Arzneimittel und Therapie

Multiple Sklerose: Ein Virus als Auslöser?

Möglicherweise ist ein Herpesvirus an der Entstehung der Multiplen Sklerose (MS) beteiligt: Im Serum von MS-Patienten wurden stark erhöhte IgM-Antikörpertiter für ein Antigen des Herpesvirus HHV-6 festgestellt. Bei rund einem Drittel der untersuchten Blutproben von MS-Kranken wurde ferner virale HHV-6-DNA nachgewiesen.

Die Ursachen der Multiplen Sklerose sind noch weitgehend unbekannt, neben der genetischen Disposition scheinen Umweltfaktoren und virale Infektionen eine Rolle zu spielen. Bei vielen MS-Patienten ist der Antikörpertiter verschiedener Viren erhöht. Bislang ließ sich jedoch kein bestimmtes Virus der Multiplen Sklerose zuordnen.
Das könnte sich jetzt ändern: In aktiven MS-Plaques im Nervensystem wurde das humane Herpesvirus Typ 6 (HHV-6) gefunden. Dieser Nachweis veranlaßte eine amerikanische Arbeitsgruppe, Blutseren von MS-Kranken virologisch zu untersuchen. Insgesamt wurden 102 Proben getestet: 36 Blutproben von MS-Patienten mit schubförmig-remittierender Form, 14 von chronisch-progredienten MS-Kranken, 31 von Patienten mit anderen neurologischen Erkrankungen, 21 von Patienten mit inflammatorischen Erkrankungen und 14 von gesunden Probanden.

HHV-6: ubiquitär verbreitet
Mit Hilfe eines Enzymimmunoassays wurden IgM- und IgG-Antikörper auf ein HHV-6-Antigen ermittelt. Da HHV-6 ubiquitär vorkommt und schätzungsweise 90% der erwachsenen Bevölkerung dieses Virus latent in sich trägt, zeigte sich kein Unterschied bei den spezifischen IgG-Konzentrationen, dem Zeichen für eine späte Immunantwort.
Dagegen bestand ein hochsignifikanter Unterschied in der IgM-Antwort, dem Zeichen einer frühen Immunantwort und damit einer aktiven Infektion, zwischen der MS- und der Kontrollgruppe. So wiesen 73% der Patienten mit schubförmig-remittierender MS erhöhte IgM-Werte gegen HHV-6 auf; bei den gesunden Probanden waren es nur 18%.

Virusnachweis im Serum
In einer weiteren Versuchsreihe wurde mit Hilfe einer Polymerasekettenreaktion untersucht, ob sich im Serum virale HHV-6-DNA feststellen läßt. Bei 30% der MS-Patienten konnte HHV-6-DNA nachgewiesen werden. Bei Probanden der Kontrollgruppe und bei Patienten mit inflammatorischen oder anderen neurologischen Erkrankungen konnte keine virale HHV-6-DNA festgestellt werden. Dieses Ergebnis deutet darauf hin, daß das Virus bei den MS-Kranken reaktiviert wurde; möglicherweise besteht auch ein Zusammenhang zwischen der Reaktivierung und dem Krankheitsverlauf, bzw. dem Auftreten eines neuen Krankheitsschubs.
Ob HHV-6 bei der Entstehung von MS tatsächlich eine Rolle spielt oder ob vorliegende Ergebnisse anders zu deuten sind, muß anhand weiterer Studien geklärt werden.





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