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Asthmaforschung: Neue Erkenntnisse

Weltweit leiden etwa 5 % der Bevölkerung an Asthma bronchiale - Tendenz steigend. Allein in den USA hat sich die Zahl der Asthmatiker innerhalb der letzten 15 Jahre verdoppelt. Mit neuen Therapiestrategien versucht man der Krankheit Herr zu werden.

In Amerika sind seit letztem Jahr erstmals zwei Medikament zugelassen, welche die Asthma-Reaktionskette unterbrechen: Beide Medikamente haben zum Ziel, eine Ausschüttung der Leukotriene zu verhindern oder ihre Wirkung auszuschalten. In den Laboratorien von Abbot/Chicago ist das Medikament Zileuton entstanden, das die Leukotriene gar nicht erst entstehen läßt:. Es blockiert ein Enzym, das für die Synthese von Leukotrienen benötigt wird, die 5-Lipoxygenase. Das von Zeneca Pharmaceuticals auf den Markt gebrachte Zafirleukast blockiert die Lipid-Rezeptoren der glatten (Lungen)-Muskulatur, so daß die Leukotriene nicht "andocken" und somit ihre Wirkung entfalten können. Zwei weitere Rezeptor-Blocker (von Merck bzw. SmithKline Beechham) warten auf ihre Zulassung. Aus bisher noch unbekannten Gründen wirken die neuen Medikamente jedoch nur bei ca. 50 % aller Patienten. Die restlichen 50 % hoffen auf zukünftige Alternativen.

Eine weitere Strategie greift an den T-Lymphozyten an. Es ist bereits bekannt, daß eine spezielle Untereinheit der T-Lymphozyten, die TH2-Zellen, die Hauptschuld daran trägt, daß im Körper harmlose Allergene mit unangemessener Härte bekämpft werden. Die Überaktivität der TH2-Zellen bei Asthmatikern scheint mögliche Therapieansätze zu liefern: Im Tierversuch an Mäusen konnten Wissenschaftler bereits erfolgreich genau das Gen ausschalten, das für die Bildung von Il-5 verantwortlich ist. Außerdem gelang die Entwicklung von spezifischen Antikörpern, die das Andocken von Il-5 an Eosinophile unterbinden. Die Pharma-Konzerne Schering-Plough und SmithKline arbeiten gerade an einer Umsetzung der im Tierversuch ermittelten Ergebnisse und kreieren "menschliche" Il-5- Antikörper. Erste Erfolge vermelden die Forscher bei Tests an Affen, Therapie-Studien an Menschen stehen unmittelbar bevor. Desweiteren entwickeln die Wissenschaftler von Schering eine inaktivierte Form von Il-5, das nicht mehr in der Lage sein soll, an die Eosinophilen zu binden. Ein anderer, ebenfalls erfolgversprechender Therapieansatz macht sich das Wechselspiel zwischen TH1- und TH2-Zellen zu nutze: Signale, ausgelöst von TH1-Zellen, unterdrücken die Aktivität von TH2-Zellen - und umgekehrt. Das harmlose Bakterium Mycobacterium induziert eine übermäßige Immunantwort bei TH1-Zellen: Diese schütten massiv Mediatoren wie Interleukin-12 oder g-Interferon aus, welche die Aktivität von TH2-Zellen hemmen. Folge: "Ausgeschaltete" TH2-Zellen können keine "Asthma-Reaktionskette" in Gang setzten, denn eine Ausschüttung von IgE findet nicht statt. Der kaskadenartige Entzündungsverlauf wird in seinen Ursprüngen unterdrückt - und läßt einen Asthmatiker wieder aufatmen. Doch bis zur Umsetzung in ein mögliches Medikament ist es noch weit.

Derzeit wird der Universität San Diego/USA an einer "Gen-Immunotherapie" gearbeitet: Hierbei werden die Proteinsequenzen von Desensibilatoren (z.B. Mycobacterium, Gräser, Pollen) als DNA codiert. Dieses informationsträchtige DNA-Stück wird dann in ein Plasmid (ringförmige DNA) eingebaut, das dann als Transporter fungiert und die neuen Informationen in die Körperzellen des Asthmatikers schleusen soll. Im Tierversuch wurden bereits erste Erfolge vermeldet: Von den Hautzellen der Mäuse akzeptiert, werden die Informationen des eingeschleusten Plasmids übersetzt - die Mäuse synthetisieren in Eigenproduktion gezielt Substanzen, die auf ihre Körper desensibilisierend wirken. Bei Mäusen, die mit dieser "Gen-Immunotherapie" behandelt wurden, sind die IgE- Gehalte im Blut deutlich geringer und sie entwickeln weniger Eosinophile als unbehandelte Artgenossen. Daß Asthmaforscher immer mehr zu Gen-Ingenieuren werden, zeigt ein weiteres Beispiel: Erst seit kurzem ist bekannt, welcher Teil des IgE-Moleküls an die Mastzellen bindet. Primäres Forschungsziel war daher, diese spezielle Bindungsregion zu maskieren. Mit Erfolg: Wissenschaftlern gelang es mit Hilfe der Gentechnik, spezielle IgE-Antikörper zu entwickeln, die genau an diese IgE-Bindungsstelle andocken und somit verhindern, daß die IgE Mastzellen belagern und so eine massive Mediatorausschüttung mit den atemnehmenden Folgen ausgelöst wird. Affen, die allergisch gegen Gräserpollen sind, entwickeln bei Verabreichung dieser speziellen IgE-Antikörper keine allergischen Symptome, wie z.B. typische Hautausschläge. Ermutigt durch diese Ergebnisse wurden bereits 40 Asthma-Patienten mit IgE-Antikörpern behandelt. Auch hier kann ein Erfolg vermeldet werden: Sobald die Patienten mit Allergenen in Kontakt kamen, entwickelten die Asthmatiker nur sehr milde Immunreaktionen - und keinerlei Nebenwirkungen. Zur Zeit wird in einer groß angelegten Studie mit 400 Asthma-Patienten diese IgE-Antikörper-Therapie getestet. Ergebnisse sind Ende diesen Jahres zu erwart

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