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Kassenrezept 2000: Vertraulichkeit und Sicherheit sind das A und O

GIESSEN (rb). Die Einführung mobiler Patientendatenträger in Kombination mit dem "elektronischen Rezept" wird die Berufswirklichkeit im Apothekenbereich verändern. Dr. Claus-Werner Brill, Leiter des Bereichs Apothekenorganisation bei der ABDA, stellte anläßlich des Hessischen Apothekertags in Gießen den Entwicklungsstand des Smart-Card-Konzepts vor, wie es derzeit zwischen Gesetzlicher Krankenversicherung, Kassenärztlicher Bundesvereinigung und Apothekerschaft im Gespräch ist. In der aktuellen Entwicklungsphase gehe es vor allem darum, mit Hilfe moderner Verfahren Vertraulichkeit und Sicherheit innerhalb des Systems zu installieren, sagte Brill. Schließlich seien Patientendaten die empfindlichsten Daten, die es überhaupt gebe.

Die Werkzeuge der modernen Kryptographie, worunter man die Kunst der Datenverschlüsselung versteht, ermöglichen es heutzutage, die klassischen Verfahren der elektronischen Datenverarbeitung in der Weise zu ergänzen, daß sich auf allen Ebenen des Zugriffs und für den Patienten selber Rechtssicherheit schaffen läßt. Strategische Ziele der Verknüpfung von Fach- und Personendaten im pharmazeutisch-medizinischen Bereich und der Erzeugung entsprechender Datenströme sind: Š die Sicherung der pharmazeutisch-medizinischen Qualität der Arzneimittelversorgung, Š die Erhöhung der Wirtschaftlichkeit durch Rationalisierung, Š die Bereitstellung von Strukturdaten.

Die Smartcard verknüpft die aktuelle Verordnung mit der Arzneimitteldokumentation Brill stellte die Komponenten vor, die das derzeit von der ABDA ins Auge gefaßte Projekt zur elektronischen Speicherung von Patienten- und Verordnungsdaten vorsieht. Ein wesentlicher Bestandteil ist das "Elektronische Rezept", also die ärztliche Verordnung, die in den Computer der Arztpraxis eingegeben und anschließend auf einer dem Patienten zugeordneten sogenannten Smartcard (= intelligente Datencard) abgespeichert wird. Zweiter Bestandteil des Systems ist die Arzneimitteldokumentation, also die Historie der individuellen Medikation, einschließlich Selbstmedikation. Als weitere Komponente sind sogenannte MIV-Module vorgesehen, die die Fähigkeit und Aufgabe haben, personenbezogene Daten mit Fachdaten zu verknüpfen. Beispiel: Die Verknüpfung des Patientenalters mit der ABDA-Datenbank kann herausfinden, welche Arzneimittel für eine Altersstufe besonders geeignet sind bzw. kann entsprechende Warnhinweise geben. Und schließlich ist auch die Verknüpfung mit Aponet online vorgesehen, um im gesamten System Kommunikation und Service-Dienstleistungen sicherzustellen. Es könne auch möglich sein, daß noch weitere Bausteine seitens der Ärzte in das System hineinfließen, ergänzte Brill. Zusammenfassend läßt sich sagen, daß sich mit Hilfe der modernen Technologien zwei für die Apotheke wichtige Anwendungsbereiche verknüpfen lassen: das elektronische Rezept und die Arzneimitteldokumentation. Die Vorteile liegen auf der Hand: Š Es entsteht eine geschlossene Informationskette auf der Basis des elektronischen Datentausches, ohne daß durch einen Medienbruch Zeit und möglicherweise Informationen verlorengehen. Š Es findet eine zeitnahe Information über Umfang und Struktur aller Verordnungen statt. Dies bedeutet, daß zum Beispiel dem Arzt ein optimales Kontrollinstrument für sein Budget- und Richtgrößenmanagement zur Verfügung steht. Š Ein Ad-hoc-Screening der Arzneimittelverordnung unter formalen und unter pharmakologischen Gesichtspunkten kann automatisch stattfinden und die Patientenversorgung verbessern.

Mit der Anzeige einer Interaktion beginnt die Arbeit des Apothekers Daß übrigens genau an diesem Punkt die Aufgabe des Apothekers ansetzt, stellte Brill klar heraus und war auch Gegenstand der Diskussion unter den Zuhörern. Schließlich könne es nicht Sinn technologischer Entwicklungen sein, den Apotheker überflüssig zu machen. Doch Brill betonte, daß dem Smart-Card-System noch auf Jahrzehnte hinaus die Intelligenz fehlen werde, angezeigte Daten zu interpretieren und auszuwerten. "60 bis 70 Prozent aller Treffer, die beispielsweise im Interaktions-Check angezeigt werden, sind klinisch nicht relevant", sagte Brill. Das System stoße zwar "mit der Nase auf ein Problem", aber lösen müssen es Arzt oder Apotheker.

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