Arzneimittel und Therapie

Aggressive Cholesterinsenkung nützt dem Herzen

Patienten mit stabiler koronarer Herzkrankheit haben einen signifikanten kardiovaskulären Nutzen durch eine aggressive LDL-Cholesterin-Senkung (LDL-C, auch als "schlechtes" Cholesterin bezeichnet) auf Werte unter 100 mg/dl (2,6 mmol/l). Die Ergebnisse der AVERT-Studie (Atorvastatin Versus Revascularisation Treatments) zeigen, daß 87% der in die Atorvastatin-Gruppe randomisierten Patienten keine kardiovaskulären Ereignisse erlitten, obwohl sie an Stelle der eigentlich empfohlenen Ballondilatation die medikamentöse Therapie für die Dauer der 18monatigen Studienzeit erhielten.


Zusätzlich hatten die Patienten, deren Lipidwerte in dieser Studie mit Atorvastatin gesenkt wurden, eine 36%ige Reduktion kombinierter kardiovaskulärer Ereignisse, wie nichttödlicher Herzinfarkt, Bypass-Operation, Revaskularisation und Verschlechterung einer Angina, verglichen mit den Patienten, die eine Ballondilatation mit nachfolgender Standardtherapie erhielten. 13% der mit Atorvastatin behandelten Studienpatienten erlitten ein kardiovaskuläres Ereignis, verglichen mit 21%
der Patienten mit Ballondilatation und Standardtherapie. Diese Ergebnisse erreichten nicht ganz die statistische Signifikanz.
Verglichen mit den Patienten, die eine Ballondilatation mit nachfolgender Standardtherapie erhielten, trat bei den mit Atorvastatin behandelten Studienpatienten das erste ischämische Ereignis signifikant später auf (p=0,027). In der Gruppe mit Ballondilatation erhielt ein Drittel der Patienten im Rahmen der Standardtherapie eine Stentimplantation, 71% der Patienten wurden mit Statinen behandelt.

Niedrigere Zielwerte gefordert


Diese Daten wurden zum ersten Mal auf der 17. Wissenschaftlichen Tagung der "American Heart Association" bekanntgegeben. "Diese Daten zeigen, daß wir bei unseren Zielwerten bezüglich der Lipidsenkung weit aggressiver sein sollten und bei der Behandlung unserer Patienten die Erreichung oder Unterbietung der amerikanischen Richtlinien besser berücksichtigen sollten. Wir wollen tatsächlich erhöhte LDL-Werte bei Patienten mit stabiler koronarer Herzkrankheit unter 100 mg/dl (2,6 mmol/l) senken", erklärte Dr. Bertram Pitt, Professor für Innere Medizin an der Universität von Michigan, Ann Arbor, und Vorsitzender des Sicherheits- und Beratungsausschusses der AVERT-Studie. "In der AVERT-Studie kamen Patienten unter 80 mg/dl. Obwohl weitere Forschung auf diesem Gebiet erforderlich ist, haben wir sicherlich eine aggressive Lipidsenkung und die Senkung von LDL-Cholesterin unter 100 mg/dl (2,6 mmol/l) bei unseren Patienten bisher nicht aggressiv genug umgesetzt."
Der durch die AVERT-Studie demonstrierte kardiovaskuläre Nutzen wurde durch aggressive LDL-Cholesterin-Senkung mit 80 mg Atorvastatin erreicht. Das "National Cholesterol Education Program" in den USA empfiehlt für Patienten mit koronarer Herzkrankheit LDL-Cholesterinwerte auf 100 mg/dl (2,6 mmol/l) oder darunter zu senken. Die kürzlich von der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie, der Europäischen Atherosklerose Gesellschaft und der Europäischen Hypertonie-Gesellschaft gemeinsam herausgegebenen Richtlinien empfehlen für KHK-Patienten LDL-C-Werte von 115 mg/dl (3,0 mmol/l) oder darunter.
Die mit Atorvastatin behandelten Studienpatienten erreichten einen mittleren LDL-C-Wert von 77 mg/dl (2,0 mmol/l), verglichen mit einem Mittelwert von 119 mg/dl (3,1 mmol/l) bei den Patienten mit Ballondilatation
und Standardtherapie. Es zeigte sich eine signifikante Korrelation zwischen den LDL-C-Reduktionen und der Rate der kardiovaskulären Ereignisse zugunsten der Atorvastatin-Therapie. Atorvastatin-Patienten mit LDL-C-Reduktionen >40% hatten signifikant weniger ischämische Ereignisse als Patienten mit LDL-C-Reduktionen £40% (p=0,014). Die Verträglichkeit von 80 mg Atorvastatin in der Studie war gut.

341 Patienten 18 Monate lang beobachtet


Die 18monatige Studie schloß 341 Patienten aus 37 Zentren in den Vereinigten Staaten, Kanada und Europa ein, die randomisiert entweder 80 mg/Tag Atorvastatin oder eine Ballondilatation mit anschließender Standardtherapie erhielten. Zum Zeitpunkt des Einschlusses in die Studie hatten die Patienten zumindest eine Koronararterie mit einer wenigstens 30%igen Einengung, keine Beschwerden oder leichte bis mäßige Brustschmerzen, eine relativ normale linksventrikuläre Funktion und waren für eine Ballondilatation vorgesehen.

Lipidsenkung im Vergleich mit Revaskularisation


AVERT ist die erste Studie, in der die Rolle einer aggressiven lipidsenkenden Therapie im Vergleich mit einer Revaskularisation bei Patienten mit stabiler koronarer Herzkrankheit untersucht wurde. Sie ist die erste Studie einer ganzen Reihe von klinischen Endpunktstudien, die von Parke-Davis, einem Unternehmen der Warner-Lambert Gruppe, und Pfizer Inc. zur Untersuchung des Nutzens einer aggressiven lipidsenkenden Behandlung von Patienten mit kardiovaskulärer Erkrankung durchgeführt werden. Im März dieses Jahres starteten diese Firmen eine 5-Jahres-Studie "Treating to New Targets (TNT)" - eine der größten kardiovaskulären Endpunktstudien, die jemals durchgeführt wurden. In dieser Studie wird untersucht, ob der klinische Nutzen einer LDL-Cholesterin-Senkung auf durchschnittlich 75 mg/dl (1,9 mmol/l) für Patienten größer ist als eine LDL-Cholesterin-Senkung auf durchschnittlich 100 mg/dl (2,6 mmol/l).
Andere Studien zur Untersuchung einer aggressiven Lipidsenkung mit Sortis sind z.B. die MIRACL-Studie (Myocardial Ischemia Reduction with Aggressive Cholesterol Lowering) und eine kürzlich initiierte Studie zur Sekundärprävention des Schlaganfalls.

Lipidsenker Atorvastatin


Atorvastatin hat in klinischen Studien bei Patienten mit erhöhten Cholesterinwerten Reduktionen von LDL-Cholesterin zwischen 39 und bis zu 60% mit Dosierungen von 10 bis 80 mg gezeigt. Die Reduktion der Triglyceride betrug bei diesen Dosen 19 bis 37%.
Die Anwendung von Atorvastatin ist zusätzlich zu einer Diät angezeigt zur Senkung erhöhter Gesamtcholesterin-, LDL-Cholesterin-, Apolipoprotein-B- und Triglyceridspiegel bei Patienten mit primärer Hypercholesterinämie oder gemischter (kombinierter) Hyperlipidämie. Die empfohlene Startdosis beträgt 10 mg einmal täglich. Der Dosierungsbereich beträgt 10 bis 80 mg einmal täglich.
Aufgrund der bisherigen klinischen Erfahrungen wird Atorvastatin allgemein gut vertragen. Unerwünschte Wirkungen sind in der Regel leicht und vorübergehend. Weniger als 2% der Patienten in klinischen Studien brachen die Teilnahme aufgrund von Nebenwirkungen ab. Diese Abbruchrate ist Plazeboeffekten vergleichbar. Die häufigsten Nebenwirkungen von Atorvastatin sind Verstopfung, Blähungen, Durchfall und Bauchschmerzen. Es wird empfohlen, Leberfunktionstests vor und 12 Wochen nach Therapiebeginn und nach Dosiserhöhungen regelmäßig durchzuführen. Eine Myopathie sollte bei jedem Patienten mit diffusen Muskelschmerzen, Muskelschwäche und/oder deutlicher Erhöhung der Kreatinphosphokinase (CPK) in Betracht gezogen werden.
Quelle
Presseinformation der Gödecke/Parke-Davis AG, Freiburg, von einer Pressekonferenz auf der 71. Wissenschaftlichen Tagung der American Heart Association, Dallas, 10. November 1998.
daz

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