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Rotbusch-Tee derzeit en vogue

Von Franz-Christian Czygan, Würzburg Zur Zeit ist er "in"; der Rotbusch-Tee oder der Rooibos Tea (englisch) oder der Rooibos-tee (afrikaans). Bei uns wird er gelegentlich auch Busch-, Roth-, Wunder- oder Masai-Tee genannt [1a, 1b, 2]. Dieses rotbraune Produkt aus den Blättern und Stengeln der Fabacee Aspalathus linearis (Burm.f.) Dahlg. stammt aus Südafrika und beginnt seit einigen Jahren den deutschen Teemarkt zu erobern. Ein wenig ist der koffeinfreie Rooibos-Tee schon zum Modegetränk geworden. Woher stammt er? Wie sieht die Stammpflanze aus? Welche Inhaltsstoffe - und möglicherweise auch Wirkstoffe - enthält er? Eine kurze Zusammenfassung soll anhand der vorhandenen Literatur einige dieser Fragen beantworten.


Aspalathus linearis ist ursprünglich eine endemische Art im westlichen Teil (Winterregen-Region) der südafrikanischen Kap-Provinz [3]. Vor allem kommt diese Fabacee von der Kap-Halbinsel nördlich bis Nieuwoudtville vor. Heute wird sie auf großen Feldern in den Distrikten Nieuwoudtville, Clanwilliam, Citrusdal und Piquetberg angebaut [3].
.Die Rooibos-Sträucher werden 50 bis 200 cm hoch. Die nadelförmigen Blätter erinnern an Rosmarinblätter und sind in frischem Zustand hellgrün. Beim Trocknen und der postmortalen Fermenation nehmen sie die für das Handelsprodukt typische rotbraune Färbung an. Die kleinen gelben Fabaceen-Blüten erscheinen im südafrikanischen Frühling und Frühsommer. (Weitere ins Detail gehende morphologische und mikroskopisch-anatomische Beschreibungen der verschiedenen Pflanzenteile bei [1a, 2]). Die Art ist morphologisch [4], genetisch [5] und auch in der Qualität und Quantität ihrer Inhaltsstoffe sehr variabel [6]. So werden auch drei Unterarten unterschieden [4]: A.l. ssp. linearis, ssp. pinifolia (Marl.) und ssp. latipetala Dahlg. Zum wirtschaftlichen Anbau werden heute von der ssp. linearis vor allem die Sorten Red-Type und Rockland-Type verwendet [3].
Ursprünglich wurden von der Bevölkerung Blätter und Stengel wild wachsender Pflanzen der Clanwilliam-Region gesammelt, zur Fermentation auf Haufen gelegt und nach der rotbraunen Umfärbung endgültig getrocknet [3]. Heute werden 25 bis 50 cm lange beblätterte Zweigspitzen aus Anbaukulturen in ca. 0,5 cm lange Stücke zerkleinert, mit Wasser angefeuchtet, gequetscht und in Schichten von 10 bis 15 cm bedeckt 8 bis 24 Std. der postmortalen Fermentation überlassen. Dabei werden (vermutlich u.a. aus den Chloroplastencarotinoiden [7]) Aromastoffe gebildet und die Blätter von grün nach rotbraun umgefärbt. Anschließend werden sie an der Sonne innerhalb von ein bis drei Tagen getrocknet [nach 2].
Der so gewonnene Rooibos-Tee (Beschreibung der Schnittdroge s. Kasten; auch [1a]) wird in drei Qualitäten eingeteilt und gehandelt: Standard-, Choice-, Super- oder Selected-Grade. Anbau und Handel regelt das südafrikanische "Rooibos Tea Contral Board" in Clanwilliam [2].

Welche Inhaltsstoffe enthält der Rooibos-Tee?


Zunächst sollte am Anfang dieser Aufzählung betont werden, daß Rooibos-Tee im Gegensatz zum "Schwarzen oder Grünen Tee" von Camellia sinensis (L.) O. Kuntze und zum "Mate-Tee" von Ilex paraguariensis St.-Hil. frei von Koffein und weiteren Trimethylxanthinen ist [8, 9]. Er enthält 4-5 % - und damit weniger als Schwarzer Tee - hydrolisierbare Gerbstoffe [9] (aber auch in geringen Mengen Catechingerbstoffe [10]), C-Glykosylflavone (u.a. Orientin, Isoorientin), Flavonol-3-0-Glykoside (u.a. Quercetin, Quercitrin, Isoquercitrin) [11a, b, c, 12] und C-Glucoside der Dihydrochalkone Aspalathin und Nothofagin [13]. Weiterhin finden sich geringe Mengen an ätherischen Ölen (fast 100 Komponenten wurden identifiziert; u.a. Guajacol, b-Ionen, Damascenon, Geranylaceton, Phenyläthylalkonole [14, 15]) und schließlich oft nur in Spuren Vitamin C sowie Mineralstoffe (Fe, Al, Ca, Mg, K, Mn, Cu als Phosphate, Sulfate und Fluoride) [nach 2]. Saponine ließen sich nicht nachweisen [16]. Alkaloide, insbesondere die für Fabaceen typischen Chinolizidinalkaloide (z. B. Spartein) wurden von van Wyk und Verdoorn [17] nur in Spuren (3 mg/g Trockengewicht) nachgewiesen (s. aber [18]).
Der Rooibos-Tee ist in Südafrika - inzwischen auch in Deutschland - als aromatischer Haus-, Erfrischungs- und Gesundheitstee sehr beliebt. Aufgebrüht wird er wie Schwarzer Tee: 2 g Teeblätter werden mit etwa 150 ml kochendheißem Wasser übergossen und einige Minuten ziehen gelassen [2]. Das Getränk hat eine rotbraune Farbe und duftet angenehm. In Südafrika wird auch ein Eistee, aus Rooibos-Blättern hergestellt, sehr geschätzt [3].
Über die klinisch geprüfte, medizinische Nutzung des Rooibos-Tees sind mir keine Daten bekannt. In Südafrika wird dieser Tee gerne Kindern als Milchersatz bei Magen- und Darmverstimmungen gegeben [3]. In der Volksmedizin gilt der Rooibos-Tee als Heilmittel gegen unterschiedlichste Gebrechen und Unpäßlichkeiten: u. a. gegen Schlaflosigkeit, Haut- (Ekzeme) Magen- und Darmleiden, als Spasmolytikum und als Antiallergikum [1a, 3].
Faßt man das bisherige Wissen über den südafrikanischen Rooibos-Tee zusammen, so ist er ein wohlschmeckendes, koffeinfreies Erfrischungs- und Hausgetränk, das entkoffeinierten Schwarzen Tee ersetzen kann. Rooibos-Tee wird sicherlich auch in Zukunft einen Platz im bundesdeutschen Teeangebot finden. Literatur [1a]Volk, O.H.: Rooibos-(Rotbusch)-Tee. Dtsch. Apoth. Ztg. 132, 2771-2775 (1992). [1b]Unter der Bezeichnung "Bush Tea" oder "Honey Bush Tea" werden auch die fermentierten Blätter anderer Fabaceen-Arten (z.B. Cyclopia intermedia) in Südafrika - und inzwischen auch in Deutschland - als Haustee getrunken [3]. [2]Hagers Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. R. Hänsel, K. Keller, H. Rimpler, G. Schneider (Herausg.). Band 4, S. 394-396. Springer, Berlin etc. (1992). Hier finden sich auch Angaben zur Prüfung der Droge auf Identität! [3]Van Wyk, B.-E., B. van Oudtshoorn, N. Gernicke: Medicinal Plants of South Africa. Briza Publications, Pretoria SA (1997). Dieses Buch ist nicht zuletzt wegen seiner exquisiten Photos von 132 Arzneipflanzen sehr informativ. [4]Dahlgren, R.: Revision of the genus Aspalathus. II. The species with ericoid and pinoid leaflets. Subgenus Nortieria. With remarks on Rooibos Tea Cultivation. Botan. Notiser 121, 165-208 (1968). [5]Van der Bank, M. et al.: Biochemical genetic variation in four wild populations of Aspalathus linearis (Rooibos Tea). Biochem. Syst. Ecol. 23, 257-262 (1995). [6]Rabe, C. et al.: Phenolic Metabolites from Rooibos-Tea (Aspalathus linearis). Phytochem. 35, 1559-1565 (1994). [7]Czygan, F.-C., A. Krüger: Nach unveröffentlichten Analysen findet sich im ätherischen Öl frischer Blätter kein (-Ionen. Es ist erst in den fermentierten Blättern nachzuweisen. Vergleichsuntersuchungen mit (-Carotin aus den Chloroplasten grüner Blätter machen es wahrscheinlich, daß tatsächlich (-Ionen erst während des postmortalen Abbaus des Blatt-(-Carotins entsteht (1992). [8]Czygan, F.-C., und Mitarb.: In erneuten Analysen von 16 Rooibos-Tee-Proben unterschiedlicher Herkunft ließ sich kein Coffein, Theobromin und Theophyllin nachweisen (1992). [9]Morton, J.F.: Rooibos Tea. Aspalathus linearis, Coffeinless, Low Tannin Beverage. Economic Bot. 31, 161-172 (1983). [10]Czygan, F.-C., und Mitarb.: Zumindest in einigen Proben ließen sich geringe Mengen von Catechin-Gerbstoffen nachweisen (1992). [11a]Koeppen, B.H., C.J.B. Smit, D.G. Roux: The Flavone C-Glycosides and Flavonol O-Glycosides of Aspalathus acuminatus (Rooibos Tea). Biochem. J. 83, 507-511 (1962). [11b]Koeppen, B.H., D.G. Roux: C-Glycosylflavonoids. The chemistry of Orientin and Iso-orientin. Biochem. J. 97, 444-448 (1965). [11c]Koeppen, B.H., D.G. Roux: C-Glycosylflavonoids. The Chemistry of Aspalathin. Biochem. J. 99, 604-609 (1966). [12]Snykers, F.O., G. Salemi: Studies of South African Medicinal Plants. Part I: Quercetin as the major in vitro active component of Rooibos Tea. J.S. Afric. Chem. Inst. 27, 5-7 (1974). [13]Joubert, E.: HPLC quantification of the dihydrochalcones, aspalatin and nothofagin in rooibos tea (Aspalathus linearis) as affected by processing. Food Chem. 55, 403-411 (1996). [14]Habu, T., R.A. Flath, T.R. Mon, J.F. Morton: Volatile Components of Rooibos Tea (Aspalathus linearis). J. Agric. Food Chem. 33, 249-254 (1985). [15]Kharebara, L.G.: Subtrop. Kult., 144-145 (1986); zitiert nach [2]. [16]Czygan, F.-C., A. Zänglein: Mit den üblichen Verfahren ("Blutagar") waren in 6 Rooibos-Tee-Proben hämolytische Aktivitäten nicht nachweisbar (1990). [17]van Wyk, B.-E., G.H. Verdoorn: Alkaloids of the genera Aspalathus, Rafnia und Wiborgia (Fabaceae-Crotalarieae). S.Afric. Tydskr. Plantk. 55, 520-522 (1989). [18]Czygan, F.-C., G. Gresser: In 8 Proben unterschiedlicher Herkunft konnten mit den für Chinolizidinalkaloiden üblichen Analysenmethoden [vgl. Gresser, G. et al.: Z. Naturforsch. 51c, 791-801 (1996)] keine Alkaloide diesen Typs nachgewiesen werden (1992).

Prof. Dr. Franz-Christian Czygan Lehrstuhl für Pharmazeutische Biologie der Universität Julius-von-Sachs-Institut für Biowissenschaften mit Botanischem Garten Julius-von-Sachs-Platz 2 97082 Würzburg 20 Rotbusch-Tee, Tee, Getränke, Rooibos-Tee, Aspalanthus linearis, Spasmolytika, Antiallergika, Ekzem,

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