Pantazis fordert „gleichlange Spieße“ für Apotheken und Versender
Auch das Thema Digitalisierung in der Arzneimittelversorgung stand auf der Tagesordnung beim Kongress des Bundesverbandes Managed Care (BMC) in Berlin. In einer Expertendiskussion zum Thema diskutierten am Mittwoch der Gesundheitsökonom Simon Reif, der Director Communications and Public Affairs bei DocMorris, Reiner Kern, und der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, Christos Pantazis.
Der ehemalige Abda-Pressesprecher Kern sieht als Repräsentant des Versenders DocMorris einen Widerspruch in den aktuellen Plänen zur Apothekenreform. Die Vorhaben zur Stärkung der Versorgung in der Apotheke vor Ort liege gegenüber den Plänen zum Primärversorgungssystem quer – hierbei sollen schließlich die Hausärzte als primäre Anlaufstelle der Gesundheitsversorgung und Patientensteuerung fungieren. Kern sieht hier Bedarf für Nachbesserungen. Apotheken, Physiotherapeuten und andere Akteure im Gesundheitswesen sollten aus seiner Sicht stärker im System der Primärversorgung mitgedacht werden.
Erhöhung des Fixums mit allen Mitteln durchsetzen
Der SPD-Gesundheitsexperte Pantazis betonte in der Diskussion die besondere Bedeutung der Apotheken vor Ort – insbesondere mit Blick auf deren Leistungen während der Corona-Pandemie und die angestrebte Verbesserung der Gesundheitsprävention. Aus seiner Sicht ist die im Koalitionsvertrag der Bundesregierung festgeschriebene Anhebung des Fixums auf 9,50 dringend notwendig. Dass diese im aktuellen Kabinettsentwurf gestrichen wurde, ist für ihn nicht hinnehmbar. Er versprach, sich mit allen zur Verfügung stehenden parlamentarischen Mitteln für die Erhöhung des Fixums einzusetzen.
Kritik an „konservativen“ Reformplänen
Der Gesundheitsökonom Simon Reif vermisst in den aktuellen Plänen zu Apothekenreform eine klare Zielbeschreibung. Es sei nicht klar, was damit genau im Rahmen der Gesundheitsversorgung erreicht werden soll. Die bloße Forderung, Apotheken zu stärken, laufe ins Leere. Das sieht auch DocMorris-Sprecher Kern ähnlich. Die aktuellen Reformpläne zielten auf eine bloße Bestandswahrung ab. Offensichtlich sterben viele Apotheken, gestand Kern zu, „aber die Versorgung wird nicht schlechter“.
Gesundheitspolitiker Pantazis knüpfte hier an. Mit Blick auf den Arzneimittelversand und die Telepharmazie sei ihm der aktuelle Gesetzesentwurf zu „konservativ“. Er wünsche sich klare Regeln, die für „gleichlange Spieße“ zwischen Arzneimittelversendern und stationären Apotheken sorgen. Pantazis erinnerte in diesem Zusammenhang auch daran, dass sich seine Fraktion aktuell im Rahmen der Reform des Medizinal-Cannabisgesetzes für einen Erhalt von Versand und telemedizinscher Verschreibung einsetze. Nur so ließe sich die Versorgung in ländlichen Regionen gewährleisten.
Allerdings müsse auch über eine angemessene Vergütung für die Beratungsleistungen in Vor-Ort-Apotheken diskutiert werden, betonte Pantazis.