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Thüringer Apotheker warnen vor giftigen Pflanzen

YERFURT (lak/av). Mit dem Beginn des Frühlings erwacht auch die Natur zu neuem Leben. Doch so manches, was da grünt und blüht, ist zwar schön anzusehen, aber auch giftig. Besonders Kinder sind gefährdet, wenn sie die Beeren, Blüten oder Blätter in den Mund nehmen und verschlucken. Vor giftigen Pflanzen in Gärten und Parks warnen daher die Apotheker in Thüringen.

Von den 269 Anfragen zu Pflanzen, die das Erfurter Giftinformationszentrum 1999 aus Thüringen erreichten, betrafen 193 Fälle (72 Prozent) Kinder, von denen 22 (acht Prozent) Vergiftungserscheinungen zeigten. "Während man im Haushalt noch relativ einfach vorbeugen kann, indem man die gefährlichen Produkte für Kinder unzugänglich aufbewahrt, kann man Pflanzen natürlich nicht so einfach wegschließen", erklärt Apotheker Dr. Jörg Jacob, Pressesprecher der Apotheker in Thüringen. Hier sind vor allem die Eltern gefragt, die ihren Kindern so früh wie möglich beibringen müssen, unbekannte Beeren und Pflanzen nicht in den Mund zu stecken. "Grundsätzlich gehören giftige Pflanzen nicht in Gärten und Räume, in denen Kinder spielen", meint Apotheker Jacob. Dazu zählen zum Beispiel Eibe, Fingerhut, Goldregen, Ilex (Stechpalme), Pfaffenhütchen, Seidelbast, Maiglöckchen, Oleander, Dieffenbachie, Stechapfel und Engelstrompete. Auch rohe grüne Bohnen, grüne Tomaten und grüne Kartoffeln sind giftig. Manche Pflanzen, beispielsweise Eisenhut, wirken allein schon durch Hautkontakt gesundheitsschädigend. Und wenn trotz aller Vorsicht doch etwas passiert ist? "Wichtig ist es zunächst einmal, dass die Anzeichen einer Vergiftung rechtzeitig erkannt werden", betont Dr. Jörg Jacob. Häufige Symptome sind: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Magenkrämpfe, Kopfschmerzen, Schwindel, Atemstörungen und Bewusstlosigkeit. Das Wichtigste ist dann Ruhe und Nerven zu bewahren, denn in den meisten Fällen besteht keine Lebensgefahr. "Ist klar, dass das Kind Pflanzenteile verschluckt hat, sollte es Wasser, Tee oder Saft in kleinen Schlucken und Mengen trinken", empfiehlt der Apotheker. Auf keinen Fall sollte Milch zu trinken gegeben werden, da sie die Giftaufnahme beschleunigen kann. Ebenso wenig empfiehlt es sich, das Kind zum Erbrechen zu bringen. Auf keinen Fall darf zu diesem Zweck Kochsalzlösung verabreicht werden. Diese kann bei Kindern zu schweren Vergiftungen führen. Erbrechen sollte nur von einem erfahrenen Arzt mit einem speziellen Medikament ausgelöst werden. In manchen Fällen reicht es schon aus, medizinische Kohle zu geben. Sie bindet die Giftstoffe. Unter der Telefonnummer (03 61) 73 07 30 erreicht man das Giftinformationszentrum in Erfurt, wo man kostenlos ärztlich beraten wird. Unter der bundeseinheitlichen Notrufnummer 112 kann ein Notarzt angefordert werden. Dr. Jörg Jacob: "Dabei ist es wichtig, das Alter des Patienten anzugeben, welche Substanz verschluckt wurde, wie viel davon, wie lange das her ist und welche Maßnahmen bereits getroffen wurden." Die Notrufnummern sollte man immer griffbereit am Telefon aufbewahren.