Berichte

Schleswig-Holsteins Weg zum QMS

Im Rahmen ihrer jüngsten Kreisversammlungen stellte die Apothekerkammer Schleswig-Holstein ihr neues Konzept für das Qualitätsmanagementsystem (QMS) der Apotheken im nördlichsten Bundesland vor. Das Projekt wird von Kammer und Verband in Schleswig-Holstein gemeinsam getragen.

Beratung und Schulung bietet die Fachhochschule Lübeck unter Leitung von Prof. Dr. Jutta Liebelt an, die das Konzept auch erstellt hat. Die Zertifizierung soll durch die Apothekerkammer Schleswig-Holstein erfolgen. Über die diesbezügliche Zertifizierungssatzung wurde auf der Kammerversammlung am 22. März in Kiel beraten, eine Verabschiedung steht aber noch aus. Angestrebt wird eine kombinierte Zertifizierung, die die Anforderungen der künftig neugefassten ISO-Norm 9001 mit einem apothekenspezifischen QMS verbindet.

Warum die Apotheke ein QMS braucht

Während einer Präsentation in Lübeck am 20. März begründete Liebelt, warum die Apotheke ein QMS braucht. Sie verwies auf den Umbruch in den Rahmenbedingungen des Gesundheitswesens. Es würden immer bessere Leistungen zu niedrigeren Kosten erwartet. Dies erfordere neue Managementstrategien. Das Qualitätsmanagement biete die nötigen Methoden und Werkzeuge, um auf alle Interessenspartner einzugehen und sich auf deren Anforderungen einzurichten. Zu diesen vielfältigen "Kunden" der Apotheke gehören Patienten, Ärzte, Krankenkassen und auch die Mitarbeiter. Nach dem Willen der Gesundheitsministerkonferenz solle bis zum Jahr 2005 Qualitätsmanagement flächendeckend im Gesundheitswesen installiert werden.

Liebelt machte die große Bedeutung der individuellen Anforderungen für die Qualität deutlich. Mit Qualität sei nicht die beste mögliche Leistung gemeint, sondern die Erfüllung der gesetzten Anforderungen, die sich an der individuellen Situation ausrichten müssen. Im Rahmen der Qualitätssicherung wird die Zielerreichung gemessen, aber das Qualitätsmanagement führt weiter: Hier werden in einem Kreislauf der ständigen Qualitätsverbesserung die Arbeitsabläufe systematisch weiterentwickelt.

Neufassung der ISO-Normen

Die Funktionsweise eines solchen Systems lässt sich anhand der Normen-Familie DIN EN ISO 9000ff. darlegen. Die derzeit vorgesehene grundlegende Änderung dieser Normen bezeichnete Liebelt als sehr glücklichen Umstand für die Konzeption des Systems in Schleswig-Holstein, das die alte Norm nicht mehr berücksichtigt. Die künftige Norm DIN EN ISO 9001:2000 wird stärker auf Dienstleistungen eingehen. Sie ist nicht mehr anhand der in der Literatur oft zitierten "20 Elemente" gegliedert, sondern verfolgt einen prozessorientierten Ansatz. Im Mittelpunkt stehen damit Handlungsabläufe, die durch Kunden ausgelöst werden.

ISO plus

Doch fehlt auch der neuen Norm die inhaltliche Orientierung, da sie branchenübergreifend formuliert ist. Darum wird auch Schleswig-Holstein in Einklang mit den ABDA-Beschlüssen ein apothekenspezifisches Konzept gestalten. Neben die Anforderungen der ISO-Norm treten inhaltliche pharmazeutische Anforderungen. Hierzu werden insbesondere die angekündigten Qualitätsstandards der ABDA gehören. So fasst die Apothekerkammer Schleswig-Holstein ihr Konzept unter der Bezeichnung "ISO plus" zusammen.

An die Stelle von Minimalbedingungen tritt ein prozessorientierter Gliederungskatalog. Darin müssen alle Punkte erfüllt sein, oder es muss begründet werden, warum der Aspekt aufgrund der gesetzten Anforderungen für die jeweilige Apotheke irrelevant ist.

Schulungsprogramm für Apotheken

Als Einstieg in das Projekt ist für den 7.Mai eine ganztägige Informationsveranstaltung geplant, für die eine Teilnahmegebühr von 100DM erhoben wird. Ab Juni sollen Seminare für jeweils bis zu zwei Teilnehmer aus zehn Apotheken stattfinden. Für jede Apotheke sind fünf eintägige Veranstaltungen zu besuchen, nach denen jeweils bestimmte Teile des QMS in der Apotheke installiert werden sollen. Einzelne Apotheken sind dabei nicht zwingend an eine Seminargruppe gebunden. Daneben ist zusätzlich ein individuelles Coaching möglich. Als Grundpreis für das Schulungsprogramm sind 2500 DM vorgesehen; der Preis für die Zertifizierung steht noch nicht fest. Als frühestmöglicher Termin für eine Zertifizierung erscheint derzeit der Dezember 2000.

Lebhafte Diskussion

Im Rahmen der Präsentation in Lübeck wurde ausführlich über den Wert einer Zertifizierung diskutiert. Doch über Fragen nach möglichen künftigen Anforderungen von Krankenkassen oder zu beliefernden Institutionen kann heute nur spekuliert werden. Nach Auffassung von Liebelt würden sachkundige Partner nicht ein bestimmtes Zertifikat fordern, sondern einen glaubhaften Nachweis, dass das installierte QMS lebt. Dies allein sei im Sinne des Qualitätsmanagements entscheidend.

Diskutiert wurde auch über die pharmazeutischen Anforderungen an ein QMS aufgrund der Qualitätsstandards der ABDA. Diese werden auch das System in Schleswig-Holstein inhaltlich wesentlich beeinflussen. Da die diesbezüglichen Entwürfe nicht öffentlich zugänglich sind, können sich die Apotheken noch nicht auf die künftigen Anforderungen einstellen. Daher wurde vorgeschlagen, die grob orientierenden Flussdiagramme für die grundlegenden Prozesse vorab zu veröffentlichen. tmb

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