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Mit der neuen Ausbildungsordnung, wie sie die Arbeitsgruppe -Apothekerausbildung erarbeitet hat und dem Bundesrat zur Verabschiedung vorlegen wird, könnte für die zukünftige Generation der Pharmazeuten ein Durchbruch erzielt werden. Sie zeigt in die Richtung eines Berufsbildes des Apothekers, der näher am Arzneimittel, an der Arzneimitteltherapie, am Patienten ist. Inhalte mit der Vorsilbe -medizinisch (medizinische Chemie) oder -Bio (Biopharmazie) weisen darauf hin.

Ein wesentliches Indiz für mehr Praxisnähe ist jedoch die geplante Einführung des Faches Klinische Pharmazie (das übrigens auch Prüfungsfach werden soll). An der Uni Bonn arbeitet bereits seit Januar diesen Jahres der erste Lehrstuhl für Klinische Pharmazie. Bei einem Treffen pharmazeutischer Technologen in der vergangenen Woche stellte Professor Jaehde, der diesen Lehrstuhl inne hat, seinen Anspruch an dieses Fach, die Lehr- und Forschungsinhalte vor. Er sieht die Klinische Pharmazie als patientenorientierte Pharmazie, als Brücke zwischen der Grundlagenforschung und der Arzneimittelanwendung, und er hob die Interdisziplinarität dieses neuen Faches mit den anderen pharmazeutischen Fächern hervor, aber auch mit der Medizin.

Ziel ist es, die Arzneimitteltherapie am Patienten zu optimieren. Ein schönes Ziel für den Apotheker der Zukunft, er kann sich damit einen unentbehrlichen Platz im Gesundheitswesen sichern. Ich hoffe nur, die Verabschiedung und das Inkrafttreten der neuen Ausbildungsordnung läßt nicht mehr lange auf sich warten. Denn die Einführung der Klinischen Pharmazie wird dauern - wenn man bedenkt, dass heute noch nicht an allen pharmazeutischen Instituten ein Lehrstuhl für Pharmakologie etabliert ist.

Mit neuen Inhalten wird sich in Zukunft wohl auch die pharmazeutische Technologie befassen müssen. In diesem Fach soll beispielsweise verstärkt Biopharmazie und arzneiformenbezogene Pharmakokinetik gelehrt werden. Schon heute beklagen die Technologen allerdings den Zeitmangel: zu viel Stoff und zu wenig Zeit, z. B. für die Lehrinhalte der herkömmlichen Technologie (Arzneiformenlehre). Auf dem Technologentreffen kam auch die Frage auf, ob es sinnvoll sein könnte, die einheitliche Ausbildung des Pharmazeuten aufzugeben, damit schon während des Studiums eine Spezialisierung stattfinden kann. Ich würde davor warnen, so verlockend es für den einen oder anderen sein mag. Zum einen: Eine echte Spezialisierung wird man auch nicht in vier Semestern lernen, zum andern zählt dies doch zu den Vorteilen des Pharmazeuten, daß ihm nach dem Studium eine Vielzahl von Berufsfeldern offen steht und auch später noch ein Wechsel z. B. vom Industrieapotheker in die Offizin oder in die Krankenhausapotheke möglich ist.

Praxisnah - die neue Ausbildungsordnung mit der Klinischen Pharmazie wird einen Meilenstein im Berufsbild des modernen Apothekers setzen.

Peter Ditzel

Praxisnäher

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