, so Dr. Hartmut Schmall, Präsident der Bundesapothekerkammer (BAK), in seiner berufspolitischen Eröffnungsansprache zum 38. Fortbildungskongress in der Südtiroler Kurstadt Meran, steht für Glaubwürdigkeit, Verantwortung und auch Qualitätssicherung. Schmall rief auch dazu auf, integrierte Versorgungsformen nicht von vornherein abzulehnen, die Apotheker könnten sie als Chance sehen, die pharmazeutische Betreuung auf breiterer Basis umzusetzen. Der Kongress findet statt vom 28. Mai bis 2. Juni.

"Cash", so der BAK-Präsident, sei der Hauptbeweggrund dafür, dass verschiedene Seiten, so vor allem auch Vertreter des Bundesverbands der Betriebskrankenkassen und der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestags, Kirschner, immer wieder darauf hinwiesen, im Bereich des Vertriebsweges für Arzneimittel lägen noch ungeahnte Wirtschaftlichkeitsreserven. Andere als die Apotheken, die eh nur logistische Distributionsfunktionen erfüllten, könnten dies deutlich kostengünstiger tun, so deren Aussage. Übersehen werden dabei allerdings zwei Aspekte, hielt Schmall entgegen: Die Apotheke ist kein Logistik- und Distributionszentrum, sondern erbringt hochspezialisierte Leistungen rund um das Arzneimittel, und kein anderer Bereich im Gesundheitswesen ist hinsichtlich seiner Datenlage so transparent wie der Arzneimittelsektor: man sieht sehr schnell, dass die rein monetären Einsparpotenziale ausgereizt sind.

"Erlebniswelt Apotheke"

Kritisch setzte sich Schmall mit "findigen Unternehmensberatern" auseinander, die mit Hilfe des "Zauberworts Marketing", die "Erlebniswelt Apotheke" verheißen wollen, bei der Wellness und Gesundheitsvorsorge mit entsprechenden Produkt- und Dienstleistungen im Vordergrund stehen sollen. Nicht selten seien hier Parallelen zu einem drugstore erkennbar, wo die Apotheke als "prescription corner" integriert sei. Schmalls Credo daher: Marketing ja, aber nur mit pharmazeutischen Inhalten. Natürlich unterlägen auch die Apotheken einem Wandel, aber sie sollten nur dort tätig werden, wo pharmazeutischer Sachverstand gefordert sei, bei der Versorgung von Kunden und Patienten – dies dürfe kein Lippenbekenntnis bleiben oder zum Marketinggag degradiert werden.

Apotheker als Lotse

Glaubwürdigkeit, die Basis für das den Apothekern entgegen gebrachte Vertrauen, zeige sich z. B. darin, dass der Apotheker als Lotse im Arzneimitteldschungel fungiert und sich zum Anwalt des Patienten macht, gerade im Bereich der Selbstmedikation. Hier bedeute Hilfe bei der Auswahl der Arzneimittel nicht schneller, optimierter Abverkauf und damit Erfüllung der Werbestrategien des Herstellers, es sollten vielmehr nur solche Arzneimittel empfohlen werden, deren Wirksamkeit und Unbedenklichkeit belegt sind und die Bedürfnisse des Kunden berücksichtigen. Erst dann kämen kaufmännische Aspekte bei der Produktauswahl zum Tragen. Andernfalls, so Schmall, "werden wir uns mit der Frage auseinander zu setzen haben, wo denn der Unterschied ist zwischen einer Arzneimittelabgabe und anderen Versorgungsformen.

Glaubwürdigkeit ist außerdem gefragt, wenn es um die Beurteilung von Produkten geht, die den Eindruck eines Arzneimittels machen, es aber nicht sind. Oft verlässt sich der Verbraucher auf Werbeaussagen. Als jüngstes Beispiel nannte Schmall das Vaselin-Salbenpräparat, das in die Nase appliziert als Heuschnupfenmittel wirken soll. Der Apotheker habe hier eine Pflicht zur Aufklärung, mahnte der BAK-Präsident, mögliche Gefahren müssten deutlich angesprochen werden.

Zur Glaubwürdigkeit gehört auch, rechtliche Regelungen und selbst formulierte Verhaltenscodices, die Berufsordnungen, einzuhalten. Verstöße einzelner bringen das Vertrauen, das die Gesellschaft den Apothekern entgegen bringt, ins Wanken. Apotheker melden den Kammern zwar Verdachtstatbestände, torpedieren dann aber mit Hinweis auf die Kollegialität die Beweissicherung, berichtete Schmall. Damit müsse es Schluss sein. Denn die Kammern könnten auf diese Weise die Verstöße nicht ahnden, und die beschuldigten Kollegen könnten so den gegen sie erhobenen Verdacht nicht ausräumen.

Qualität der Leistung ist Verpflichtung

Die Leistungen der Apotheker erhalten in Umfragen beste Noten, auch wenn ab und an in zum Teil überzogenen Umfragen Defizite aufgedeckt werden, in denen allerdings ein "Fünkchen Wahrheit" steckt. Als Fazit leibt: eine hohe Qualität pharmazeutischer Leistungen stellt für alle Apothekerinnen und Apotheker eine Verpflichtung dar, die in den Heilberufsgesetzen und im SGBV festgeschrieben ist.

Zwischen stationärer und ambulanter Versorgung

Klinische Pharmazie bedeutet patientenorientierte Pharmazie, stellte Schmall fest, und wenn es dieser Begriff auch suggeriert: die im Krankenhaus tätigen Apothekerinnen und Apotheker haben darauf kein Monopol. Klinische Pharmazie bedeutet letztendlich für jeden Apotheker, Sorge dafür zu tragen, dass das Arzneimittel am und durch den Patienten richtig angewandt wird. Und dies geht beide Berufsgruppen an, in der Offizin und im Krankenhaus. Hier allerdings gebe es noch Abstimmungsbedarf zwischen beiden: "An der Schnittstelle von stationärer zu ambulanter Versorgung ist ein reibungsloser Übergang der Versorgung nicht immer gewährleistet". Der BAK-Präsident zeigte sich zuversichtlich, dass hier praktikable Lösungen gefunden werden.

Netzprobleme

Der Gesetzgeber hat keine konkreten Vorgaben gemacht über Inhalt und Struktur der integrierten Versorgung oder von Praxisnetzen. Die Phantasie, mit der man an solche Versorgungsstrukturen herangehen könne, dürfe nicht dazu führen, als Ziel im Auge zu haben, nur dabei sein zu wollen. Sorgfältige Prüfungen und Vorbereitungen seien hierzu notwendig, so Schmall. Als Probleme sieht er dabei die Fragen, ob eine Apotheke parallel im Einflussbereich mehrerer Netze mit unterschiedlichen Versorgungsangeboten liegen kann und dass in Netzverträgen nicht von rechtlichen Bestimmungen des Arzneimittel- und Apothekenrechts abgewichen werden darf. In diesem Punkt lägen denn auch die Risiken der integrierten Versorgung. Auf der Basis vermeintlicher individueller Wettbewerbsvorteile könnten Strukturen geschaffen werden, die mittelfristig zu einer Minderung der Qualität der Arzneiversorgung führen müssten.

Der BAK-Präsident räumte aber auch ein, dass integrierte Versorgung auch eine Chance für Apotheker bieten könnte, das erweiterte pharmazeutische Leistungsangebot besser einzubringen. Es könnten z. B. unter der Federführung der Apotheker Netz-Arzneimittelkommissionen eingerichtet werden, die interne Verordnungslisten erstellen, es könnten Arzneimittelinnovationen oder generische Verordnungen bewertet werden oder die Apotheker könnten die ökonomische Verordnungskontrolle übernehmen. Und schließlich böten Netze auch die Chance, pharmazeutische Betreuung auf breiter Basis umzusetzen.

BAK-Präsident Schmall eröffnete den Fortbildungskongress in Meran mit einer berufspolitischen Rede. Darin setzte er sich kritisch mit aktuellen Marketing-Ideen, die aus der Apotheke eine Art droge-store machen, auseinander. Er forderte, dass der Apotheker sich mehr auf seine fachliche Kompetenz konzentrieren solle und sich als Lotse im Arzneimitteldschungel profilieren solle. Auch über integrierte Versorgungsformen, kurz als "Netze" bezeichnet, sollten die Apotheker konstruktiv nachdenken.

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