DAZ aktuell

Eine "vergessene" Berufsgruppe: Wiedereinsteigerinnen ohne Lobby

MÜNCHEN (lub). Ihre Zahl ist nicht bekannt. Ihr Ziel dagegen schon: sie wollen wieder mit uns und unter uns arbeiten: Apothekerinnen nach der sogenannten Familien- bzw. Baby-Pause.

Frauen, die nach fünf oder zehn Jahren wieder einsteigen möchten in den Beruf: Viele von ihnen, so haben Gespräche und Recherchen der DAZ ergeben, sind jedoch unsicher angesichts neuer Entwicklungen in der Offizin, seien es nun neue Arzneimittel, neue Computerprogramme oder neue gesetzliche Vorschriften. Und manche würden gern eine Art Weiterbildung für Wiedereinsteiger machen, bevor sie wieder ihren weißen Kittel überziehen. Wie eine Umfrage der DAZ ergibt, sieht es damit allerdings in Deutschland ganz schlecht aus - das Angebot tendiert praktisch gegen null!

Die Bayerische Landesapothekerkammer erregte deshalb gelindes Aufsehen, als sie im Herbst 98 ihr "Rundschreiben Nr. 5" an die Mitglieder verschickte. Stand doch dort unter der Rubrik "Allgemeines" ein Aufruf: "Wir wissen, daß zahlreiche Apothekerinnen wieder zurückkehren möchten, sich das aber nicht ohne weiteres zutrauen. Teilen Sie uns deshalb bitte mit, wenn bzw. ob sich eine entsprechende Approbierte bei Ihnen meldet." Was wie ein Fahndungsaufruf der Polizei klang, hatte leider wenig Erfolg - es gab kaum Rückmeldungen. Über die Gründe tappt die Kammer im Dunklen. Nicht viel besser sieht es in Niedersachsen aus: "Wir sehen bisher wenig Bedarf, die Frauen rufen selten an. Allerdings, wir überlegen, ob wir entsprechende Wiedereingliederungsmaßnahmen anbieten könnten." Fehlanzeige auch im Kammerbezirk Baden-Württemberg: "Da ist uns nix bekannt", heißt es aus Stuttgart, nur für PTA und PKA gibt es Angebote.

Fündig wurden wir bei der Kammer Nordrhein: "Ja, sicher haben wir solche Fortbildungen gemacht, 1993/94 war das mit rund 100 Apothekerinnen", erinnert man sich in Düsseldorf. Doch das war einmal. Die Frage ist immer: welche Inhalte sollten angeboten werden für diese Zielgruppe? "Bei uns wollten sie immer viel über EDV wissen", so die Erfahrung aus Düsseldorf. Die Rheinländer beobachteten, daß manche der Wiedereinsteigewilligen während ihrer "Auszeit" keine pharmazeutische Fachzeitschrift abonniert hatten, oftmals zu hohe Erwartungen mitgebracht wurden und zu wenig Eigeninitiative entwickelt wird.

Arbeiten Sie als "Trainee"

Eine Möglichkeit für das "Comeback" am Apothekentresen: "Arbeiten Sie als Trainee, bieten sie sich an, ein paar Tage gegen Taschengeld zu arbeiten, lassen Sie sich einarbeiten!" so die Vorschläge aus diversen Kammern. Daneben gibts die Möglichkeit für Apothekenleiter, Wiedereinsteiger eine bestimmte Zeit lang untertariflich zu bezahlen, z.B. bei 10jähriger Berufspause die ersten 6 Monate 20% unter Tarif und die darauffolgenden 6 Monate 10% darunter. Nach dieser Einarbeitungszeit wird dann das tarifliche Gehalt bezahlt.

Schreiben Sie uns

Fazit unserer kleinen Querschnitts durch die deutsche Apothekenlandschaft: Wiedereinsteigerinnen sind vorhanden. Ihre Anzahl ist schwer zu eruieren. Hilfsangebote für sie gibt es praktisch nicht. Ein unbefriedigender Zustand, der so nicht andauern sollte! Deshalb: Bitte schreiben Sie an uns! Teilen Sie uns Ihre Erfahrungen, Ihre Wünsche, Ihre Gedanken dazu mit, als Wiedereinsteigerin, als Approbierte, die ihr "Comeback" geschafft hat, als Apothekerleiter(in). Schreiben Sie bitte an die DAZ, Stichwort: "Comeback", Postfach 101061, 70009 Stuttgart. Oder faxen Sie gleich: (0711) 2582-291.

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