Feuilleton

Niederlausitzer Apothekenmuseum Cottbus

Eine Sonderausstellung des Niederlausitzer Apothekenmuseums in Cottbus dokumentiert die Geschichte der Kennzeichnung von Medikamenten von der handbeschrifteten Rezeptfahne bis zur werbewirksam gestalteten Markenverpackung unserer Zeit, eine Arzneimittelgeschichte im Spiegel von Etiketten und Verpackungen.

"Zu Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker!" Diesen wohlgemeinten Hinweis müssen heute die Hersteller freiverkäuflicher Laxanzien, Analgetika, Sedativa und anderer Arzneien den Verbrauchern geben, wenn sie für ihre Produkte werben. Auch in früheren Zeiten, als fast alle Arzneien noch auf Rezept in der Offizin zubereitet wurden, war das Risiko des Missbrauchs nicht auszuschließen. Viele Patienten waren nämlich Analphabeten. Um die Gefahr einer Fehlmedikation zu minimieren, füllten die Appotheker Gifte in dreieckige Behälter. Sechseckige Abgabegefäße wiederum waren ein Erkennungsmerkmal für Substanzen, die äußerlich appliziert werden sollten.

Rezeptfahnen

Rezeptfahnen für Medikamentenflaschen sind zwar seit dem 18.Jahrhundert bekannt. Aber erst mit der technischen Weiterentwicklung der Drucktechnik im ausgehenden 19.Jahrhundert wurde die Kennzeichnung von Arzneimittelbehältern mit individuell gestalteten Schriftzügen, Signets und Vignetten allgemein üblich. Die Firmen Melsbach in Sobernheim und H.C. Steinmüller in Dresden spezialisierten sich auf die Herstellung von Etiketten für Arzneimittelflaschen, Pappdosen und Spanschachteln. Die Rezeptfahnen nützten häufig auch den Apothekern: Eben weil zahlreiche Patienten nicht lesen konnten, wurde die Fahne mit deren Namen sowie einer Nummer beschriftet, die zugleich im "Receptbuch" registriert wurde. Darin war auch verzeichnet, welche Bestandteile das jeweilige Medikament enthielt. Bei Bedarf konnte also die Rezeptur anhand der Angaben jederzeit erneut zubereitet werden.

Etiketten

Mit der Industrialisierung der Arzneimittelherstellung avancierten gedruckte Etiketten dann zusehends zu Werbeträgern. Zumal mit zunehmendem Bewusstsein für die Körper- und Gesundheitspflege in der Bevölkerung die Produzenten nun auch begannen, rezeptfreie Kosmetika und Naturheilmittel zu entwickeln. Die Palette reichte vom "Lockenerzeuger" und "Klettenwurzel-Haaröl" über "Zahnpulver" und "Feinsten Gebirgs-Himbeersaft" bis zum "Maté-" und "Wurmtee" sowie "Indischen Nierentee".

Zu schade zum Wegwerfen

Im Niederlausitzer Apothekenmuseum werden auch Blechschachteln, Pappschachteln sowie Flaschen mit Pipetten und Tuben aus den Dreißigerjahren ausgestellt, deren grafische Gestaltung auf das jeweilige Präparat abgestimmt ist. Es waren für jene Zeit erstaunlich aufwendige Einweg-Verpackungen, die aufgrund ihres Wiedererkennungseffekts eine Verwechslung weitgehend verhinderten. Gerade wegen ihrer Stabilität wurden sie häufig in den Haushalten für andere Zwecke weiterverwendet, z.B. als Stecknadelbehälter.

Made in GDR

Die Ausstellung zeigt auch Verpackungen mit Markennamen wie Bromhexin, Analgin, Neuranidal, Pulmotin oder Azesal, die in der DDR für jedermann ein Begriff waren. Mit etwa 8500 Medikamenten blieb für Apotheker die Anzahl der Fertigpräparate überschaubar. Das industriell gefertigte Standardsortiment wurde in den Rezepturen und Defekturen durch Spezialanfertigungen ergänzt. Heute sind in Deutschland Zigtausende apothekenpflichtige Medikamente auf dem Markt. Hinzu kommt eine schier unüberschaubare Palette an rezeptfreien Produkten vom Hustensaft über den Fußbalsam bis zum Vitamin-Drink, die mit auffälligen Verpackungen und Slogans mehr oder weniger offensiv um Verbraucher werben. In dieser Präparateflut ist der Apotheker mehr denn je als Berater gefragt.

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