Arzneimittel und Therapie

Schlafstörungen: 10% der Bevölkerung sind betroffen

Eine gelegentliche Schlafstörung hat noch keinen Krankheitswert. Sie ist erst dann behandlungswürdig, wenn sie über einen längeren Zeitraum gehäuft auftritt und der Patient tagsüber in seiner Leistungsfähigkeit beeinträchtigt wird. Diese Kriterien treffen schätzungsweise auf 10% der deutschen Bevölkerung zu.

Die International Classification of Sleep Disorders (ICSD) der American Sleep Disorders Association (ASDA) listet 88 Diagnosen auf, die in vier Gruppen gegliedert sind: Š Dyssomnien: zum Beispiel Insomnie, Hyposomnie, Hypersomnie Š Parasomnien: Schlafstörung durch motorische oder autonome Phänomene Š Schlafstörungen bei organischen und psychischen Erkrankungen Š Schlafstörungen unterschiedlicher Genese

In schwierigen Fällen: Schlaflabor Um sich ein Bild von der Schlafstörung zu machen, genügt in vielen Fällen bereits ein ausführliches Anamnesegespräch. Bei schweren Schlafstörungen kann der Patient zur Diagnosestellung in ein Schlaflabor überwiesen werden, das von schlafmedizinischen Zentren unterhalten wird. Eine Liste aller von der DGSM anerkannten Zentren (derzeit 125) kann man auf der Homepage der DGSM (www.uni.marburg.de/sleep/dgsm) abrufen. Der Patient verbringt eine oder mehrere Nächte im Schlaflabor. Über verschiedene Elektroden werden wichtige Biosignale des Patienten abgeleitet und aufgezeichnet, um eine genaue Diagnose stellen zu können.

Vernetzung geplant Die DGSM plant eine Vernetzung aller Schlafzentren über das Internet, um sich untereinander schnell austauschen und schwierige Fälle diskutieren zu können. Vorbild ist dabei das von der EU unterstützte Project "European Neurological Network" (ENN), an dem europaweit bereits 40 Zentren via Internet teilnehmen. Mit diesem zum "Telematics in Health Care" gehörigen Projekt will man Daten über Schlafstörungen, Kopfschmerzen und epileptische Störungen sammeln.

Insomnien bleiben oft unerkannt Etwa fünf Prozent der Deutschen leidet an Insomnien. Das sind Einschlaf- und Durchschlafstörungen, die mindestens dreimal in der Woche innerhalb eines längeren Zeitraums auftreten und den Patienten tagsüber in seiner Leistungsfähigkeit einschränken. Sind Insomnien die Folge psychischer oder körperlicher Krankheiten, steht die Behandlung dieser Krankheiten im Vordergrund. Ist der Patient hingegen außer seiner Schlafstörung körperlich und psychisch gesund, sollte diese "primäre Insomnie" zuerst mit nichtmedikamentösen Therapieformen behandelt werden. Ärger, berufliche Überforderung und Partnerschaftsprobleme können den Schlaf ebenso stören wie schwerverdauliche Nahrung, Alkohol oder zu lange Bettzeiten. Viele dieser Faktoren lassen sich aber schon mit einfachen Mitteln ausschalten. Entspannungsübungen wie zum Beispiel die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson oder ein autogenes Training bauen Streß und Ängste ab. Ein verändertes Ernährungsverhalten, Techniken aus der Verhaltenspsychologie sowie schlafhygienische Maßnahmen wirken sich ebenfalls günstig auf Schlaf-Wachstörungen aus.

Hypnotika - mit Verstand einsetzen Bleiben die nichtmedikamentösen Therapieformen erfolglos, werden Hypnotika eingesetzt. Nach den Empfehlungen der meisten schlafmedizinischen Gesellschaften sollen Hypnotika allerdings nicht länger als vier Wochen eingenommen werden. Gerade bei den häufig verordneten Benzodiazepinen kann ein zu langer Gebrauch zu Toleranz und Abhängigkeit führen. Besser wird hier die Gruppe der sogenannten Non-Benzodiazepine (zum Beispiel Zolpidem) beurteilt, weil bei ihnen das Risiko einer Abhängigkeit oder einer Rebound-Insomnie geringer ist. Non-Benzodiazepine besitzen keine Benzodiazepinstruktur, wirken aber benzodiazepinähnlich über eine Bindung am GABA-Rezeptor. Sie binden allerdings an einer anderen Stelle des Rezeptors als Benzodiazepine.

Messung wichtiger Biosignale zur Diagnose von Schlafstörungen 1. EEG (Elektroenzephalographische Ableitungen) 2. EOG (Elektrookulographische Ableitungen) 3. EMG (Elektromyogramm) 4. Atemfluß an Mund und Nase 5. Blutgase 6. Arterieller Blutdruck

Quelle Prof. Dr. Dr. Jörg Hermann Peter, Marburg, Priv.-Doz. Dr. Thomas Penzel, Marburg, Prof. Dr. Dieter Riemann, Freiburg, Dr. Tracik Ferenc, Regensburg, Dr. Geert Mayer, Schwalmstadt, Priv.-Doz. Dr. Göran Hajak, Göttingen, Prof. Dr. Reinhard Steinberg, Klingenmünster, Prof. Dr. Jürgen Fischer, Norderney, Symposium "Schlafstörungen - ein akutes Problem unserer Zeit. Neue medizinische und sozioökonomische Aspekte", Berlin, 8. Mai 1998, veranstaltet von der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin e. V. (DGSM) und Synthelabo, Berlin. Michael Stein, München

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