Protest gegen Reformpläne: Verdunkelte Apotheken in Berlin

Die Abda hatte dazu aufgerufen, am heutigen Mittwoch die Lichter in der Offizin abzudunkeln, um auf das Apothekensterben und zukünftige Versorgungslücken hinzuweisen. Die Medios Apotheke in Berlin-Pankow beteiligt sich an dem Protest. Von 13 bis 14 Uhr wurden dort die Lichter in der Offizin ausgeschaltet. Wenige Straßen weiter präsentiert auch die Adler Apotheke die „Black-Out“-Banner der Abda-Kampagne in ihren Schaufenstern. Hier wird das Licht so lange wie möglich am Protesttag reduziert. Ganz ohne künstliches Licht sei die Arbeit in der Offizin jedoch hier möglich, erläutert das Team der Adler Apotheke.

Apothekenkunden zeigen Verständnis

Die Apotheke in der Gelanusstraße beteiligt sich ebenfalls an der Aktion. Hier wurden alle Lichter im Verkaufsraum ausgestellt. Apothekeninhaber Andreas Weiser muss eine verwunderte Kundin per Handzeichen hineinlotsen. Sie dachte, es sei geschlossen. Weiser nimmt sich die Zeit, um den Hintergrund der Verdunkelung, die Lage der Apotheken und die heute vom Kabinett verabschiedete Apothekenreform zu erläutern.

Die Kundin hat volles Verständnis. Aus dem Stegreif fallen ihr drei Apotheken im näheren Umfeld ein, die in den letzten Jahren schließen mussten. So darf es nicht weiter gehen, betont sie im Gespräch mit dem Apotheker. Bisher hätten sich die Kund*innen durchweg verständnisvoll gegenüber der Aktion gezeigt, sagt Weiser.

Der Apotheker beteiligt sich nicht nur aus voller Überzeugung an der Aktion, er hatte sich auch bereit erklärt, die Werbematerialien der Kampagne „Versorgungsblackout“ im Berliner Bezirk Pankow zu verteilen. Nach seiner Einschätzung haben etwa ein Viertel der Apotheken in diesem Bereich an der Aktion teilgenommen.

Kritik: Zu spät und zu schwach

Doch nicht alle Apotheker sind von der Aktion der Abda überzeugt. Der Inhaber den Eulen Apotheke, Bernd Stange, hält das gesetzte Zeichen des Protests für zu schwach, um politisch und gesellschaftlich aufzurütteln. Außerdem hätte man mit dem Protestieren auch schon am 1. Advent starten können, findet der Apotheker. Deshalb will er auch nicht mitmachen.

Das sieht auch der Inhaber einer anderen Berliner Apotheke so. Man hätte schon einige Monate Zeit gehabt und trete doch erst am Tag des Kabinettsbeschlusses in Erscheinung. Er möchte nicht namentlich genannt werden, findet die Protestaktion aber „völlig deplatziert“ und hält sie für ein viel zu schwaches Signal.

Bilder zur bundesweiten Protestaktion haben wir hier für Sie zusammengestellt.