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Praktische Erfahrungen bei der Betreuung von Diabetikern

(tmb). Die Pharmazeutische Betreuung bei Diabetes war Gegenstand einer Untersuchung in fünf Apotheken in Schleswig-Holstein. Dabei stand die apothekenindividuelle Umsetzung der Pharmazeutischen Betreuung im Vordergrund. Für die inhaltliche Arbeit erwies sich der Einsatz von Blutzuckermessgeräten als besonders hilfreiches Instrument.

Die Untersuchung wurde als Kooperation des Landesapothekerverbandes Schleswig-Holstein, der Arbeitsgruppe Arzneimittelepidemiologie der Humboldt-Universität Berlin und der Firma Bayer Vital durchgeführt. Die Arbeit in den fünf Schleswig-holsteinischen Apotheken begann im Juli dieses Jahres, erste Ergebnisse wurden Anfang November der Öffentlichkeit vorgestellt.

Individuelle Ansätze für die Pharmazeutische Betreuung

Für Apothekerin Ulrike Kahmen, Berlin, Leiterin und Initiatorin des Projektes, war die Grundidee, die Pharmazeutische Betreuung individuell auf die teilnehmenden Apotheken zuzuschneiden. So wie die Pharmazeutische Betreuung individuell auf den Patienten eingehe, müsse die konkrete Umsetzung auch die jeweiligen Verhältnisse in der Apotheke berücksichtigen. Doch müssten sich die individuellen Lösungen an einheitlichen Qualitätsstandards messen lassen. Das Team, die EDV und das Umfeld der Apotheke stellen jeweils besondere Anforderungen an die praktische Umsetzung.

Im Unterschied zu größeren Studien verbrachte die Studienleiterin selbst drei Tage in jeder Testapotheke und installierte dort die Arbeitsabläufe für die Pharmazeutische Betreuung. Dazu gehören der praktische Einsatz einer bestehenden Medikationsdatenbank, die verstärkte Information über das Krankheitsbild Diabetes und das Training der Gesprächsführung für alle Mitarbeiter des Apothekenteams. Wichtig erscheint die Einbindung des gesamten Teams. Die individuelle Installation der Pharmazeutischen Betreuung hat sich als günstig für die Motivation der Apothekenteams erwiesen. Hilfreich war hierbei insbesondere die neutrale Funktion einer außenstehenden Trainerin.

Ein entscheidendes Hilfsmittel für die inhaltliche Arbeit der Betreuung von Diabetespatienten bildeten Blutzuckermessgeräte und die Auswertung der Messdaten in den Apotheken. Durch gezielte Förderung der Selbstmessung lassen sich demnach unzureichende Therapiekonzepte sowie arzneimittelbezogene Probleme erkennen und oft auch einer Lösung zuführen.

Im Rahmen des Projektes wurden 28 Patienten pharmazeutisch betreut. Sie waren im Mittel 62 Jahre alt, seit durchschnittlich neun Jahren als Diabetiker diagnostiziert und wurden im Durchschnitt mit sieben verschiedenen Arzneimitteln pro Patient therapiert. Die meisten Patienten führten bereits vor dem Projekt selbst Blutzuckermessungen und zum Teil auch Blutdruckmessungen durch.

Blutzuckerdaten als hilfreiche Informationen

Den betreuten Patienten wurde im Laufe des Projektes angeboten, ein Blutzuckermessgerät zu testen, das eine gezielte Auswertung der Messwerte mit Hilfe der apothekenexklusiven Software Dextra Print ermöglicht. Diese Auswertungen fanden in den Apotheken statt und wurden dort interpretiert. Dabei zeigten sich verschiedentlich erhöhte Blutzuckerwerte oder starke Schwankung in der Einstellung.

Hiervon waren auch erfahrene Diabetiker betroffen, die zuvor bereits Selbstmessungen durchführten. Bei den 28 Patienten wurden 16 Problemfälle analysiert. Davon betrafen fünf Probleme die Schulung oder Motivation der Patienten und vier das Selbstmanagement im Zusammenhang mit der Blutzuckermessung. Außerdem wurden bei sieben Patienten Probleme bei der Arzneimitteltherapie identifiziert. Von den 16 Problemfällen konnten immerhin elf durch die Apotheke gelöst oder einer Lösung durch den Arzt zugeführt werden.

Damit führte das Engagement auch zu einer vertieften Zusammenarbeit mit den behandelnden Ärzten. Soweit die Ärzte in das Projekt einbezogen wurden, äußerten sie sich überwiegend positiv zu dieser Form der Pharmazeutischen Betreuung. Die computergestützte Auswertung der Blutzuckermesswerte erleichtert demnach die Identifizierung arzneimittelbezogener Probleme und wird außerdem von den Ärzten als wertvolle Unterstützung angesehen.

Mit diesem Themengebiet hat das Projekt in Schleswig-Holstein einen weiteren Teilaspekt der Pharmazeutischen Betreuung näher beleuchtet und auch dabei die Vorteile des Konzepts aufgezeigt. Sogar die Therapie von verhältnismäßig gut informierten Stammkunden konnte bei dieser Form der Betreuung noch verbessert werden. In den Teilnehmerapotheken soll die Pharmazeutische Betreuung in entsprechender Weise fortgesetzt werden. Darüber hinaus kann das Projekt Hinweise für die apothekenindividuelle Umsetzung der Pharmazeutischen Betreuung geben, die sich auch auf andere Indikationen übertragen lassen.

Die Pharmazeutische Betreuung bei Diabetes war Gegenstand einer Untersuchung in fünf Apotheken in Schleswig-Holstein. Dabei stand die apotheken-individuelle Umsetzung der Pharmazeutischen Betreuung im Vordergrund. Für die inhaltliche Arbeit erwies sich der Einsatz von Blutzuckermessgeräten als besonders hilfreiches Instrument. Ergebnisse dieser Untersuchungen wurden Anfang November der Öffentlichkeit vorgestellt.

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