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Rauschgift: Neue Expertise über Cannabis-Konsum

(cae). Die pharmakologischen Wirkungen und psychosozialen Folgen des Konsums von Cannabis seien weniger gefährlich, als dies im Allgemeinen angenommen wird. Dies ist das Resümee einer Expertise, die der Tübinger Pharmazieprofessor Karl-Artur Kovar und der Berliner Psychologe und Gesundheitswissenschaftler Dieter Kleiber soeben für das Bundesministerium für Gesundheit erstellt haben.

Die Haschischpflanze

Der Indische Hanf (Cannabis indica) ist in erster Linie als Stammpflanze des Rauschgiftes Haschisch bzw. Marihuana bekannt, das sich als Harz in den Drüsenschuppen der weiblichen Pflanze abscheidet. Sie gedeiht in allen warmen und gemäßigten Klimazonen, also auch in Mitteleuropa. Der Anbau von Hanf ist in Deutschland allerdings gesetzlich verboten.

Anders ist die Rechtslage in der Schweiz: Dort ist der Anbau von Hanf erlaubt, nur darf das Produkt nicht als Droge deklariert werden. Eine andere Deklaration zu finden, fällt den Gärtnern, die dort den Anbau betreiben, nicht schwer, denn die Nutzungsmöglichkeiten von Hanf sind vielfältig.

Vielseitige Nutzpflanze

Hanf war früher von Europa bis Ostasien eine der wichtigeren Faser- und Ölpflanzen. Während Hanfgewebe heute keine Rolle mehr spielt, wird das fette Öl heute noch gern verwendet: Es dient sowohl zur Ernährung als auch zu technischen Zwecken.

Das größte Nutzpotenzial von Hanf liegt jedoch in seinen physiologisch aktiven Inhaltsstoffen. Große Hoffnung werden seit einiger Zeit auf deren Einsatz zur Behandlung bestimmter chronischer Erkrankungen gesetzt. Die Erforschung wird jedoch durch die Einstufung von Haschisch bzw. Marihuana als Rauschmittel erschwert.

Wie gefährlich ist Haschisch?

In der Expertise von Kovar und Kleiber, die von dem Nachrichtenmagazin Focus (Ausgabe 19 vom 8. Mai) vorgestellt wurde, geht es auch darum, wie gefährlich Haschisch wirklich ist. Hierzu einige Punkte:

  • Haschisch macht - anders als Alkohol - nicht körperlich abhängig.
  • Den Echoeffekt, einen Rausch ohne erneuten Konsum nach langer Zeit, gibt es nur äußerst selten - wenn überhaupt.
  • Bei Dauerkonsum beeinträchtigt Haschisch die Lungenfunktion und ist vermutlich kanzerogener als Tabak.
  • Noch unklar ist, ob Haschisch das Immunsystem schwächt, den Sexualhormonspiegel verändert und sich nachteilig auf Föten auswirkt.

Gefahr für Jugendliche und Psychopathen

Der häufige Konsum von Cannabis gefährdet insbesondere Jugendliche. Sie entwickeln häufig eine psychische Abhängigkeit. Anders als bisher angenommen, ist das amotivationale Syndrom bei "kiffenden" Jugendlichen aber weniger eine Folge als die Ursache des Cannabis-Konsums.

Unheilvoll ist auch der Versuch vieler psychotisch Erkrankter, sich mit Hilfe von Drogen wie Haschisch selbst zu "therapieren". Haschisch löst wahrscheinlich keine Psychosen aus, beeinflusst ihren Verlauf aber nachteilig, weil es den Betroffenen die Angst nimmt und damit ein wichtiges Frühwarnzeichen einer Psychose unterdrückt.

Arzneimittel der Zukunft?

Die Anwendung von Haschisch oder von seinen physiologisch aktiven Inhaltsstoffen ist pharmakologisch noch unzureichend untersucht. Praktische Erfahrungen weisen darauf hin, dass Haschisch

  • bei der Chemotherapie von AIDS und Krebserkrankungen antiemetisch wirkt,
  • bei denselben Patientengruppen den Appetit steigert und
  • die Bronchien erweitert, was bei der Asthmatherapie von Bedeutung ist.

Die Cannabinoide, die Hauptwirkstoffgruppe im Cannabis

  • senken den erhöhten Augeninnendruck beim Glaukom,
  • wirken möglicherweise antispastisch bei Multipler Skerose und entkrampfend bei Epilepsie und
  • mildern Tumorschmerzen.

Ob sich therapeutische Vorteile von Haschisch bzw. seinen isolierten Wirkstoffen gegenüber eingeführten Medikamenten ergeben, lässt sich beim derzeitigen Forschungsstand nicht vorhersagen.

Zitat

Ich sehe kein Problem darin, wenn 30- bis 40-Jährige gelegentlich einen Joint rauchen. Prof. Dr. Karl-Artur Kovar, Tübingen

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