Pharma-Deals: Welche Arzneimittel sind von US-Preissenkungen betroffen?
Amgen, Bristol Myers Squibb, Boehringer Ingelheim, Genentech, Gilead Sciences, GSK, Merck, Novartis und Sanofi schlossen im Weißen Haus am vergangenen Freitag Vereinbarungen mir Trumps Regierung zur Abgabe von Rx-Arzneimitteln. Pfizer, AstraZeneca, Eli Lilly, Novo Nordisk und die Merck-Tochter EMD Serono hatten bereits zuvor Übereinkünfte zur Preissenkung bestimmter Rx-Arzneimittel getroffen.
Als Gegenleistung für niedrigere Preise und Investitionen in die USA erhalten die Pharmafirmen eine Befreiung von Zöllen auf Pharmaprodukte in den USA für drei Jahre.
Welche Rx-Arzneimittel werden in den USA günstiger?
- Amgen: Repatha (Evolocumab) von 573 auf 239 US-Dollar (Hypercholesterinämie)
- Bristol Myers Squibb: Reyataz (Atazanavir) von 1.449 auf 217 US-Dollar (HIV)
- Boehringer Ingelheim: Jentadeuto (Linagliptin/Metformin) von 525 auf 55 US-Dollar (Typ-2-Diabetes)
- Genentech: Xofluza (Baloxavir) von 168 auf 50 US-Dollar (Influenza)
- Gilead Sciences: Epclusa (Sofosbuvir/Velpatasvir) von 24.920 auf 2.425 US-Dollar (Hepatitis-C)
- GSK: Advair Diskus 500/50 (Fluticason/Salmeterol) von 265 auf 89 US-Dollar (Asthma)
- Merck: Januvia (Sitagliptin) von 330 auf 100 US-Dollar (Diabetes)
- Novartis: Mayzent (Siponimod) von 9.987 auf 1.137 US-Dollar (Multiple Sklerose)
- Sanofi: Plavix (Clopidogrel)von 756 auf 16 US-Dollar (Gerinnungshemmer)
- EMD-Serono: Gonal-F (Follitropin alfa), Ovidrel (Choriogonadotropin alfa) und Cetrotide (Cetrorelix) 84 Prozent unter Listenpreis (In-vitro-Fertilisation)
- AstraZeneca: Bevespi Aerosphere; Breztri Aerosphere; Airsupra Rabatte von über 96 Prozent des Vertragspreises (COPD/Asthma)
- Pfizer: Eucrisa (Crisaborol) Rabatt von 80 Prozent (atopischer Dermatitis); Xeljanz (Tofacitinib) Rabatt von 40 Prozent (rheumatoide Arthritis, Psoriasis-Arthritis und Colitis ulcerosa); Zavzpret (Zavegepant) Rabatt von 50 Prozent (Migräne)
- Novo Nordisk: Wegovy (Semaglutid) von 1.350 auf 250 US-Dollar pro Monatsdosis (Adipositas)
- Eli Lilly: Zepbound (Tirzepatid) von 1.000 auf 346 US-Dollar pro Monatsdosis (Adipositas)
Quelle: US-Regierung: www.whitehouse.gov (22.12.2025)
Investitionen und pharmazeutische Notfallreserven
Die beteiligten Pharmahersteller verpflichten sich zudem, in naher Zukunft gemeinsam mindestens 150 Milliarden US-Dollar in die Produktion von Arzneimitteln in den USA zu investieren. Darüber hinaus spenden mehrere Unternehmen im Rahmen der Vereinbarungen Wirkstoffe für wichtige Produkte an die Strategic Active Pharmaceutical Ingredients Reserve (SAPIR), um die Abhängigkeit von anderen Ländern zu verringern und sicherzustellen, dass die Vereinigten Staaten im Notfall über eine ausreichende Versorgung mit solchen Produkten verfügen. GSK werde 98,8 kg Salbutamol beisteuern. Bristol Myers Squibb verpflichtete sich, 6,5 Tonnen des Gerinnungshemmers Apixaban beizusteuern. Merck will sich mit 3,5 Tonnen des Antibiotikums Ertapenem beteiligen.
Arzneimittelpreise in Europa werden steigen
Künftig werde Novartis darauf abzielen, seine Arzneimittel in allen Hochlohnländern zu vergleichbaren Preisen einzuführen, basierend auf dem Wert, den sie für Patientinnen und Patienten, Gesundheitssysteme und die Gesellschaft lieferten, hieß es bei Novartis gegenüber der Deutschen Presse-Agentur auf die Frage nach möglichen Preiserhöhungen außerhalb der USA.
Um den Patientinnen und Patienten weiterhin innovative Arzneimittel bieten zu können, brauche es eine lokale Preis- und Entschädigungsumgebung, in welcher Innovation anerkannt und belohnt werden, sagte eine Roche-Sprecherin. Die europäischen Länder könnten durch höhere Ausgaben für innovative Arzneimittel die Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität des Kontinents für Investitionen steigern, wie auch eine „gerechtere globale Verteilung der Beiträge zu Forschung und Entwicklung für lebensrettende Therapien“ fördern.
Nach der beschlossenen Preissenkung in den USA, wäre es nun absehbar, dass die betroffenen Arzneimittelhersteller zukünftig die Preise für ihre Produkte in Europa erhöhen, sagte der Pharma-Experte des Schweizer Finanzunternehmens Vontobel, Stefan Schneider, im SRF.
Das bestätigte auch der Roche-Chef, Thomas Schinecker, im Schweizer Tages-Anzeiger: „Klar ist jedoch, dass die US-Regierung ähnlich argumentiert wie bei Verteidigungsausgaben, wo jedes Land einen gewissen Prozentsatz des Bruttoinlandprodukts (BIP) an den Nato-Ausgaben beisteuern soll. Alle Länder sollen gleichmäßiger dazu beitragen, den medizinischen Fortschritt und die Innovation von Medikamenten zu finanzieren.“
Die Europäer könnten nun also die Zeche für die von Trump ausgehandelten Preis-Deals zahlen.