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Fettsäurequalität und Belastbarkeit im Sport

Der gezielte Einsatz von Nahrungsmitteln ist im Bereich des Leistungssports hinreichend bekannt: Die Pasta-Party am Abend vor dem Marathon, der isotonische Sportlerdrink während des Laufens! Doch lassen sich solche Tipps auch auf den normalen Freizeitsportler übertragen? Und welche Empfehlungen sind im Hinblick auf Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit sinnvoll? Im Rahmen des 36. Deutschen Kongresses für Sportmedizin und Prävention in Freiburg wurden dazu neue Beobachtungs- und Studienergebnisse vorgestellt und diskutiert.

So lässt sich aufzeigen, dass eine gezielte Nahrungsauswahl und die Zufuhr mehrfach ungesättigter Fettsäuren als Nahrungsergänzung die Regeneration und Leistungsfähigkeit positiv beeinflussen können. Dabei spielen die Fettsäuren eine Rolle als Vermittler von Körperreaktionen und als Regulatorsubstanzen für Entzündungsvorgänge. Dies gilt nicht nur im Zusammenhang mit sportlichen Aktivitäten, sondern ist grundsätzlich für die Gesunderhaltung von Bedeutung.

Bedeutung der Fette in der Ernährung bei Sportlern

Für die Energiegewinnung im arbeitenden Muskel ist die Bedeutung der Fette abhängig von der Belastungsintensität und der Verfügbarkeit von Kohlenhydraten. Regelmäßiges Ausdauertraining erhöht die Fähigkeit der Muskulatur, während der Belastung Fett als Energiequelle zu nutzen und die Kohlenhydratspeicher zu schonen. Im Gegensatz zu den Kohlenhydraten bestehen für die Fette unbegrenzte Speichermöglichkeiten, so dass die Fettzufuhr nicht über 20 bis 30% der Gesamtkalorienzahl zu liegen braucht.

Bei der Zusammenstellung des Ernährung sollte neben der Quantität des Fettkonsums vermehrt auch die Qualität der Fette berücksichtigt werden. Es wird empfohlen, vor allem auf eine ausreichende Zufuhr an mehrfach ungesättigten Fettsäuren (MUFS) zu achten. Der Anteil der Fette mit gesättigten Fettsäuren soll dagegen weniger als 10 kcal% des Gesamttagesbedarfs betragen.

Funktion der MUFS im Organismus

Bei regelmäßiger Zufuhr werden die mit der Nahrung aufgenommenen MUFS in körpereigene Strukturen, wie die Membranen der Körperzellen oder die im Blut zirkulierenden Blutzellen und Transportpartikel, eingebaut und bestimmen so deren Eigenschaften in erheblichem Maße mit. Über dieses Wirkprinzip nehmen MUFS nachweislich Einfluss auf die periphere Durchblutung, auf Stoffwechselvorgänge im Gewebe, auf die immunologische Toleranz sowie den Ablauf von metabolischen Sekundärreaktionen nach Körperbelastung. Untersucht man die mit unserer Verpflegung üblicherweise verzehrten Lebensmittel auf ihren Gehalt an MUFS, so ist speziell eine mehrfach ungesättigte Fettsäure, die Arachidonsäure, überrepräsentiert. Die Arachidonsäure kommt ausschließlich in tierischen Produkten vor.

Im Gegensatz dazu werden die mit der Arachidonsäure im Eicosanoidstoffwechsel konkurrierenden Fettsäuren nur unzureichend zugeführt:

  • die omega-6-gamma-Linolensäure (in Nachtkerzenöl und Borretschöl),
  • die omega-6-alpha-Linolensäure (im Leinsamen) oder
  • die omega-3-Eicosapentaensäure (EPA), die vor allem in Kaltwasserfischen (wie Makrele, Hering und Wildlachs) vorkommt.

Das Ungleichgewicht in der Zufuhr von MUFS und die Anreicherung von Arachidonsäure im Organismus hat negative Konsequenzen für die Synthese von spezifischen Gewebshormonen, für das periphere Gleichgewicht im Prostaglandinstoffwechsel und für den zellulären Fettsäuretransport.

Schlüsselfunktion im Eicosanoidstoffwechsel

Aus den MUFS werden im Eicosanoidstoffwechsel in den meisten Geweben die Mediatorstoffe Prostaglandine, Thromboxane und Leukotriene synthetisiert. Sie regulieren Entzündungsprozesse sowie den Funktionszustand von Thrombozyten und Gefäßendothel. Darüber hinaus beeinflussen sie den Tonus der glatten Muskulatur von Gefäßen des Bronchialtraktes und des Uterus. Die Zusammensetzung der Nahrungsfettsäuren spiegelt sich jedoch auch in den Membranphospholipiden von zirkulierenden Blutpartikeln sowie in Zellen und Zellorganellen wider.

Membranpermeabilität und -stabilität, die Ionen- und Sauerstoffkapazität, die Aktivität membranassoziierter Enzyme sowie hämorheologische und rezeptorgesteuerte Funktionen sind Beispiele für membranbezogene Eigenschaften. Wichtige Determinanten für die belastungsinduzierte Stressreaktion werden daher über Fettsäuren mit gesteuert. So lässt sich zeigen, dass Muskelstress- und Entzündungsreaktionen bei Sportlern signifikant mit dem Anteil von gesättigten bzw. einfach ungesättigten Fettsäuren im Plasma korrelieren. Das heißt, es zeigen sich weniger Entzündungsreaktionen bei einem höheren Anteil von mehrfach ungesättigten Fettsäuren.

Fettsäurequalität ist ausschlaggebend

Über die Ernährungszusammensetzung und eine erhöhte Fettsäurezufuhr (z. B. gamma-Linolensäure) kann Einfluss auf die Konzentration und Verteilung der Fettsäuren im zirkulierenden Plasmapool genommen werden. Dabei werden die Metaboliten von Linol- und Linolensäure erst bei hoher, mit der üblichen Standardernährung in der Regel nicht erreichten Zufuhr im menschlichen Organismus wirksam.

Bei günstiger P/S-Verteilung der Fettsäuren im Plasmapool - also bei einem hohen Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren - kommt es zu einer signifikanten Reduzierung der muskulären und immunologischen Stressreaktion. Dies ist bei Sportlern unter Trainingsbedingungen nachgewiesen, es ist davon auszugehen, dass diese Ergebnisse auch auf Freizeit- und Breitensportler zu übertragen sind.

Aus sportmedizinischer Sicht sollte deshalb im Bereich der Makronährstoffe mehr Gewicht als bisher auf die Auswahl der Nahrungsfette und die damit verbundene Verteilung der Fettsäuren gelegt werden. Denn über die Auswahl und Zufuhr der MUFS ist eine Beeinflussung der belastungsinduzierten Sekundärphänomene gegeben. Für den Sportler ist dies mit einer Verbesserung der muskulären Belastbarkeit und Regeneration und damit des Wohlbefindens verbunden.

Glossar

MUFS = mehrfach ungesättigte Fettsäuren, z.B. Linolsäure, alpha- und gamma-Linolensäure, Eicosapentaensäure GFS = gesättigte Fettsäuren, z.B. Palmitinsäure, Buttersäure P/S-Quotient = Anteil der zugeführten mehrfach ungesättigten Fettsäuren (MUFS) / Anteil der zugeführten gesättigten Fettsäuren (GFS)

Angestrebt wird ein P/S-Quotient von 1, aber so gut wie nie erreicht. Auswertungen von Ernährungsprotokollen an der Uni Freiburg zeigen einen Mittelwert von 0,4; als zufriedenstellend wird zur Zeit ein Wert von 0,7 bis 0,8 angesehen. Das heißt, bei der Verwendung von Fetten und der Auswahl der Nahrungsmittel muss darauf geachtet werden, deutlich mehr pflanzliche Produkte und Fische in unserem Speiseplan zu berücksichtigen.

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