Reise

F.-C. CzyganFlora unter dem Malteserkreuz – Ma

Natürlich kann jeder, der mit offenen Augen eine Reise macht, viel erzählen. Das gilt vor allem auch für solche Freunde der Göttin Flora, die als Phytopharmazeuten in Arzneipflanzen mehr sehen als verunreinigte Pharmaka, die der Meinung sind, Medizinalpflanzen sollten wie mit einem Kaleidoskop von unterschiedlichen Blickwinkeln aus betrachtet werden, so auch als Sujets der Kunst- und Kulturgeschichte.

Mitten im Mittelmeer

Mein Reiseziel im Frühjahr 1998 war Malta, die Insula Melitensis der Alten [1]. Dieses Kleinod, diese Perle des Mittelmeeres ist etwa 90 km von Sizilien und 290 km vom afrikanischen Festland entfernt. Der französische Maler und Dichter Théophile Gautier (1811-1872) beschrieb den Maltesischen Archipel als "Terrassen zwischen blauem Himmel und blauem Meer". Für ihn war wohl dieses doppelte Blau ein Apotropaikum besonders intensiver Art. Hielt es doch nicht nur böse Geister ab, sondern zog auch viele Besucher in seinen Bann.

Odysseus und Paulus: Mythos oder Geschichte?

Im wahrsten Sinne des Wortes war dies der Fall, als Odysseus auf seiner berühmten "Odyssee" an den Küsten Maltas strandete. Die Nymphe Kalypso rettete den Schiffbrüchigen und pflegte ihn acht Jahre lang. Nicht ohne Hintergedanken. Sie wollte Odysseus ehelichen. Aber selbst ihr Versprechen, ihn unsterblich zu machen, konnte den König von Ithaka nicht davon abhalten, sich von Kalypso zu gegebener Zeit zu verabschieden. Die Sehnsucht nach seiner Heimat und nach Penelope ließ ihn in Richtung Griechenland segeln.

Der zweite berühmte Besucher Maltas war der Apostel Paulus, der als jüdischer Saulus und römischer Bürger in Kilikien, der historischen Landschaft im Südosten des antiken Kleinasiens, geboren wurde. Auch er verunglückte mit seinem Schiff auf seiner großen Reise an den felsigen Gestaden Maltas. Bibelkenner können das alles im 27. und 28. Kapitel der Apostelgeschichte nachlesen. Und auf diese Geschichte berufen sich die Malteser - aus PR-Gründen. Der Apostel wurde zwar nicht von Kalypso oder ihren reizvollen Töchtern empfangen, immerhin jedoch von freundlichen Küstenbewohnern, die Paulus als Gegengabe gleich zum Christentum bekehrte. Allerdings soll nach neuesten Forschungen - für Malteser horribile dictu - Paulus im Jahre 59 nicht in Malta, sondern an der Küste der griechischen Insel Kephallenia gelandet sein. Wissenschaftler wollen das aufgrund der damaligen Strömungsverhältnisse im Mittelmeer rekonstruiert haben.

Mixtura polygenetica

Wenn Malta auch eine europäische Insel ist, deren politisches Establishment sich derzeit um Aufnahme in die EU bemüht [2], wird es doch durch eine Vielzahl sehr unterschiedlicher, auch außereuropäischer Einflüsse geprägt. Das gilt für Menschen und für Pflanzen. Diese Mixtur aus französischer, spanischer, britischer und vor allem arabischer Kultur erhält ihre Besonderheit durch einen Touch italienischen Lebensstils. Molekularbiologisch ausgedrückt (und welcher Naturwissenschaftler, der heute etwas auf sich hält, tut das nicht!) findet man auf dieser Insel eine der interessantesten DNA-Mischungen Europas!

Aber wir wollten uns ja mit der Flora beschäftigen. Jeden Besucher beeindruckt vor allem im Frühjahr die Fülle der Pflanzen, auch eine Mischung aus aller Welt. Viele florale Asylanten haben hier ihr Heimatrecht erworben, Vertreter aus allen Erdteilen.

Sukkulenten aus Afrika ...

So hat Afrika als Heilpflanze die orange-gelb blühende Aloe beigesteuert, Lieferant des Aloe-Harzes, aus dem nicht nur dickdarmwirksame Laxanzien, sondern auch die Haut unserer Evastöchter verschönernde Aloe-Gele hergestellt werden. Südafrika lieferte die - einem gelben Teppich gleich - jedes freie Feld überziehende Sauerkleeart Oxalis pes-caprae, von Linné 1753 "Geißfuß-Sauerklee" genannt, da die kleeartigen Blätter sich nachts zu einer an Ziegenfüße erinnernden Form zusammenlegen. Und violett strahlen überall dem Besucher die Blüten der ebenfalls aus dem Süden Afrikas stammenden Mittagsblumen (Carpobrotus acinaciformis, syn. Mesembryanthemum acinaciforme) entgegen.

... und Amerika

Viele Pflanzen verdankt Malta Amerika. Von Ferne schon begrüßt den Wanderer der bis 8 m hohe, einem Kandelaber gleichende Blütenschaft einer Agave (Agave americana). Diese heute für Mittelmeerländer typische Pflanze, die mancher Maler, so Max Beckmann auf seiner Mittelmeerreise 1939, porträtiert hat, erwarb hier erst nach der Entdeckung Amerikas, also nach 1492, Heimatrecht. Heute wird die Agave wieder als Faserpflanze angebaut; zum anderen wird der viel Zucker enthaltende Saft der Pflanze zwar nicht in Malta, aber doch in Mittelamerika zur Herstellung der alkoholhaltigen Pulque genutzt.

Auch der viele Landstücke undurchdringlich machende und deswegen als "biologischer" Weidezaun genutzte Feigenkaktus (Opuntia ficus-indica) und die an Hauswänden nach oben kletternde, dann scheinbar in einer Kaskade herabfallende rotviolette Bougainvillie (Bougainvillea glabra) stammen aus Amerika. Und außerdem hat dieser Kontinent einen Baum geliefert, der wegen seiner blauen Blütenzweige in Malta verschiedentlich angepflanzt wird: die Hydrophyllacee Wigandia caracasana, die ursprünglich in Süd-Mexiko, Kolumbien und Venezuela zu Hause ist. Alexander von Humboldt und seine Mitarbeiter benannten sie nach dem Arzt Justus Heinrich Wigand (1769 bis 1817).

"Äpfel" aus China ...

Asien stellte vielerlei Pflanzen zur Verfügung, darunter die Zitrone (Citrus limon) und die Apfelsine oder Orange (Citrus sinensis). Beide Arten erfreuen sich als gleichzeitig blühender und fruchtender Straßen- und Gartenbaum in Malta großer Beliebtheit. Die Heimat der kultivierten Agrumen-Arten ist wohl das Monsumgebiet Südostasiens.

Vermutlich wurden Zitrone und Apfelsine (der "Chinesische Apfel") schon vor 4000 Jahren in China von der Wild- zur Kulturpflanze. Ob bereits Alexander der Große im 4. Jahrhundert v.Chr. die Zitrone nach Europa brachte, ist ungewiss. Wahrscheinlich ist sie erst 300 Jahre später an der nordafrikanischen Küste (vielleicht auch schon auf Malta?) angebaut worden. Ob Kreuzritter oder Kaufleute die Apfelsine und die einst ökonomisch wichtigere Pomeranze (Citrus aurantium) ins mediterrane Europa einführten, bleibt umstritten. Sicher fanden auch die Ritter des Johanniterordens auf Malta - wie der mitteleuropäische Adel in der Barockzeit - Vergnügen an Orangerien, Gärten, in denen Citrus- und andere (sub-)tropische Arten (u.a. Aloe und Punica) als Kübelpflanzen gepflegt wurden.

... und aus Phönizien

Natürlich lockt aus dem Grün mancher maltesischer Gärten das Braunrot eines reifen Granatapfels (Punica granatum). Dieser Baum stammt wohl ursprünglich aus dem Vorderen Asien; er ist aber schon seit Jahrtausenden im Mittelmeergebiet und in den angrenzenden Ländern heimisch. Bereits die Alten Ägypter kultivierten ihn, malten ihn und hielten ihn hoch in Ehren. Im Alten Karthago wurde der Granatapfel in Wand- und Eingangsmosaiken dargestellt. Dort lernten die Römer diese Frucht zu schätzen. Sie nannten sie daher "Phönizischer Apfel - pomum punicum".

Zwischen Eros und Agape

In allen Kulturen symbolisiert die Granatapfelfrucht wegen ihres Samenreichtums Fruchtbarkeit und Reichtum, aber auch Weisheit des Alters, Eros und Sexualität. Der Granatapfel wurde griechischen und orientalischen Vegetationsgottheiten wie Hera, Adonis und Baal zugeordnet. Im syrisch-phönizischen Kultbereich trug er sogar denselben Namen wie der Sonnengott Rimmon.

Es mag einer der Zufälle der Naturgeschichte sein, dass dieses Symbol der Venus einen besonders hohen Gehalt an weiblichen Geschlechtshormonen enthält. Und Eros symbolisiert diese Frucht auch in den berühmten Malereien des "Chinesischen Senfkorngartens" aus dem 17. Jahrhundert. Etwa 300 Jahre später, 1944, malt Salvador Dalí einen geöffneten Granatapfel in sein Gemälde "Der Traum", in dessen Mittelpunkt eine unbekleidete Frauengestalt liegt.

Eine andere Funktion hat der Punische Apfel auf Mariendarstellungen des Mittelalters und der beginnenden Neuzeit. So ist er in den Händen des Jesuskindes der Stuppacher Madonna (1519 von Mathis Gothard Nithart genannt Grünewald gemalt) Metapher für Agape, aber auch eine Art Reichsapfel oder Erdkugel, die Christus als Weltenherrscher zeigen soll. Nicht zuletzt ist damit der Granatapfel eines der Bindeglieder zwischen dem Alten und dem Neuen Bund. In beiden Büchern der Bibel, im Alten und im Neuen Testament, wird er in vielfältiger Weise erwähnt.

Eine Gaumen- und Augenfreude

Und welche Rolle spielt der Granatapfel heute in Malta? Die haltbare und daher gut transportable Frucht wird zum einen gekühlt frisch ausgelöffelt. Zum anderen wird der Saft (Grenadine) gewonnen und gekühlt als Sherbet oder Sorbet getrunken, aber auch zu Konfitüre oder Sirup verarbeitet.

Und schließlich verstehen es arabische Färber, aus den sehr gerbstoffreichen Schalen Farbextrakte herzustellen, mit denen Eiweißfasern wie Wolle je nach Vorbehandlung zitronengelb oder rot- bis schwarzbraun gefärbt werden können. Mancher orientalische Teppich verdankt seine intensiv rote Farbe nicht der Krappwurzel, sondern dem Punischen Apfel.

Zwei nützliche Zierbäume

Als asiatische Gabe ist weiter zu erwähnen der wegen seiner weißen Blütendolden auch "Indischer Flieder" oder "Chinesischer Holunder" genannte Alleebaum Melia azedarach, ein naher Verwandter des indischen Neem- oder Nim-Baums [Antelaea azadirachta (L.) Adelbert], ebenfalls eine Meliacee (beide Artnamen stammen aus dem Persischen und bedeuten "freier Baum"). Intensiv wird derzeit über die in den Blättern von Melia azedarach vorkommenden Sekundärmetaboliten geforscht [3]. Es handelt sich um Tetranortriterpene vom Typ der C-seco-Limonoide, so genannte Meliacarpine. Sie sind Quellen zukünftig einsetzbarer Insektizide. Interessanterweise soll der "Indische Flieder" schon im 16.Jahrhundert im Mittelmeergebiet als Zierbaum angebaut worden sein. So ist eine Abbildung von ihm im Hortus Eystettensis, dem 1613 gedruckten monumentalen Pflanzenwerk, zu finden.

Und wer kennt sie nicht, die an vielen Straßen und in Gärten angepflanzte Japanische Wollmispel (Eriobotrya japonica)? Liefert sie doch die nicht nur in Italien als Nespoli geschätzten goldgelben säuerlich-erfrischend schmeckenden Früchte, die wir inzwischen auch bei uns zur Erntezeit in vielen Feinkostgeschäften kaufen können.

Das Geschenk Australiens

Schließlich stammt vom australischen Kontinent der Eukalyptusbaum (Eucalyptus globulus), der mittlerweile weltweit in den Tropen und Subtropen, so auch in Malta, etabliert ist. Er liefert bekannterweise die an ätherischen Ölen reiche, im Europäischen Arzneibuch Nachtrag 1999 monographierte Droge Eucalyptusblätter = Eucalypti folium (daraus das durch Wasserdampfdestillation und anschließende Rektifikation gewonnene Eucalyptusöl = Eucalypti aetheroleum Ph. Eur.).

Comino, die Kümmelinsel

Ein bayerischer Arzneipflanzenforscher nennt es Schmankerln, was Malta sonst noch an floralen Raffinessen zu bieten hat. So trägt eine kleine Insel des maltesischen Archipels den Namen Comino nach der lateinischen Bezeichnung "cuminum" für Kümmel = Carvi fructus, der auch im Europäischen Arzneibuch 1997 zu finden ist. Tatsächlich wurde Carum carvi auf Comino feldmäßig angebaut, damals, als die zerklüfteten Küsten des Eilands Seeräubern und ihren Schiffen als sichere Verstecke dienten. Heute bringen in den klaren Küstengewässern schnorchelnde und tauchende Touristen aus aller Welt höhere Gewinne als der mühselige Anbau der Apiacee oder die meistens lebensgefährliche Tätigkeit als Pirat.

Ein wenig "volksmedizinisch" wird es auf Comino im Frühjahr, wenn der violett und rosa blühende Thymian (Thymus spec.) seinen intensiven Duft ausströmt. Das lockt besonders Bienen an, die Thymian-Pollen und -Nektar zu einem Honig verarbeiten, der der beste der Region sein soll.

Nationalpflanze

Ein florales Faktum erfreut den Pflanzenfreund besonders. Malta hat eine Nationalpflanze, die endemisch in diesem Land vorkommt und außerdem garantiert durch die Hände aller, wirklich auch aller Einwohner geht. Es handelt sich um Palaeocyanus crassifolius (Bertol.) Dostál. Diese etwas an Centaurea montana, die Bergflockenblume, erinnernde Komposite ist auf dem maltesischen 50-Cent-Stück abgebildet.

Lebensbaum der Steinzeit

Aber schon vor mehr als 5000 Jahren, in der Megalith-Kultur Maltas, also in Zeiten vor dem Bau der ägyptischen Pyramiden, spielten Pflanzen auf dieser in den meisten Jahreszeiten trockenen, unwirtlichen und vegetationsarmen Insel eine besondere Rolle. Auf einem Altarstein (?) in der riesigen Tempelanlage von Hagar Qim (ca. 2700 v. Chr. erbaut) ist ein 73 cm hoher, aus goldgelbem Globigerinenkalk [4] aufgebauter Stein zu bewundern, der auf allen Seiten der Deckplatte und der tragenden Säulen zunächst eine Punktierung aus einer Vielzahl von "Bohrlöchern" aufweist. Jede der vier Seiten ist auf einer vertieften Fläche mit diversen Ornamenten geschmückt. So ragt aus einem mit Tragbügeln (?) versehenen Topf ein stilisierter Zweig oder Baum empor, an dem zu beiden Seiten je zwölf Blätter oder Äste (im Bild sind nur jeweils neun zu sehen) ansetzen.

Vermutlich handelt es sich hier um das uralte und besonders auch im Mittelmeerraum verbreitete Symbol des Lebensbaumes mit den den Monaten eines Jahres entsprechenden Blättern oder auch Seitenästen. Das ist Paläobotanik besonderer Art. Ebenfalls unterstützt die Spirale im Hintergrund als Metapher für ein langes, vielleicht sogar ewiges Leben die Deutung der Darstellung als Baum (Nadelbaum?) des Lebens.

Das Geheimnis des Malteser-Schwamms

Zum Schluss noch etwas "fast" Pharmazeutisches: Wie ein soldatischer Wachposten schützt der Fungus Rock oder Hagret il-General den Eingang zur Dwejra Bay im Westen der Insel Gozo, die ebenfalls zum maltesischen Archipel gehört. Der schwer zugängliche Felsen wurde schon zur Zeit, als der Johanniter-Orden Malta beherrschte (1530-1798; Vertreibung durch Napoleon), einer besonderen Pflanze wegen, die dort oben wuchs, geschätzt: Es war der Malteser-Schwamm oder Johanniter-Pilz, von den alten Apothekern auch Fungus melitensis genannt. Diese Pflanze war im 17. und 18.Jahrhundert so berühmt, dass viele Reisende sie kennen lernen wollten. So unterbrach der preußische Gartenarchitekt Fürst Hermann von Pückler-Muskau 1835 seine Mittelmeerreise, um diesen Fundort auf dem Felsen in einer beschwerlichen Partie zu besuchen [5].

Um welche Pflanze handelt es sich? Es ist Cynomorium coccineum, ein Wurzelparasit aus der eigentlich tropischen Pflanzenfamilie der Balanophoraceen. Die chlorophyllfreien, bis zu 20 cm hohen Stängel dieser Pflanze sind blattlos. An dieser kolbenförmigen, rotbraunen Achse stehen gleichfarbige Blüten fast ungestielt (Blütezeit April bis Mai). Die Wurzeln des Schmarotzers umwachsen knotenförmig die Wurzeln der jeweiligen Wirtspflanze. Es sind Arten aus den Gattungen Inula, Atriplex, Medicago, Lentiscus, Myrtus, Salsola und Lepturus. Allerdings kommt diese sonderbare Pflanze nicht nur auf Gozo vor. Sie wurde auch an den Küsten Tunesiens, Algeriens, Ägyptens, Palästinas, Kretas, Sardiniens, Siziliens, Südspaniens und Süditaliens, außerdem auch in Lanzarote und Jamaika gefunden [5].

Aber Furore machten nur Cynomorium-Herkünfte vom Fungus Rock. Warum eigentlich? Im Laufe der Jahrhunderte wurde dieser Schmarotzer gegen eine Fülle von Krankheiten eingesetzt: u.a. zur Behandlung von Schlaganfällen und von zu hohem Blutdruck, von Ruhr, offenen Wunden und Diarrhö. Entsprechend der Signaturenlehre wurde die Pflanze jedoch vor allem als Hämostyptikum, aber auch wegen ihrer phalloiden Form als Aphrodisiakum genutzt und für teueres Geld von den geschäftstüchtigen Ordensrittern an den "Mann" gebracht.

Unser Jahrhundert enttäuschte jedoch die Erwartungen der Freunde des Malteser-Schwamms. Irgendwelche Wirkungen und Wirksamkeiten konnten bei ernsthafter Überprüfung nicht nachgewiesen werden. Aber manche Malteser schwören noch heute auf die Wirkung dieser "luststeigernden" Droge - zumindest dem gutgläubigen Touristen gegenüber. So wird vielleicht - im Zeitalter von "Viagra" - aus dem unwirksamen Phytotherapeutikum ein effektives Psychotherapeutikum.

Muss man das den Bewohnern der Insel nicht nachsehen? Sind doch selbst viele bei uns gehandelte Pharmaka nur als Plazebos wirksam. Sie machen immer wieder deutlich, dass auch die so genannte naturwissenschaftlich begründete, rationale Medizin der Gegenwart immer noch "Heilkunst" ist, in der das Irrationale durchaus seinen Platz hat.

Danksagung: Frau Apothekerin Ingrid Schönfelder, Regensburg, und Herrn Dr. Uwe Buschbom, Würzburg, bin ich für die zur Verfügung gestellten Pflanzenabbildungen sehr zu Dank verbunden.

Fußnote¹: Meinen Reisebegleiterinnen Isolde, Anneli und Barb für die vielen Malta-Anregungen in Dankbarkeit zugeeignet.

Literatur und Anmerkungen

[1] Malta - Apa Guides. APA-Publications, 1996. [2] Am 6. Dezember 1998 ging eine für Malta wichtige Meldung durch die Tagespresse. So war in der Süddeutschen Zeitung zu lesen: "Der Malteser- oder Johanniter-Orden ist 200 Jahre nach seiner Vertreibung durch Napoleon am Wochenende auf die Mittelmeerinsel zurückgekehrt. Der Orden bezog wieder Quartier in Teilen der historischen Festung im Hafen der Hauptstadt La Valetta. Der Malteser-Orden arbeitet heute als karitative Organisation. Passend zur Feier des 900. Jubiläums seiner Gründung als "Souveräner Militär- und Hospitaler-Orden des Heiligen Johannes von Jerusalem, Rhodos und Malta" hat die maltesische Regierung dem Orden die Rückkehr auf die Insel gewährt. Ein Vertrag wurde ausgehandelt. Allein die Zeremonie seiner Unterzeichnung ist schon als Jubiläumsgeschenk geeignet. Im Staatssaal des Präsidentenpalastes, der einst der Sitz des Großmeisters der Malteser-Ritter war, ist ein Tisch aufgestellt, an dem als souveräne Vertragspartner Maltas Ministerpräsident und der Groß-Kanzler des Ordens die Dokumente unterschreiben. Stumme Zeugen sind Maltas Staatspräsident und der Großmeister des Ordens." [3] Bohnenstengel, F.I., V. Wray, L. Witte, R.P. Srivastava, P. Proksch: Insecticidal meliacarpins (C-seco limonoids) from Melia azedarach. Phytochemistry 50, 977-982 (1999). [4] Globigerinen sind bis zu 2 mm große Foraminiferen aus dem Jura. [5] Freller, F.: Fungus Melitensis, eine legendäre Heilpflanze. Pharm. Ztg. 142, 4612-4614 (1997). - In diesem Aufsatz wird eine Fülle von biologischen und kulturhistorischen Daten über den Johanniter-Pilz aufgeführt.

Ein Phytopharmazeut beobachtet auf Reisen insbesondere die exotische Pflanzenwelt. Eine ungewöhn-liche, sehr anregende Sichtweise ist dabei solchen Vertretern des Faches zu eigen, die in Pflanzen mehr sehen als verunreinigte Pharmaka, die der Meinung sind, Medizinalpflanzen sollten wie mit einem Kaleidoskop von unterschiedlichen Blickwinkeln aus betrachtet werden, so auch als Sujets der Kunst- und Kulturgeschichte.

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