Arzneimittel und Therapie

Periphere arterielle Verschlußkrankheit: Risikofaktoren erkennen und vermeiden

Kardio- und zerebrovaskuläre Erkrankungen führen die Rangliste bei den Todesursachen in allen westlichen Ländern an. Aber nicht die koronare Herzkrankheit oder der apoplektische Insult, sondern die peripheren Gefäßkrankheiten weisen derzeit die höchsten Steigerungsraten von bis zu 30% pro Jahr auf. Jeder zehnte Deutsche im Alter zwischen 55 und 65 Jahren leidet an einer peripheren arteriellen Verschlußkrankheit (pAVK) im Bereich der Becken-Bein-Arterien. In Deutschland rechnen Experten mit etwa 500000 AVK-Patienten und 30000 bis 35000 Amputationen jährlich wegen dieser Indikation.

Ähnlich wie bei den kardio- und zerebrovaskulären Erkrankungen stehen auch bei der peripheren arteriellen Verschlußkrankheit gewisse Risikofaktoren im Vordergrund. Rauchen ist der Risikofaktor Nr. 1, gefolgt von Diabetes mellitus, Hypertonie und Fettstoffwechselstörungen. Aber auch Übergewicht, falsche Ernährung und Bewegungsmangel sind an der Entstehung arteriosklerotischer Gefäßerkrankungen beteiligt. Entscheidend ist darüber hinaus, daß bei vielen Patienten in der Regel mehrere Risikofaktoren simultan vorkommen und die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung einer arteriellen Gefäßerkrankung damit potenzieren können. Die Symptomatik einer peripheren arteriellen Verschlußkrankheit ist zwar charakteristisch, dennoch wird die Erkrankung zu selten bereits in frühen Stadien auch erkannt.

Gefäßveränderungen, aber kaum klinische Symptome So können bereits erhebliche Gefäßveränderungen bestehen, ohne daß jedoch klinische Symptome auftreten. Meist klagen die Patienen über eine Claudicatio intermittens, das intermittierende Hinken, während einer verstärkten körperlichen Belastung. Ursache hierfür ist der Muskelschmerz, der durch die Hypoxie ausgelöst wird. Dann befinden sich die Patienten aber schon im Stadium II der bereits 1954 von Fontaine beschriebenen Stadieneinteilung (s. Kasten).

Diagnostik Die Diagnostik der peripheren arteriellen Verschlußkrankheit ruht auf mehreren Säulen. Neben der obligaten Eigen- und Familienanamnese zur Erfassung der Risikofaktoren gehören vor allem die Palpation der Pulse, die Auskultation über den Palpationspunkten und die Lagerungsprobe nach Ratschow zu unverzichtbaren Untersuchungsmethoden. Darüber hinaus dienen ein Gehtest und die Erfassung der Gehstrecke (Laufbandergometrie) zur Beurteilung des Schweregrades. In der ambulanten Diagnostik hat sich daneben auch der Einsatz der Dopplersonographie (Taschendoppler) bewährt. Demnächst wird eine neue Technik die Ermittlung der Gehstrecke unter physiologischen Bedingungen ermöglichen. Hierbei werden an den Knöcheln der Patienten befestigte Ultraschallsensoren eingesetzt. In einem handlichen Steuergerät, welches der Patient selber bedient, werden dann Informationen über die schmerzfreie Gehstrecke, die maximale Gehstrecke, das Gehverhalten und die Geschwindigkeit gespeichert.

Ganzheitliches Therapiekonzept Im therapeutischen Konzept der peripheren arteriellen Verschlußkrankheit dominieren die konservativen Behandlungsoptionen, mit dem Ziel, die Progredienz der Erkrankung zu bremsen und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Konservative Maßnahmen haben insbesondere in den Stadien I und II der Erkrankung eine hohe Bedeutung. In erster Linie sollte versucht werden, das Risikoprofil des Patienten zu beeinflussen. Dazu zählt auch die Behandlung einer eventuell bestehenden Grunderkrankung (Diabetes mellitus, Hypercholesterinämie, Hypertonie). Aber auch physiotherapeutische Maßnahmen wie die Hydrotherapie, Elektrotherapie, Reizstromverfahren, Massagen oder Kohlensäurebäder können in diesen Erkrankungsstadien ergänzend eingesetzt werden. Begleitend hierzu hat das Bewegungs- und Gehtraining in Gefäßsportgruppen einen hohen Stellenwert. Mit Hilfe der Sporttherapie kann vor allem eine Zunahme der körperlichen Leistungsfähigkeit und eine Ökonomisierung der Herz-Kreislauf-Funktion erzielt werden. Darüber hinaus werden Risikofaktoren positiv beeinflußt.

Medikamentöse Therapie mit vasoaktiven Substanzen Vasoaktive Substanzen können bei bestehender Kontraindikation für die Durchführung einer Bewegungstherapie oder additiv hierzu eingesetzt werden. Eine ausreichende Wirkung ist für die Wirkstoffe Naftidrofuryl, Pentoxifyllin und Buflomedil gesichert und durch klinische Studien hinreichend dokumentiert. Den positiven Effekt einer additiven Therapie mit einer vasoaktiven Substanz (Naftidrofuryl/Pentoxifyllin) untermauert eine retrospektive Studie: So mußten sich aus der Gruppe der Patienten, die lediglich ein Training absolvierten, nach zwei Jahren 70% einem interventionellen Eingriff (PTCA oder Bypass-Operation) unterziehen, aber nur 45% der Patienten aus der additiv mit vasoaktiven Substanzen behandelten Gruppe. Auch die Zahl der Todesfälle war mit 4,1% in der Gruppe, die zusätzlich das vasoaktive Medikament einnahm, deutlich geringer als im Vergleichskollektiv. In dieser Gruppe verstarben innerhalb des Beobachtungszeitraums immerhin 16,2%.

Stadieneinteilung der peripheren arteriellen Verschlußkrankheit
• Stadium I: keine Beschwerden
• Stadium II: Belastungsschmerzen
• Stadium IIa: Schmerzen, wenn Gehstrecke länger als 200 m
• Stadium IIb: Schmerzen bei Gehstrecke unter 200 m
• Stadium III: Ruheschmerzen Stadium IV: Nekrosen

Quelle Leipziger Angiologisches Symposium: "Die periphere Verschlußkrankheit im Wandel der Zeit", Leipzig, 7. März 1998. Presseinformation der Lipha Arzneimittel GmbH, Essen.

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