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Irrweg: Gesundheitsleistungen an Lohnentwicklung koppeln

KÜHLUNGSBORN (tmb). Vom 22. bis 24. Oktober fanden in Kühlungsborn die Scheele-Tagung und der Apothekertag Mecklenburg-Vorpommern statt. In Grußworten standen Meinungen und Ansichten zur geplanten Gesundheitsreform im Mittelpunkt.

Zur Eröffnung der Scheele-Tagung verlas der Vorsitzende der Scheele-Gesellschaft Priv.-Doz. Dr. Thomas Jira, Greifswald, ein Grußwort des Ministerpräsidenten Harald Ringsdorf, SPD. Darin spricht er sich für eine bedarfsgerechte Arzneimittelversorgung und einen bundesweiten Risikostrukturausgleich unter den Krankenkassen aus. Doch halbjährliche Zuwachsraten der Arzneimittelausgaben von 12% seien "nicht akzeptabel". Somit gefährdeten die Arzneimittelausgaben die Beitragssatzstabilität.

Kammerpräsident Wilhelm Soltau bedauerte, dass die Gesundheitsreform die fachlich-wissenschaftlichen Themen in den Hintergrund treten lasse. Er kritisierte die Konzeption der Gesundheitsreform, die Gesundheitsleistungen an die Lohnentwicklung zu koppeln. Hierzwischen bestehe keine inhaltliche Beziehung. Das Gesundheitswesen werde damit Opfer seiner eigenen Entwicklung.

Auf dem Apothekertag Mecklenburg-Vorpommern am 24. Oktober kritisierte Soltau, dass fast jeder Politiker von Einsparungen bei Arzneimitteln spreche, obwohl gerade die Arzneitherapie den meisten Erfolg verspreche, von den Patienten erwartet werde und besonders preisgünstig sei.

Dr. Gerhard Behnsen, Vorsitzender des Landesapothekerverbandes Mecklenburg-Vorpommern warnte vor dem Trugschluss, unter einem gedeckelten Budget könne eine unveränderte Therapie betrieben werden. Dr. Lothar Wilke, Vorsitzender des Bundes der Allgemeinmediziner und stellvertretender Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung in Mecklenburg-Vorpommern, warnte vor falsch verstandenen Sparmaßnahmen.

So könne die Aufforderung, mehr Generika zu verordnen, zu wettbewerbsrechtlichen Klagen von Arzneimittelherstellern gegen die KV führen. Ebenso problematisch sei die Wiederverwendung von Einmalartikeln, was sogar im Ärzteblatt thematisiert worden sei. Wilke skizzierte die Budgetsituation für 1999. Das Budget werde vor Jahresende aufgebraucht sein, doch würden die Ärzte die Patienten weiter versorgen.

Erstmals mit Juniorenabend

Als zusätzlicher Programmpunkt wurde anlässlich der diesjährigen Tagung erstmals ein Juniorenabend veranstaltet. Dabei diskutierten die Kammerpräsidenten von Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Bayern Wilhelm Soltau, Dr. Herbert Gebler und Dr. Johannes Metzger mit Studierenden und frisch approbierten Kolleginnen und Kollegen über deren Zukunftsvorstellungen. Im Berufsnachwuchs zeigte sich ein starker Trend für eine Ausgestaltung des Apothekerberufes als freier Heilberuf. Doch müssten sich die Apotheken auch den ökonomischen Erfordernissen stellen.

Metzger warnte vor der Vorstellung, bei einer Honorierung der pharmazeutischen Betreuung bliebe die Arzneimittelpreisverordnung unverändert bestehen. Dies führe vielmehr zu einem Abgabehonorar wie in den Niederlanden. Daneben regte er an, stärker zu thematisieren, dass Generika im allgemeinen den Wissenstand von vor 30 Jahren darstellten. Er fragte, wer denn ein so altes Auto oder Fernsehgerät kaufen wolle. Ob auf diesem Stand therapiert werden solle, müsse die Gesellschaft entscheiden. Gebler hob hervor, dass die Apotheker immer wieder unter Beweis stellen müssten, wie wichtig sie für die Gesellschaft seien. Er warb bei den jungen Kollegen für ein aktives Engagement in den Kammern.

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