Die Seite 3

Die Seite 3- Unter einem Dach


Die Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft, eine der ältesten wissenschaftlichen Gesellschaft Deutschlands, veranstaltete am vergangenen Wochenende ihre Jahrestagung in Tübingen mit großem Erfolg. Den Teilnehmern wurde ein umfangreiches wissenschaftliches Programm geboten, ein Abschnitt des Kongresses war dabei auf die Bedürfnisse von Offizinapothekern zugeschnitten und brachte Fortbildungsvorträge auf hohem Niveau. Die DPhG begegnete damit einer früher immer wieder geäußerten Kritik, auf ihren Kongressen die praktisch tätigen Apothekerinnen und Apotheker zu vernachlässigen.
An der Kritik war etwas dran. Manche früheren Kongresse hatten die Praxis aus den Augen verloren und spielten sich nur im Elfenbeinturm der Wissenschaft ab. In den letzten Jahren hatte jedoch ein Umdenken stattgefunden: ein DPhG-Kongreß sollte für alle Bereiche der Pharmazie von Interesse sein; gerade die Verbindung von Wissenschaft und Praxis auf einer Veranstaltung ermöglicht den Teilnehmern, mal in den anderen Bereich hineinzuhören.
Ein interessantes Phänomen bei der DPhG: über achtzig Prozent der Mitglieder stammen aus der Offizin, sie tragen mit ihrer Mitgliedschaft ihre wissenschaftliche Gesellschaft und ermöglichen so der Hochschule ein Forum zum Gedankenaustausch. Ich halte dies für ein außerordentlich positives Zeichen. Es läßt sich daran ablesen, daß viele Apothekerinnen und Apotheker sich nicht nur als pharmazeutischer Kaufmann fühlen, sondern auch als Naturwissenschaftler verstehen und damit den wissenschaftlichen Anspruch ihres Berufs hochhalten.
Gerade heute hat eine wissenschaftliche Gesellschaft wie die DPhG ihre volle Berechtigung. Sie fördert den interdisziplinären Gedankenaustausch zwischen den einzelnen Fachrichtungen der Pharmazie, sie schafft etwas Verbindendes zwischen der Chemie, Biologie, Technologie und Pharmakologie - eben alles unter einem Dach. Darüber hinaus gehen von ihr zahlreiche Impulse für die Weiterentwicklung der Pharmazie aus. Die jüngste Errungenschaft: die Klinische Pharmazie, für die sich die DPhG bereits mit einer eigenen Arbeitsgemeinschaft stark macht. Die Klinische Pharmazie wird voraussichtlich bei der anstehenden Änderung der Ausbildungsordnung als fünftes Fach in die Ausbildung eingeführt werden. Bereits im Januar soll der erste Lehrstuhl für Klinische Pharmazie in Deutschland seine Tätigkeit aufnehmen.
In einer Zeit, in der Kritiker auch schon mal den Beruf des Apothekers hinterfragen, ist es besonders wichtig, den wissenschaftlichen Anspruch und die wissenschaftliche Ausbildung herauszustellen. Mit ihr wird auch die Bedeutung der pharmazeutischen Forschung an unseren Hochschulen untermauert. Ein von der DPhG erstellter Forschungsführer, der soeben erschien, zeigt eindrucksvoll, welche Forschung an Deutschlands pharmazeutischen Instituten läuft.
Bei dieser Gelegenheit: Falls Sie noch nicht Mitglied der DPhG sind, dann melden Sie sich jetzt an. Sie unterstützen damit die wissenschaftliche Ausrichtung unseres Berufs.
Peter Ditzel

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