Prisma

Tumor mit heißem Magnet zerstören

An der Charité sollen Mitte dieses Jahres die ersten Krebspatienten mit Hilfe der Nanotechnologie behandelt werden.

Die Tatsache, dass Tumorzellen durch Erwärmung über 40 Grad Celsius (Hyperthermie) empfindlicher gegenüber zellzerstörenden Medikamenten und Strahlen wird, nutzt man in der Krebstherapie bereits seit langem. Häufig gelingt es aber nicht, den Tumor gleichmäßig zu erwärmen. Durch Einsatz der Nanotechnologie soll die Methode der Hyperthermie nun verbessert werden. Dr. A. Jordan von der Berliner Charité hat ein Konzept entwickelt, das zur Erwärmung des Tumors anstelle von Elektrizität ein magnetisches Wechselfeld benutzt. Voraussetzung ist, dass zuvor magnetisierbare Substanzen (Magnetite) in den Tumor eingebracht werden. Jordan fand heraus, dass sich für diesen Zweck Eisenoxydteilchen in bestimmter Nanometergröße eignen. In Wasser gelöst werden diese Partikel als magnetisierbare Flüssigkeit in den Tumor gespritzt. Sobald der Tumor dann - kontaktlos von außen - einem magnetischen Wechselfeld ausgesetzt wird, heizen die magnetischen Wechselfelder gezielt die Depots der Magnetflüssigkeit auf. Gesundes Gewebe um den Tumor herum erwärmt sich dabei nur unwesentlich mit. Daneben kommt es zum so genannten "Thermal Bystander Effekt", eine Art Kettenreaktion: Die Eisenoxydteilchen lagern sich, ohne Veränderungen im Krebsgewebe hervorzurufen, in kleinste Gefäße ein. Sobald die Nanoteilchen das Gewebe auf über 45 Grad erwärmt haben, sterben viele Krebszellen bereits ab. Zell- und Zellzwischenräume lösen sich auf, das Zellmaterial verflüssigt sich und die Eisenteilchen verteilen sich in dieser "Nekroseflüssigkeit" homogen. Sobald erneut ein magnetisches Wechselfeld angelegt wird, werden weitere Tumorregionen erfasst und die Nekroseflüssigkeit breitet sich weiter in den Tumor aus. Abgebaut wird die Nekroseflüssigkeit mit den Eisenteilchen über Phagozytose. Die erste Anwendung am Menschen wird sich auf Glioblastome richten, für die es bisher keine Heilung gibt. s.sch

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