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Rosige Zeiten

MÜNCHEN (ms). Auf ihrer "Roadshow" durch Deutschland sprachen Spitzenvertreter der Hoffmann-La Roche AG, Basel, am 13. Oktober in München über die Folgen der Übernahme von Boehringer Mannheim und stellten die künftigen Strategien des Pharmakonzerns vor.


Von Januar bis September 1998 habe der Geschäftsbereich Diagnostics dank der Boehringer-Akquisition weltweit mit 4,165 Milliarden DM den Umsatz um 400 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gesteigert, erklärte Dr. Franz B. Humer, der Vorsitzende der Konzernleitung. In dem für Roche wichtigen Pharmabereich habe man ein Plus von 21 Prozent (Umsatz: 12,917 Milliarden) erwirtschaftet. Laut Humer wird Roche in Zukunft die Synergien des Diagnostika- und des Pharmageschäfts gezielt bündeln und die Forschung auf dem Gebiet der Gen- und Biotechnologie ausbauen. "Innovation ist ein Kernbegriff in unserer Strategie", so Humer.

Die vier Geschäftsbereiche von Roche


Die Hoffmann-La Roche AG, die weltweit 70000 Mitarbeiter beschäftigt und einen Jahresumsatz von rund 30 Milliarden DM erzielt, gliedert sich in vier Geschäftsbereiche: Pharma, Diagnostics, Vitamine und Feinchemikalien, Riechstoffe und Aromen. In Deutschland hat Roche vier Standorte: In Grenzach sind die Pharmaproduktion und das Pharmamarketing sowie das weltweite Vitamingeschäft angesiedelt. Die oberbayerischen Orte Penzberg und Tutzing - in unmittelbarer Nähe zur Biotechnologie-Region München - sind für die Forschung und Produktion im Bereich Diagnostics und Pharma zuständig. Das hessische Eppstein ist Sitz der Roche Consumer Health (Roche Nicholas: OTC-Geschäft). Und von Mannheim aus leitet Roche das weltweite Diagnostikageschäft.

Keine Forschung ohne Investitionen


Roche investiert eigenen Angaben zufolge jährlich etwa 2,2 Milliarden DM in Forschung und Entwicklung vor allem neuer Medikamente. Denn gegenwärtig erlebe man eine Revolution in der Technologie, erklärte Humer. "Diese Investitionen werden sich aber auszahlen", so Humer. Die Bevölkerung werde immer älter, und zwei Drittel aller Krankheiten könne man heute entweder überhaupt nicht oder nur ungenügend behandeln. Der Vorsitzende der Konzernleitung setzt dabei auf Innovation. Denn laut Humer werden die neuen Technologien auch neue Möglichkeiten eröffnen, Krankheiten zu behandeln. Das Bekenntnis zur Innovation spiegele sich auch in den Produkten wider, die Roche im nächsten Jahr einführen werde, sagte Humer. Darunter seien unter anderem ein Neuraminidaseinhibitor zur Prophylaxe und Behandlung der Grippe, ein Medikament gegen das Fortschreiten der Alzheimer Krankheit, ein neuartiges Mittel zur Verhütung arterieller Thrombosen sowie ein "nerve growth faktor" bei peripheren Neuropathien.

Synergieeffekte nutzen


Laut Humer will Roche die Synergieeffekte nutzen, die sich durch die Übernahme von Boehringer Mannheim ergeben. Roche habe, so Humer, eine kleine Gruppe mit dem Namen "Integrated Health Care Solutions" geschaffen, deren Aufgabe es sei, Synergieeffekte aus der Kombination der Geschäftsfelder Diagnostics und Pharma für den Gesundheitssektor zu erzeugen. Als Beispiel nannte Humer die Aidskrankheit. Mit der Polymerasekettenreaktion (PCR) könne der Arzt die Viruslast bestimmen und zugleich kontrollieren, ob die zur Behandlung eingesetzten Medikamente wirksam seien, oder ob man das Behandlungsschema ändern müsse. Damit, erklärte Humer, lasse sich die kostengünstigste Behandlung für den einzelnen ermitteln.

Stellenabbau geplant


Roche beschäftigt derzeit 10520 Mitarbeiter in Deutschland, die einen Umsatz von rund 4 Milliarden DM erwirtschaften. Die Integration der Boehringer Mannhein sei abgeschlossen, sagte Otto A. Meile, Leiter des weltweiten Diagnostika-Geschäfts. Roche plane, so Meile, in den nächsten zwei bis drei Jahren den Mitarbeiterstamm in Deutschland um 5,4 Prozent auf 9960 zu reduzieren. Laut Meile wird dabei der Standort Mannheim mit einem Personalabbau um 1000 Stellen am stärksten betroffen sein. In Tutzing und Penzberg wolle man hingegen Stellen schaffen, sagte Meile. Die Kosten für den Stellenabbau bezifferte Meile auf etwa 300 Millionen DM.

Roche Diagnostics in Deutschland


Nach Angaben von Dr. Jürgen Schwiezer, dem Leiter der Diagnostika-Aktivitäten in Deutschland, ist Roche mit 26 Prozent Anteil am deutschen Diagnostikamarkt Marktführer. Innerhalb des Bereichs Diagnostics hat Roche laut Schwiezer zwei große Standbeine (Laboratory Systems: 49,2 Prozent; Patient Care: 39,9 Prozent) und zwei kleinere (Molecular Systems: 3,3 Prozent; Molecular Biochemicals: 7,6 Prozent). Im Bereich "Patient Care" werde Roche, so Schwiezer, neue Gebiete erschließen mit einem Gerinnungsmonitoring für Patienten nach Operationen. Der Patient könne sich zuhause selbst testen und lasse sich dadurch genauer einstellen als bisher. Die wichtigsten Kunden für Diagnostics-Produkte sind laut Schwiezer Krankenhäuser, Privatlabors, niedergelassene Ärzte sowie Forschungseinrichtungen.

Erfolg durch Innovation


"Der Pharmamarkt in Deutschland ist zehnmal so groß wie der Diagnostikamarkt", erklärte Karl H. Schlingensief, verantwortlich für den deutschen Geschäftsbereich Pharma. Roche liege hier insgesamt mit einem Marktanteil von 4 Prozent auf Rang 5, sagte Schlingensief. Während man im Bereich Krankenhaus (15 Prozent des Pharmamarktes) den ersten Platz belege, sei man im Bereich der niedergelassenen Ärzte (85 Prozent des Pharmamarktes) die Nummer 5. Laut Schlingensief hat man auf dem deutschen Pharmamarkt keine Wachstumschance, wenn man allein auf Mengen und Preise setzt. "Deshalb ist es für uns nicht attraktiv, in den Generikamarkt einzusteigen", so Schlingensief. Erfolg könne man nur mit innovativen Produkten erzielen. Der Trend hin zu innovativen Produkten zeige sich darin, daß der Wert pro verordnetem Rezept in den letzten Jahren gestiegen sei, erläutere Schlingensief. Dieser Entwicklung wolle man in der Zukunft verstärkt Rechnung tragen. "Unser Ziel ist es", erklärte Schlingensief, "daß die seit 1998 eingeführten Mittel in drei Jahren einen Anteil von 32 Prozent an unserem Gesamtangebot haben werden".l

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