Arzneimittel und Therapie

Migräne: Theorien zur Entstehung

Unter Migräne versteht man einen pochenden, meist einseitigen, schweren Kopfschmerz, der attackenweise auftritt und von Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet wird. Untersuchungen zufolge ist die Migräne genetisch determiniert. Die genauen Vorgänge, die zu einem Migräneanfall führen, sind noch unklar. Dennoch fehlt es nicht an Theorien, die die Entstehung der Migräne zu erklären versuchen.

1. Die vaskuläre Theorie Sie besagt, daß Blutverteilungsstörungen im Gehirn die Ursache der Migräne sind. Diese resultieren aus der Konstriktion und nachfolgender Dilatation einzelner Gehirngefäße. Danach lösen die Konstriktionen großer zerebraler Arterien die Aurasymptome aus, die pochenden Kopfschmerzen hingegen sollen aus der kompensatorischen Erweiterung der Schläfenarterien herrühren. Da sich mit der vaskulären Theorie nicht erklären läßt, warum die meisten Migräneanfälle ohne vorhergehende Aura ablaufen oder weshalb man bei anderen Patienten wiederum Aurasymptome und zugleich Kopfschmerzen beobachtet, wird die vaskuläre Theorie von vielen Wissenschaftlern in Frage gestellt.

2. Die neurogene Entzündungstheorie Die Migräneanfälle entstehen dadurch, daß während einer vermuteten Mikroverletzung im Gehirn verstärkt Neuropeptide ausgeschüttet werden, wie zum Beispiel die Substanz P, das Neurokinin A oder das "calcitonin gene-related peptide" (CGRP). Diese Neuropeptide reizen im Gehirn einerseits schmerzempfindliche freie C-Faserendigungen. Andererseits setzen sie verstärkt Neurotransmitter frei und lösen damit eine Kettenreaktion aus, die zu einer neurogenen Entzündung führt.

3. Die Theorie der "Cortical Spreading Depression" (CSD) Mit ihr möchte man vor allem die Aurasymptome erklären. Es handelt sich bei der CSD um ein elektrisches Phänomen, das man aber bisher nur im Tierversuch nachweisen konnte. Schädliche Reize wie eine Verletzung der Großhirnrinde bewirken, daß sich eine neuronale Depolarisationswelle langsam ausbreitet, der eine Phase verminderter elektrischer Aktivität folgt. Die langsam wandernden Aurasymptome, so die Verfechter der CSD-Theorie, korrelieren exakt mit der Bewegung einer Depolarisationswelle.

4. Serotonerge Veränderungen Das Serotonin ist ein Neurotransmitter. Schwankungen im Serotoninstoffwechsel sollen die Migräne auslösen. So ändert sich zum Beispiel der Plasma-Serotoninspiegel während der verschiedenen Stadien einer Migräneattacke. Gestützt wird die Serotonin-Theorie durch Untersuchungen mit Arzneien wie etwa dem Reserpin oder dem Fenfluramin, die migräneartige Anfälle auslösen. Vieles spricht nämlich dafür, daß ein veränderter Serotoninstoffwechsel die Ursache dieser Anfälle ist. Beide Substanzen sind nämlich in der Lage, Serotonin aus den Gewebespeichern des Körpers freizusetzen und damit die Serotoninkonzentration deutlich zu erhöhen.

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