Arzneimittel und Therapie

FSME: Risikogebiete in Europa

Das Risiko, in verschiedenen europäischen Ländern eine FSME zu erwerben, läßt sich aufgrund der Datenlage leider nicht immer differenziert genug beschreiben. Einer Anregung des Zentrums für Reisemedizin folgend, stellte das Robert Koch-Institut vorhandene Informationen zusammen, um auf dieser Grundlage die Beratung Reisender nach Möglichkeit zu präzisieren.

Eine Indikation zur FSME-Schutzimpfung könnte sich aus einem geplanten naturnahen Aufenthalt in einem der nachfolgend aufgeführten Gebiete mit erhöhter Infektionsgefahr (sog. Risikogebiete) ergeben. Als Risikogebiete gelten aktive Naturherde (FSME-Endemiegebiete), in denen in einigen aufeinanderfolgenden Jahren jeweils mehrere FSME-Erkrankungen erworben wurden. Eine Infektionsgefahr besteht dort vor allem von April bis Oktober.

Š Albanien: landesweit Š Bulgarien: genaue Daten fehlen Š Deutschland: Bayern: südlicher Bayerischer Wald, Niederbayern entlang der Donau ab Regensburg (besonders Region Passau) sowie entlang der Flüsse Paar, Isar (ab Landshut), Rott, Inn, Vilz und Altmühl; Baden-Württemberg: gesamter Schwarzwald (Gebiet zwischen Pforzheim, Offenburg, Freiburg, Villingen, Tübingen, Sindelfingen); Gebiete entlang der Flüsse Ems, Nagold und Neckar sowie entlang des Oberrheins oberhalb Kehls bis zum westlichen Bodensee (Konstanz, Singen, Stockach). Einzelne kleinere Naturherde existieren ferner in Nordbayern, Rheinland-Pfalz, Hessen (Odenwald), im Saargebiet, in den neuen Bundesländern (Brandenburg, Sachsen, Thüringen); dort sind vereinzelt FSME-Erkrankungen möglich, ohne daß eine allgemeine Impfempfehlung begründet wäre; bei besonderer Exposition (z.B. Forstarbeiter) kann eine Impfung auch in diesen Naturherden sinnvoll sein (Einzelheiten sind bei den zuständigen Landesbehörden zu erfragen). Š Estland: landesweit, insbesondere nördliche Gebiete (u.a. Region Tallinn) sowie Osten (Region Tartu/Polvč); gegenwärtig hohes Risiko Š Finnland: im Südwesten um Turku und auf den vorgelagerten Inseln sowie den Āland-Inseln; Risiko recht gering Š Frankreich: nur Elsaß (Rheinebene, Grenzgebiet zu Baden) Š Griechenland: nur ein kleiner Naturherd im Norden bei Thessaloniki; Risiko sehr gering Š GUS-Staaten (außer Rußland): Endemiegebiete in Weißrußland, Moldawien und in der Ukraine; Risiko schwer einzuschätzen; aus den übrigen Staaten liegen keine Daten vor Š Italien: nur zwei kleine Naturherde im Norden in der Umgebung von Florenz und Trient (geringe Aktivität, wenige Erkrankungen); geringes Risiko Š Jugoslawien (ehemaliges): hauptsächlich im Norden zwischen Save und Drau zw. Donau, d.h. in den nördlichen Landesteilen von Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina sowie in Serbien westlich von Belgrad; Infektionsherde in anderen Landesteilen, auch an der Adria, möglich Š Lettland: landesweit (besonders Gegend um Riga); gegenwärtig höchstes Infektionsrisiko in Europa Š Litauen: landesweit, besonders in Zentrallitauen und im Norden; gegenwärtig hohes Risiko Š Norwegen: nur in den küstennahen Gebieten im Südwesten zwischen Ālesund und Stavanger; sehr geringes Risiko Š Polen: hauptsächlich im Nordosten (Bialystok, Olsztyn, Suwalki) sowie im Süden westlich von Krakau; Infektionen aber auch in anderen Landesteilen möglich Š Österreich: ganz besonders die Flußniederungen entlang der Donau, besonders in Niederösterreich sowie in Teilen von Kärnten, der Steiermark und des Burgenlandes hohes Infektionsrisiko; kleinere Infektionsherde auch in anderen Bundesländern unterhalb 1000 m Š Rumänien: genauere Daten liegen nicht vor Š Rußland: landesweit; genauere Angaben zur Verbreitung fehlen; besonders betroffen ist der eurasische Waldgürtel von Kaliningrad (Königsberg) im Westen bis einschließlich Sibiriens; viele Tausend Erkrankungen jährlich belegen ein relativ hohes Risiko; Bemerkung: Neben der mitteleuropäischen FSME (Überträger Ixodes ricinus, gemeiner Holzbock) kommt vor allem in den östlichen Landesteilen eine Variante, die Russische Frühsommer-Meningoenzephalitis (Überträger Ixodes persulcatus, Taigazecke) vor; eine Impfung schützt gegen beide Subtypen. Š Schweden: Gebiete um die Mälaren (westlich von Stockholm) sowie an der Südostküste und auf den vorgelagerten Inseln in der Ostsee (Gotland, Öland); geringes Risiko Š Schweiz: vorwiegend im Norden (Kantone Bern, Zürich, Schaffhausen), herdförmig in Niederungen unterhalb 1000 m, besonders am Bodensee und im Rheintal Š Slowakei: landesweit unterhalb 600 m, hauptsächlich im Südwesten nördlich der Donau, besonders die Gegend um Bratislava Š Tschechien: hauptsächlich die Flußniederungen in der weiteren Umgebung von Prag Š Ungarn: im Norden (Grenzgebiet zur Slowakei) sowie um den Balaton und in den übrigen Landesteilen westlich der Donau

In Albanien, Lettland, Litauen, Polen und der Slowakei wurde auch eine alimentäre Übertragung durch Schafs- und Ziegenmilch beobachtet. In Großbritannien, auf der Iberischen Halbinsel und in den Beneluxländern kommt die FSME nicht endemisch vor.

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.