Arzneimittel und Therapie

Neue Kombinationsbehandlung: Hepatitis C ist weiter verbreitet als AIDS

Rund 800000 Deutsche sind an Hepatitis C erkrankt. Die meisten wissen nichts von ihrer lebensbedrohenden Erkrankung. Das Robert-Koch-Institut in Berlin geht von jährlich 5000 Neuinfektionen aus. Weltweit sterben bereits heute täglich mehr Menschen an Hepatitis C als in einem Jahr an AIDS.

Vergleicht man heute die Zahl von HIV-Infizierten - 40000 in Deutschland, wovon 5000 an AIDS erkrankt sind - mit der von Hepatitis-Infizierten, so hat letztere Gruppe bei weitem ein größeres Ausmaß angenommen. Dennoch ist das Bewusstsein für diese gefährliche Erkrankung auch viele Jahre nach der Entdeckung des Virus gering. Wegen der selten vorkommenden, milden Symptome, wie depressive Verstimmungen, Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Erschöpfung, gelegentliche Oberbauchbeschwerden oder Gelenkschmerzen, ist die Hepatitis C schwierig zu erkennen. Eine Gelbsucht tritt selten auf. Die Diagnose wird nur selten gestellt.

Das Virus wurde 1988 entdeckt

Das Hepatitis-C-Virus wurde 1988 entdeckt und ist die dritthäufigste Ursache für eine Leberentzündung, die durch Viren verursacht wird. Wie auch der AIDS-Virus gehört das Hepatitis-C-Virus zu der Klasse der Retroviren. Es vermehrt sich täglich milliardenfach. Zusammen mit der ständigen Veränderung der Erbinformation kann das Virus den Aufbau einer schützenden Immunität des Organismus immer wieder unterlaufen. Die Erkrankung schreitet schnell fort. In 80 bis 90% der Fälle kommt es schließlich zu einem chronischen Verlauf.

Zulassung für Kombinationsbehandlung

Die Firma Essex Pharma erhielt nach einer Pressemeldung kürzlich die Zulassung für die Kombinationsbehandlung bestehend auf Intron A® (Interferon-alfa-2b) plus Rebetol® (Ribavirin 200 mg Kapseln) bei chronischer Hepatitis C. Die neue Behandlungsoption ist sowohl für bislang unbehandelte Hepatitis-C-Patienten (= naive Patienten) als auch für diejenigen, die nach einer Interferon-Monotherapie ein Rezidiv erlitten haben (= Relapse-Patienten), zugelassen.

Verglichen mit der Interferon-Monotherapie zeigte sich ein signifikanter Anstieg der Ansprechraten bei der Kombinationstherapie. Der Therapievorsprung der Kombination Intron A® plus Rebetol® stellt sich bei den beiden Patientengruppe wie folgt dar:

  • Primärtherapie: Sechs Monate nach Therapieende zeigte sich eine deutliche Überlegenheit der Kombinationstherapie (Intron A® + Rebetol®): 43% (118/277) der Patienten, die über 48 Wochen mit der Kombination behandelt wurden, aber nur 19% (53/278) der Patienten mit Monotherapie waren virusfrei. Außerdem war die Kombinationsbehandlung über 48 Wochen mit 43% Ansprechrate derjenigen über einen Zeitraum von 24 Wochen überlegen (35%).
  • Rezidivtherapie: Direkt nach Abschluss der Kombinationstherapie aus Intron A® plus Rebetol® waren 82% der Patienten virusfrei, jedoch konnten nur 47% der Patienten unter Interferon-Monotherapie das Virus zu Behandlungsende eliminieren. Sechs Monate nach Therapieende waren 49% (84/173) der Patienten, die mit der Kombinationstherapie behandelt wurden, virusfrei. Dagegen zeigte sich nur bei 5% (8/172) der mit Monotherapie Behandelten ein vergleichbares Ergebnis. In der Kombinationsgruppe profitierten 63% der Patienten von der Therapie und erreichten eine Verbesserung ihrer Leberhistologie. Eine entsprechende Verbesserung ergab sich nur bei 41% der Patienten der Monotherapiegruppe.

Nach aktuellem wissenschaftlichen Stand ist die optimale Behandlung der Hepatitis C von Anfang an die Kombinationstherapie mit einem Alfa-Interferon plus Ribavirin über ein Jahr, bei einem initialen Ansprechen nach sechs Monaten.

Infektion über Blutkontakt

Die Ansteckung mit dem Hepatitis-C-Virus erfolgt meist über Blutkontakt. Seit etwa 10 Jahren ist das Risiko via Blutübertragungen deutlich gesunken. Das Blut von Spendern wird heute routinemäßig auf Antikörper gegen das Virus untersucht. Ein Test auf die Hepatitis-C-Infektion wird bei allen Personen empfohlen, die vor 1992 eine Bluttransfusion erhielten oder mit Blutkomponenten behandelt wurden.

Weitere Ansteckungswege sind u.a. eine zahnärztliche Behandlung in einem Land mit niedrigem Hygienestandard, Tätowierungen und Piercing mit unzureichend desinfiziertem Material. Die sexuelle Übertragungsgefahr wird als gering eingeschätzt. Bei etwa 40% der Betroffenen ist der Übertragungsweg nach wie vor nicht bekannt.

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