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Weihrauch jetzt auch gegen Asthma bronchiale

TÜBINGEN (diz). Die Therapie mit Inhaltsstoffen von Weihrauch, insbesondere den Boswelliasäuren, sorgte bereits mehrfach für Aufsehen. Nach dem erfolgreichen Einsatz von Weihrauchpräparaten gegen rheumatische Beschwerden, scheint Weihrauch auch gute Wirkungen gegen Asthma bronchiale zu haben. Wir sprachen hierüber mit dem Pharmakologen Prof. Dr. H. P. T. Ammon, Mitautor einer Studie, die Weihrauch bei Asthma bronchiale untersuchte.


?Herr Professor Ammon, Sie haben anläßlich der Jahrestagung der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft zusammen mit Mitarbeitern aus Indien und Deutschland ein Poster vorgestellt mit den Ergebnissen einer klinischen Studie zur Wirksamkeit eines indischen Weihrauchpräparates bei Asthma bronchiale. Was war dies für eine Studie?
Ammon: Es handelt sich um eine randomisierte doppelblind placebo-kontrollierte Studie an insgesamt 80 Patienten, die mit einem akuten Asthmaanfall in die klinische Behandlung eingeliefert wurden. Nachdem der Anfall mit Salbutamol unter Kontrolle gebracht war, erhielten 40 Patienten über sechs Wochen ein indisches Weihrauchpräparat und 40 Patienten Placebo.
?Wieso kommen Sie dazu, ein Weihrauchprodukt auf seine Wirksamkeit beim Asthma bronchiale zu untersuchen?
Ammon: Aufgrund pharmakologischer Untersuchungen, die wir in den letzten Jahren in unserem Labor durchgeführt haben, zeigte sich, daß sowohl Weihrauchextrakte als auch Boswelliasäuren (pentazyclische Triterpene) als Inhaltsstoffe des Weihrauchs bei isolierten neutrophilen Granulozyten die Synthese von Leukotrienen hemmen. Wir haben weiter festgestellt, daß diese Hemmwirkung darauf zurückzuführen ist, daß sich bestimmte Boswelliasäuren an das Enzym 5-Lipoxygenase binden und deren Aktivität herabsetzen.
?Was hat dies mit Asthma bronchiale zu tun?
Ammon: Es gibt eine Reihe von chronisch entzündlichen Erkrankungen, bei denen der Entzündungsprozeß vorwiegend durch eine erhöhte Bildung von Leukotrienen aufrecht erhalten wird. Zu diesen Erkrankungen gehören unter anderem chronische Polyarthritis, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Asthma bronchiale, um nur einige zu nennen. Es war daher naheliegend, in einer Pilotstudie zu untersuchen, ob sich ein Weihrauchprodukt auch bei Patienten mit Asthma bronchiale günstig auswirkt.
?Gibt es bereits andere klinische Untersuchungen zu Weihrauchprodukten?
Ammon: Ja, es gibt eine Reihe klinischer Studien, die eine Wirksamkeit bei chronischer Polyarthritis nahelegen. Sie sind jedoch leider nicht veröffentlicht; darüber hinaus gibt es eine Pilotstudie, die eine Wirksamkeit eines Weihrauchextraktes bei Colitis ulcerosa nachweist.
?Welche klinischen Parameter wurden in der Asthmastudie untersucht?
Ammon: Untersucht wurde zunächst einmal das Auftreten von Rasselgeräuschen, Atemnot, Atemfrequenz und Häufigkeit der Anfälle im Zeitraum, zu der die Studie durchgeführt wurde.
?Was waren die Ergebnisse?
Ammon: Sowohl bei den placebobehandelten als auch mit dem Weihrauchprodukt behandelten Patienten fand sich eine Abnahme der Rasselgeräusche, eine Verbesserung im Bereich der Dyspnoe, der Atemfrequenz und der Anfallshäufigkeit. Die Verbesserung dieser Parameter war bei der Gruppe der 40 Asthmapatienten, die das Weihrauchprodukt erhielten, signifikant besser als in der Placebogruppe. Die statistische Überprüfung wurde dabei mit modernsten Verfahren am Institut für Medizinische Informationsverarbeitung der Universität Tübingen durchgeführt.
?Wurden weitere Parameter untersucht?
Ammon: Es wurden darüber hinaus spirometrische Untersuchungen durchgeführt und zwar FEVi, das ist das Forced Expiratory Volume in 1 Sekunde, gemessen in Liter, dann FVC, das ist die Forced Vital Capacity, ebenfalls gemessen in Liter, und PEFR, das ist die Peak Expiratory Flow Rate, gemessen in Liter pro Minute. Bei allen drei Parametern fand sich gegenüber der Placebogruppe eine signifikante Verbesserung der Situation.
?Asthma bronchiale hat ja mit Allergie etwas zu tun. In diesem Fall findet man in Blut eine erhöhte Konzentration von eosinophilen Leukozyten. Hat man auch bei diesem Parameter etwas gesehen?
Ammon: Wie schon bei unseren Untersuchungen zur Colitis ulcerosa, so fand sich auch hier beim Asthma bronchiale ein deutlicher Rückgang der Eosinophilenzahl im Blut unter dem Weihrauchprodukt.
?Sie gehen ja davon aus, daß zumindest teilweise die entzündungshemmenden Wirkungen von Weihrauchprodukten auf deren Gehalt an Boswelliasäuren zurückgehen. Ist denn das indische Weihrauchpräparat auf seinen Boswelliasäuregehalt untersucht worden und würde dieser ausreichen, die von Ihnen beobachteten Wirkungen zu erklären?
Ammon: Wir haben in unserem Labor den Gehalt des in Indien verwendeten Produktes an Boswelliasäuren analysiert und fanden dabei 0,63% 11-keto-ß-Boswelliasäure, 0,70% Acetyl-11-keto-ß-Boswelliasäure, 1,5% Acetyl-ß-Boswelliasäure und ß- Boswelliasäure. Bei einer Dosierung von 3 x täglich 300 mg gehen wir davon aus, daß die zugeführten Boswelliasäuren ausreichen, um die beschriebenen Effekte zu erzielen. Natürlich müßte in einer weiteren Studie, die man besser in Deutschland durchführt, eine Dosisfindung erarbeitet werden. Ich betone noch einmal, daß es sich bei der indischen Studie um eine Pilotstudie handelte, die lediglich einen Hinweis geben sollte, ob unsere theoretische Vermutung, daß Weihrauchprodukte auch bei Asthma wirksam sein könnten, richtig ist.
?Könnten nicht auch andere Wirkstoffe im Weihrauch an der antiasthmatischen Wirkung beteiligt sein?
Ammon: Das können wir natürlich nicht ausschließen. Zumindest haben wir jedoch mit den Boswelliasäuren ein handfestes Substrat, dem wir eine solche Wirkung zuschreiben können.
?Werden denn Ihre Ergebnisse in Zukunft in einer wissenschaftlichen Zeitung veröffentlicht, damit sie auch in Fachkreisen diskutiert werden können?
Ammon: Eine Arbeit, die die Ergebnisse unsere Studie enthält, befindet sich bereits in der Zeitschrift "European Journal of Clinical Research" im Druck.
!Herr Prof. Ammon, wir bedanken uns für dieses Gespräch!l

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