Arzneimittel und Therapie

Neues Therapieprinzip: M.U.S.E.

Die Abkürzung M.U.S.E. steht für Medicated Urethral System for Erection, ein transurethrales Wirkstoff-Applikationssystem. Mit dem System M.U.S.E. kann transurethral ein Alprostadil-Pellet in die Harnröhre eingeführt werden, das eine Erektion auslösen kann.

Das neue System ist in Deutschland noch nicht im Handel, wird aber bereits in den USA hergestellt und vertrieben. Dort wurde es Ende 1996 zugelassen, für Deutschland ist die Markteinführung für Anfang 1998 geplant. Bis dahin kann es auf Verschreibung eines Arztes aus den USA bezogen werden. Europäischer Lizenznehmer ist die Firma Astra GmbH, Wedel.

Im Gegensatz zu anderen Methoden zur Behandlung der erektilen Dysfunktion wird bei M.U.S.E. der Wirkstoff nicht injiziert, sondern transurethral appliziert, was natürlich angenehmer ist. Allerdings müssen auch hier wichtige Sicherheitshinweise beachtet werden: Die Erstapplikation und die Einstellung auf die richtige Dosis sollten auf jeden Fall unter Anleitung eines Urologen in der Praxis erfolgen. Der Wirkstoff ist das Prostaglandin Alprostadil, das mit dem System in Form eines Mini-Suppositoriums aus Macrogol 1450 (Durchmesser 1,4 mm, Länge 3 bzw. 6 mm.) in die Harnröhre appliziert wird. In den USA werden Dosen von 125, 250, 500 und 1000 mg angeboten. Das Suppositorium wird unmittelbar nach dem Wasserlassen appliziert, damit sich der Wirkstoff durch den in der Harnröhre zurückbleibenden Urin besser verteilen kann. Eine Erektion tritt meistens nach etwa 5 bis 10 Minuten ein und hält rund 30 bis 60 Minuten an. Innerhalb von 24 Stunden dürfen höchstens zwei Dosen appliziert werden.

Nebenwirkungen und Vorsichtsmaßnahmen

Hauptnebenwirkungen waren bei den durchgeführten klinischen Prüfungen schmerzhafte Mißempfindungen im Glied, die bei 36% aller Patienten beobachtet wurden, in der Harnröhre (13%) und in den Hoden (5%). Diese Mißempfindungen waren in aller Regel geringfügig. Infolge der vermehrten Durchblutung kann sich das Glied röten. In den klinischen Prüfungen kam es bei etwa 3% der Patienten zu einem symptomatischen Blutdruckabfall, bei 4% zu Schwindel und in 0,4% der Fälle zu Synkopen. Bei den Probeapplikationen sollten die Patienten daher auf Symptome eines Blutdruckabfalls hin überwacht werden. Der Applikator muß vorsichtig und langsam eingeführt werden, um eine Verletzung der Urethra auszuschließen. Bei unsachgemäßer Applikation kann es zu Abschürfungen der Harnröhrenschleimhaut kommen, die zu einem geringfügigen Blutaustritt an der äußeren Harnröhrenöffnung führen können (5% der Patienten). Im Rahmen klinischer Prüfungen kam es in weniger als 0,1 der Fälle zu einem Priapismus (sechs Stunden oder länger anhaltende Dauererektion des Penis, die auch durch Geschlechtsverkehr oder Masturbation nicht kupiert werden kann) und in 0,3% zu einer pathologisch verlängerten Erektionsdauer von vier bis sechs Stunden. Diese Gefahr besteht besonders bei zu hohen Dosen. Da eine Dauererektion des Penis zu einem dauerhaften Erektionsverlust führen kann, sollten betroffene Patienten sofort einen Arzt aufsuchen. Alprostadil scheint die Überlebensfähigkeit von Spermien nicht zu beeinträchtigen.

Gegenanzeigen

M.U.S.E. darf nicht angewendet werden bei Š bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Alprostadil, Š anatomisch bedingten Penisanomalien (Harnröhrenstriktur, schwerer Hypospadie, Peniskrümmung), Balanitis sowie bei akuter und chronischer Harnröhrenentzündung, Š Sichelzellanämie bzw. -anlage, Thrombozythämie, Polyzythämie, Plasmozytom, verstärkter Neigung zu einer Venenthrombose bzw. bei Hyperviskositätssyndrom, da bei diesen Patienten ein erhöhtes Risiko für Priapismus besteht. Von einer Anwendung wird abgeraten bei Š Männern, die sich aus medizinischen Gründen nicht sexuell betätigen sollten, Š einem angestrebten Geschlechtsverkehr mit einer schwangeren Frau, sofern das Paar keinen Kondomschutz benutzt. Zwar enthält die menschliche Samenflüssigkeit bereits PGE1, doch werden diese Mengen durch die Anwendung von M.U.S.E. etwas erhöht. Zu Auswirkungen der auf die Frau übergehenden Mengen in der Frühschwangerschaft liegen keine Erfahrungen vor. Im Tierversuch wirken bereits Mengen von 500 mg/kg KG embryotoxisch (verringertes Gewicht der Feten).

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