Arzneimittel und Therapie

Neuer Malaria-Schnelltest: Möglichkeiten und Grenzen

In den letzten Wochen wurde in der Öffentlichkeit ein neuer immunchromatographischer Malaria-Schnelltest aus Australien vorgestellt.

Es handelt sich um einen unabhängig von einem Labor einfach durchzuführenden immundiagnostischen Test, mit dem ein im Blut zirkulierendes Plasmodium-falciparum-Antigen (Pf HRP-2) qualitativ in Vollblut bestimmt wird. Bezogen auf die Ergebnisse der mikroskopischen Malaria-Diagnose im ≥dicken Tropfen" konnte für den Schnelltest in Feldstudien bei Malaria tropica eine ausreichend hohe Sensitivität und Spezifität nachgewiesen werden. So ist ein positiver Testbefund praktisch ein Beweis für das Vorliegen einer Malaria tropica. Entscheidend für die Diagnose bleibt aber der Nachweis der Malariaparasiten im Blutausstrich. Eine mikroskopische Blutuntersuchung zusätzlich zum Test ist auch insoweit immer angezeigt, als mit dem Test nur Pl. falciparum erfaßt wird, nicht aber die anderen Malariaerreger, die in den Infektionsgebieten in sehr unterschiedlichen Anteilen koexistieren, teilweise überwiegen (z.B. in Vietnam) oder nahezu ausschließlich vorkommen (wie in Zentral- oder Südamerika). Abhängig von der Region kann demzufolge die Aussagekraft eines negativen Befundes recht unterschiedlich sein. Der Test ergänzt die diagnostischen Möglichkeiten. Vorteilhaft ist, daß z.B. bei nach Auslandsaufenthalten häufiger zu beobachtendem Fieber relativ rasch ein differentialdiagnostischer Fortschritt erreicht werden kann, indem zunächst die schwerste und wichtigste Form der Malaria – die Malaria tropica – wahrscheinlich gemacht oder ausgeschlossen wird. Zu betonen ist aber, daß – zumindest unter den Bedingungen in Deutschland – die Diagnose oder der Ausschluß einer der drei Formen der Malaria Sache eines Arztes mit spezieller fachlicher Erfahrung ist und daß dazu die Auswertung eines mikroskopischen Präparates (≥dicker Tropfen") gehört.

Haltbarkeit: ein Jahr

Ein technisch begründeter Nachteil des Schnelltests ist, daß die Haltbarkeit der verwendeten Testkarten sowie die Reagenz derzeit vom Hersteller mit einem Jahr nach Produktion angegeben wird, sich aber diese Haltbarkeitsdaten jeweils auf Lagerungsbedingungen bei 2 bis 8°C beziehen. Bei längerer Lagerung bei Raumtemperatur oder bei tropischen Temperaturen kann sich die Haltbarkeit u.U. verkürzen. Eine bei einwandfreier Funktion der Testkarte bzw. des Reagenz sichtbare Kontrollinie verhindert jedoch die Fehlinterpretation von Ergebnissen einer unvollständigen Reaktion. Mit dem neu verfügbaren Schnelltest müssen noch praktische Erfahrungen gesammelt werden, um seinen Wert in der Palette der diagnostischen Möglichkeiten endgültig beurteilen zu können. Nach bisherigem Erkenntnisstand kann der Test verwendet werden: Š durch den Arzt in der Praxis bei Verdacht auf Malaria tropica zur raschen Orientierung, Š ggf. auch durch einen vorher durch einen Arzt gut aufgeklärten Reisenden in Malariagebiete als Entscheidungshilfe in der Frage des Einsatzes einer mitgeführten Standby-Notfallmedikation gegen eine Pl.-falciparum-Infektion. Hier gibt bei einer entsprechenden Symptomatik allerdings nur der positive Ausfall des Testes Sicherheit, daß die Chemotherapie notwendig ist; bei negativem Ausfall bleibt die Möglichkeit einer anderen Form der Malaria, die ggf. auf Verdacht hin behandelt werden muß. Auch in diesen Fällen sollte sobald wie möglich ein Arzt erreicht werden.

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