Die Seite 3

Editorial

Wie geht es uns?

Alle Jahre im Frühjahr gibt der Geschäftsbereich Wirtschaft und Sozialpolitik der ABDA seinen Wirtschaftsbericht ab. Äußerer Rahmen ist eine Pressekonferenz für wirtschafts- und sozialpolitische Journalisten und das Wirtschaftsforum des Deutschen Apothekerverbands. Die Berufsöffentlichkeit erfährt dann, wie sich der Arzneimittelmarkt, die Apothekenumsätze und die betriebswirtschaftlichen Ergebnisse im vergangenen Jahr entwickelt haben.

Das Ergebnis in wenigen Worten: Der Umsatz stagnierte im Vergleich zum Vorjahr, die Umsatzrendite ging zurück und die Einkommen sanken. Kein Grund zum Frohlocken - der Markt ist, in erster Linie gesundheitspolitisch bedingt, schwieriger geworden. Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite können die Apotheken ruhigen Gewissens darauf hinweisen, daß sie nicht zu den Kostentreibern im Gesundheitswesen gehören und ihren deutlichen Beitrag zur Stabilisierung der Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung beigetragen haben. Damit nicht genug. Die Zunahme auf dem Arbeitsmarkt der öffentlichen Apotheke belegt, daß sie mit Recht als "Jobmaschine" bezeichnet werden kann, wie Frank Diener, Leiter der ABDA-Abteilung Wirtschaft und Soziales, die Entwicklung beschrieb. Da ist was dran. Bei einer Zunahme der Apotheken in den letzten sechs Jahren von rund 20300 auf heute rund 21500 konnten die Apotheken mehr als 10000 neue Arbeitsplätze schaffen (die Zahl der Arbeitsplätze stieg von 122000 im Jahr 1992 auf 132400 im vergangenen Jahr). Das muß in der heutigen Zeit besonders hervorgehoben werden.

Und dies deshalb, weil die politischen Rahmenbedingungen nicht gerade auf Wachstum eingestellt sind. Es muß gespart werden - beim Arzneimittel geht das besonders leicht und übersichtlich. Die Berechnungen zeigen, daß im Vergleich zu 1996 im vergangenen Jahr die Zahl der verordneten Arzneimitteln mit 1020 Millionen Packungseinheiten um 50 Millionen niedriger lagen. Die Selbstmedikation konnte hier auch nicht viel zur Umsatzsteigerung beitragen, sie lag 1997 unverändert bei 580 Millionen Packungseinheiten - und das bei steigender Bevölkerungszahl. Ganz zu schweigen davon, daß die Arzneimittelpreise seit 1996 stark gefallen sind und heute bereits unter dem Wert von vor zehn Jahren liegen.

Kein euphorisches Bild zeigt sich auch beim Gesamtumsatz der bundesdeutschen Apotheken, der 1997 auf dem Niveau von 1996 lag, nämlich bei 45, 2 Mrd. DM. Umsatz gleich, Kosten gestiegen - das bedeutet sinkende Rendite: sie ging im Vergleich zu 1996 um 0,2-Prozentpunkte zurück.

Und unser Einkommen? Auch da ist ein Rückgang festzustellen. Mit 120 000 DM (vor Steuern) setzte sich 1997 der Leiter einer typischen Apotheke nicht dem Vorwurf aus, in Geld zu schwimmen. Vor allem wenn man bedenkt, daß er als Unternehmer das wirtschaftliche Risiko trägt.

Mit diesen Zahlen im Hintergrund läßt sich selbstbewußt sagen: die Apotheke Deutschlands ist ihr Geld mehr als wert!
Ihr Peter Ditzel

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