Ernährung aktuell

Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben zum ersten Mal gemeinsame Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr erarbeitet. Diese Werte treten an die Stelle der früheren Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE).

Als wichtigste Neuerung wurde unterschieden zwischen nutritiven und präventiven Aspekten von Nährstoffen bzw. Nahrungsinhaltsstoffen. Außerdem hat sich zum Teil die Zuordnung oder die Zufuhrhöhe von Nährstoffen geändert. Dies betrifft unter anderem Energie, Vitamin E und K, b-Carotin, Folsäure, Calcium und Alkohol. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE), die Österreichische Gesellschaft für Ernährung (ÖGE), die Schweizerische Gesellschaft für Ernährungsforschung (SGE) sowie die Schweizerische Vereinigung für Ernährung (SVE) haben sich auf gemeinsame Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr geeinigt. "Zukünftig löst der Begriff ,Referenzwerte' den Begriff ,Empfehlungen' ab, da dieser oft falsch verstanden und verwendet wurde", erläuterte Prof. Günther Wolfram, Vizepräsident der DGE. Es wird außerdem erstmals unterschieden zwischen nutritiven (ernährungsphysiologischen) und präventiven (krankheitsvorbeugenden) Eigenschaften von Nährstoffen. Die nutritiven Eigenschaften der Nährstoffe sollen die Gesundheit und Lebensqualität nahezu aller gesunden Personen der Bevölkerung erhalten und fördern sowie die lebenswichtigen physischen (körperlichen) und psychischen Funktionen sicherstellen. Für diese Substanzen gelten - je nachdem, wie viele wissenschaftlich gesicherte Daten vorliegen - Empfehlungen, z. B. für Vitamin C, A, Eisen und Jod. Oder es gelten Schätzwerte wie für b-Carotin, Vitamin E und K oder Richtwerte wie für Energie, Fett und Alkohol. Bei den präventiven Aspekten von Nährstoffen und Nahrungsinhaltsstoffen werden langfristige gesundheitsförderne Eigenschaften berücksichtigt, die in wissenschaftlichen Untersuchungen erkennbar geworden sind. Dazu zählen z. B. die Verhütung von Osteoporose (Knochenentkalkung) durch Vitamin K oder die Vorbeugung eines Neuralrohrdefektes (offener Rücken) bei Neugeborenen durch Folsäure. Laut DGE betreffen die wichtigsten Veränderungen die Zufuhr von Energie, Fettsäuren, Vitamin E, b-Carotin, Folsäure, Calcium und Alkohol.

Energie:

Die Richtwerte für die Energiezufuhr liegen höher als bisher, da sie auf einer neuen Berechnungsart beruhen. "Die Werte sind nicht mit den früheren Werten vergleichbar. Sie bedeuten aber nicht, dass jetzt jeder wesentlich mehr Energie zu sich nehmen kann. Den Werten für den Basis-Energieverbrauch (Grundumsatz) wird eine definierte körperliche Aktivität zuaddiert", so Prof. Wolfram.

Fett:

Die Richtwerte für die Gesamtfettzufuhr blieben im Wesentlichen unverändert, allerdings sollten höchstens 10 Prozent der Fettzufuhr als gesättigte und 7 Prozent als mehr ungesättigte Fettsäuren zugeführt werden. Außerdem sollte neuerdings das empfohlene Verhältnis von n-6- zu n-3-Fettsäuren weniger als 5 zu 1 betragen.

Vitamin E:

Für Vitamin E werden Schätzwerte für die Zufuhr von Tocopherol-Äquivalenten (Umrechnungswert für Vitamin-E-wirksame Verbindungen) gegeben, die höher liegen als die bisherigen Empfehlungen. Diese Werte werden auf den Gehalt an ungesättigten Fettsäuren in der Nahrung bezogen. Dazu kommt ein Zuschlag zum Schutz von ungesättigten Fettsäuren, die im Stoffwechsel entstehen. Dadurch ergibt sich ein täglicher Grundbedarf von 4 mg a-Tocopherol-Äquivalenten. Als Schätzwert für eine angemessene Zufuhr gelten 12 mg a-Tocopherol-Äquivalente für Frauen und 14 mg für Männer zwischen 25 und 51 Jahren. Laut Prof. Wolfram kann sich jeder über normale Lebensmittel ausreichend mit Vitamin E versorgen. Supplemente sind nicht nötig.

b-Carotin:

Für b-Carotin gilt ein Schätzwertbereich von 2 bis 4 mg pro Tag. Dieser Wert ist aufgrund epidemiologischer Studien präventiv wirksam und gesundheitlich auch für Risikogruppen wie starke Raucher unbedenklich.

Folsäure:

Die neue Definition der Folsäure-Äquivalente aus den USA und Kanada wurde übernommen, um Verwirrungen im internationalen Bereich zu vermeiden. Damit gilt nun, dass 1 Ķg Folat-Äquivalent 1 Ķg Nahrungsfolat bzw. 0,5 Ķg synthetischer Folsäure (Pteroylmonoglutaminsäure) entspricht. Die empfohlene Zufuhr von Nahrungsfolat liegt höher als früher, da die präventive Wirkung von Folsäure auf den Homocysteinspiegel im Plasma berücksichtigt wurde. Außerdem wird speziell auf die Verhütung eines Neuralrohrdefektes durch eine ausreichende Versorgung mit Folsäure über Supplemente in der Frühschwangerschaft eingegangen.

Calcium:

Die empfohlene Zufuhr von Calcium wurde aufgrund epidemiologischer Daten z. B. für Kinder zwischen 13 und 15 Jahren auf 1200 mg täglich erhöht. Für die übrigen Altersgruppen wurden die Empfehlungen nicht durchweg entsprechend den DRI angehoben, da die Datenlage nicht ausreicht. Außerdem wird auf die Folgen einer überhöhten Calciumzufuhr eingegangen.

Alkohol:

Erstmals wurde für Alkohol ein Richtwert benannt. Danach sollten Männer nicht mehr als 20 g Alkohol pro Tag und Frauen nicht mehr als 10 g zu sich nehmen. Diese Menge gilt als gesundheitlich verträglich und berücksichtigt die präventive Wirkung von Alkohol im Hinblick auf das Risiko eines Herzinfarktes.

Bestellung: Die Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr sind bei den herausgebenden Fachgesellschaften oder im Buchhandel erhältlich. Bestelladresse für Deutschland: Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V., Postfach 93 02 01, 60457 Frankfurt, Preis 39,90 DM zuzüglich Versandkosten.

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