Arzneimittel und Therapie

Neue Studie: Glatirameracetat bei schubförmig-remittierender Multipler Sklerose

Die Behandlung mit Glatirameracetat verlangsamt die Progression bei Patienten mit schubförmig-remittierender Multipler Sklerose und reduziert die Schubrate. Im Verlauf der Behandlung zeigt sich deutlich ein zunehmender Effekt der Therapie auf die gemessenen Parameter. Dies belegt eine jetzt veröffentlichte Studie aus den USA.

Insgesamt 203 Patienten aus elf Studienzentren mit einem neurologischen Behinderungsgrad zwischen null und fünf nach der EDSS-Skala (noch gehfähig) erhielten randomisiert täglich subkutane Injektionen von 20 Milligramm Glatirameracetat (n=99) oder Plazebo (n=104). Die Studie ist eine doppelblinde, plazebokontrollierte Erweiterung einer 24 Monate dauernden Kernstudie. Die Verlängerung betrug bis zu 11 Monate (durchschnittlich 5,2 Monate in der Glatiramergruppe und 5,9 Monate in der Plazebogruppe). Die Studienbedingungen der Kernstudie wurden auch in der Erweiterungsstudie beibehalten. Durch regelmäßigen Kontakt der Patienten zum Prüfzentrum wurden Schübe zeitnah erfaßt. Zusätzlich wurde alle drei Monate der EDSS-Wert von Neurologen der Studienzentren bestimmt.

Schubrate um 32% verringert Mehr als ein Drittel der Glatiramerpatienten blieb während der gesamten Studiendauer schubfrei. Die durchschnittliche Schubrate innerhalb von zwei Jahren lag in der Glatiramergruppe bei 1,34; in der Plazebogruppe bei 1,98. Dies entspricht einer signifikanten Reduktion der Schubrate in der Glatiramergruppe um 32% gegenüber der Plazebogruppe (p=0,002).

Glatirameracetat schützt vor neurologischer Verschlechterung Unter der Glatirameracetat-Behandlung verbesserten sich signifikant mehr Patienten (27,2% gegenüber 12%) um mindestens einen EDSS-Wert, wohingegen sich mehr Plazebopatienten als Glatiramerpatienten (31,2% gegenüber 18,4%) verschlechterten. Etwa die Hälfte aller Patienten aus beiden Gruppen hatten am Studienende einen unveränderten neurologischen Status. Die Kaplan-Meier-Analyse, in der als Endpunkt die Zeitspanne bis zum Eintreten einer Progression der Behinderung um mindestens 1,5 Punkte auf der EDSS-Skale definiert wurde, zeigte, daß sich 41,6% der Plazebopatienten und nur 21,6% der mit Glatirameracetat behandelten Patienten verschlechterten. Der Anteil der Patienten, deren Behinderung sich deutlich verschlechterte, wurde durch Glatirameracetat um fast 50% reduziert.

Gut verträgliche Therapie Die tägliche Injektion von Glatirameracetat wurde von den Patienten gut vertragen. Die häufigsten Nebenwirkungen waren kurzfristige Rötungen, Schmerzen, Entzündungen, Juckreiz oder Knoten an der Injektionsstelle. Selten trat eine sofortige Postinjektionsreaktion auf, die mit mindestens einem der folgenden Anzeichen einhergeht: Flush, Brustengegefühl, Palpitationen oder Dyspnö. Meist waren diese Reaktionen von kurzer Dauer und klangen spontan ohne Folgeerscheinungen ab. Grippeähnliche Symptome sowie klinisch relevante Laborwertveränderungen traten unter Glatirameracetat nicht auf.

Für langandauernde Behandlung geeignet Der positive klinische Effekt, den Glatirameracetat in der Kernstudie zeigte, konnte auch während der Erweiterungsstudie beobachtet werden. Nach Abschluß der Studie wurde den Patienten die offene Weiterführung der Therapie im Rahmen einer Langzeitbeobachtung angeboten. Ein Großteil wird nun schon seit sechs Jahren mit Glatirameracetat behandelt. Aufgrund der guten Wirksamkeit und der geringen Nebenwirkungen ist Glatirameracetat ein geeignetes Therapeutikum für die langandauernde Behandlung von Patienten mit schubförmig-remittierender Multipler Sklerose. Die Langzeitergebnisse verstärken eindrucksvoll die bereits publizierten Daten der Kernstudie [Johnson, 1995]. Glatirameracetat ist bereits in Israel, den USA, Kanada und weiteren Ländern zugelassen. In Deutschland wird die Einführung des synthetischen Analogons des myelinbasischen Proteins (MBP) Glatirameracetat (auch bekannt als Copolymer-1) durch die Firmen TEVA Pharma und Hoechst Marion Roussel für Anfang nächsten Jahres erwartet.

Literatur Johnson, K. P., et al.: Extended use of glatiramer acetate (Copaxone) is well tolerated and maintains its clinical effect on multiple sclerosis relapse rate and degree of disability. Neurology 50, 701-708 (1998). Johnson, K. P., et al.: Copolymer-1 reduces relapse rate and improves disability in relapsing-remitting multiple sclerosis: results of a phase III multicenter, double-blind, placebo-controlled trial. Neurology 45, 1268-1276 (1995). ede

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