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60. Geburtstag von Professor Kovar

"""10 - 25 - 60 - 75 - 200" - unter dem Motto dieser geheimnisvollen Zahlen fand am 27. Juni 1998 im Heinrich-Fabri-Institut der Universität Tübingen in Blaubeuren ein Fest-Symposium zum 60. Geburtstag von Prof. Dr. Karl-Artur Kovar statt. Neben den geladenen Festrednern berichteten stellvertretend für alle Doktoranden vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über ihre aktuelle Forschungsergebnisse im Arbeitskreis des Jubilars.

Begrüßung und Grußworte


Das Zahlenrätsel der Einladung sollte sich schnell lüften, als Professor Kovar die einführenden Worte sprach und die Gründe dieser Feier erläuterte: 10 Jahre Ecstasy-Forschung, 25 Jahre pharmazeutische Analytik, 60 Jahre erfülltes Leben, 75 betreute und erfolgreich abgeschlossene Promotionen und nicht zuletzt über 200 Publikationen in international angesehenen Zeitschriften.
Grußworte sprachen Prof. Dr. Mecke, Prorektor der Universität Tübingen, und Prof. Dr. Böning, Prorektor der Universität Würzburg und Nachfolger von Herrn Kovar als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie. Dieser entgegnete auf die Aufzählungen der Leistungen in seinem Leben mit dem Satz: "Ich bin sicherlich besser als mein Ruf, aber bei weitem nicht so gut wie mein Nachruf". Wegen seiner Ablehnung von langen Lobesreden verwies Herr Kovar dann auch mehrfach auf den "wirklichen" Anlaß der Feier, nämlich die Würdigung seiner Doktoranden, denn "auch der beste Coach ist nur so gut wie sein Team".

Festvorträge


Priv.-Doz. Dr. Hermle, Chefarzt in der Psychiatrischen Klinik Christophsbad in Göppingen, resümierte die historische Entwicklung der Suchtforschung und legte dann den Schwerpunkt auf die Substanzgruppe der Halluzinogene. Er beschrieb die Modellpsychose unter Mescalin und zog dann den Schluß, daß die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus der Suchtforschung wichtige Rückschlüsse auf die Behandlung von Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen zulassen.
Frau Dr. Gouzoulis-Mayfrank, Oberärztin in der Psychiatrischen Klinik Aachen, stellte die in Zusammenarbeit mit unserem Arbeitskreis durchgeführten Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Ecstasy-Untersuchungen am Menschen vor. In einer Doppelblindstudie am Klinikum Aachen wurden an gesunden Probanden Modellpsychosen mit drei verschiedenen Substanzen untersucht. Im Einzelnen wurden

  • Psilocybin (Inhaltsstoff des Pilzes Psilocybe mexicana) als typischer Vertreter der Halluzinogene,
  • MDE (Methylendioxyethylamphetamin) als Entaktogen und
  • Methamphetamin als Stimulans


eingesetzt. Die Forschungsarbeit von Professor Kovar auf diesem Gebiet umfaßt mehrere Doktorarbeiten, die sich mit der Synthese, Metabolisierung und der Analytik mit Hilfe von HPLC-UV/FL/ECD befassen.
Eine nette Abwechslung zum wissenschaftlichen Programm war der Besuch des ehemaligen Benediktinerklosters Blaubeuren mit seinem berühmten Doppelflügelaltar. Die Gäste wurden stilvoll durch einen Posaunenchor, dem auch einer der Doktoranden angehört, musikalisch im Innenhof des Klosters empfangen und nahmen an einer kunsthistorischen Klosterführung teil.

"Der Arbeitskreis stellt sich vor"


Unter diesem Titel setzten Mitarbeiter von Professor Kovar das wissenschaftliche Programm fort. Dr. Brunnenberg hielt einen Vortrag über "ungleiche Zwillinge". Der im Menschen stereoselektiv verlaufende Metabolismus des Ecstasy-Analogons (R/S)-MDE wurde anhand realer Plasmaproben aufgezeigt und näher erläutert. Die Frage nach Unterschieden von Wirkung und Abbaumechanismen chiraler Verbindungen wurde erörtert und darauf verwiesen, daß in der Literatur beschriebene Tierversuche keine Vorhersage beim Menschen ermöglichten.
Weg von der Erforschung bekannter Drogen und hin zu der Wirkungsvorhersage neuer Rausch- und Suchtmittel führte der Vortrag von Frau Inge Muszynski. Sie gab stellvertretend für die Arbeitsgruppe Molecular Modelling einen Überblick zur quantitativen Struktur-Wirkungs-Beziehung von Phenyltropanen am Serotoninrezeptor und verglich die unterschiedlichen Ansätze CoMFA und klassische QSAR.
Dr. Bauer führte die Zuhörer in die in Tübingen entwickelte Kopplungsmethode von Dünnschichtchromatographie und Infrarotspektroskopie ein. Er beschrieb die in Zusammenarbeit mit der Fa. Merck entwickelte optimierte Sorbensschicht und ging auf die verbesserten Parameter, Signal/Rausch-Verhältnis und DRIFT-Spektren anhand einiger Beispiele ein.
Als Vertreterin der Untergruppe NIR (Nahe Infrarotspektroskopie) gab Frau Dr. Gerhäußer Einblicke in die Welt eines relativ jungen Analysenverfahrens. Sie schilderte den Nutzen der zerstörungsfreien Methode zur Identifizierung von Arzneistoffen unter Verwendung verschiedener chemometrischer Auswertungsverfahren und demonstrierte die von ihr erstellte Spektrenbibliothek.
Die vorgestellten Themen und die ergänzende Posterausstellung seiner Doktoranden spiegelten die Vielfalt von Professor Kovars Forschungsaufgaben und Zielrichtungen wider und boten den Ehemaligen eine Gelegenheit zu erfahren, wieviel aus ihren Denkansätzen inzwischen verwirklicht werden konnte.

Moderne Analytik


Auf ausdrückliche Wunsch von Herrn Kovar verzichtete der Festredner Prof. Dr. H. Maurer, Toxikologe an der Universität des Saarlandes in Homburg, auf eine Laudatio und hielt statt dessen einen mit Erinnerungsfotos aufgelockerten Vortrag über GC-MS- und LC-MS-Kopplungen. Die gemeinsame Arbeit mit dem AK Kovar hervorhebend, berichtete er über die Erstellung einer GC-MS-Spektrensammlung und über die Aufklärung von MDE-Metaboliten. Weiterhin informierte er die Gäste über toxikologisch relevante Untersuchungen, z.B. die LC-MS-Bestimmung von Toxinen aus Urin nach Vergiftung mit Knollenblätterpilzen.

Geburtstagsfeier


Der Übergang vom Festvortrag zum köstlichen pilzhaltigen Buffet-Dinner war somit fließend, und der gesellige Teil sollte noch bis tief in die Nacht andauern. Neue Kontakte wurden geknüpft; so nahm Dr. Weihgold, erster Doktorand von Herrn Kovar, neben dem jüngsten Mitglied Thorsten Herkert Platz. Die rund 50 angereisten "Kovarianer" schwelgten selig in alten Erinnerungen. Zahlreiche weitere Gäste sprachen ihre Glückwünsche, humorvollen Erinnerungen und Ratschläge für die Zukunft aus. Prof. Dr. Nyiredy, Editor in Chief der Zeitschrift Journal of Planar Chromatography, überreichte eine Torte in Form des Journals und kündigte eine Sonderausgabe zu Ehren des Jubilars an. Prof. Dr. B. Göber, Humboldt-Universität Berlin, Vorgänger von Professor Kovar im Amt des DPhG-Fachgruppenvorsitzenden Arzneimittelkontrolle/Pharmazeutische Analytik, und Prof. Dr. Hamacher, Nachfolger im selben Amt, erinnerten an gemeinsame, nicht nur politische Unternehmungen. Einen weiteren Höhepunkt zu späterer Stunde lieferten die aktiven Doktoranden, die zu der allseits bekannten Melodie nach Guildo Horn - wenn auch etwas schräg - sangen: "Piep, piep, piep, Charlie hat euch lieb!"
In diesem Sinne möchten wir unserem Doktorvater ganz herzlich gratulieren und wünschen ihm für die Zukunft eine gute Kondition, Gesundheit und vor allem Freude bei der Arbeit. Wir hoffen, trotz seines stets überquellenden Terminkalenders, auf viele weitere gemeinsame Aktivitäten wie die lustigen Betriebsausflüge, Stocherkahnfahrten, Kegelabende und das Grillen im Kovarschen Garten, die besonders durch die Gastfreundschaft und Geduld seiner Frau unterstützt wurden. Und vielleicht gibt es ein erneutes Wiedersehen in zehn Jahren am Blautopf unter dem Motto 20 - 35 - 70 - 100 - 300??? Silke Stahlmann, Tübingen

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