Finale Halbjahreszahlen

Shop Apotheke schreibt in erster Jahreshälfte 2022 tiefrote Zahlen

München - 03.08.2022, 15:15 Uhr

Trotz viel beschworenen Wachstumskurses: Shop Apotheke steckt weiterhin tief in den roten Zahlen. (x / Foto: Shop Apotheke)

Trotz viel beschworenen Wachstumskurses: Shop Apotheke steckt weiterhin tief in den roten Zahlen. (x / Foto: Shop Apotheke)


Der niederländische Arzneimittelversender Shop Apotheke Europe hat das erste Halbjahr 2022 in einem anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfeld mit einem hohen Verlust abgeschlossen. Nach vorliegenden endgültigen Geschäftszahlen betrug das Nettoergebnis -47,8 Millionen Euro, fast dreimal so viel wie in der Vorjahresperiode. Angesichts einer Steigerung bei Umsatz und Kundenzahlen sieht sich das Unternehmen dennoch auf einem Wachstumskurs.

„Die erste Jahreshälfte war zweifelsohne geprägt durch ein angespanntes makroökonomisches Umfeld und weltweite Lieferkettenengpässe.“ Mit diesen Worten fasst der Vorstandsvorsitzende (CEO) des niederländischen Versandhändlers Shop Apotheke Europe, Stefan Feltens, den Charakter der ersten sechs Monate 2022 zusammen. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den finalen Geschäftszahlen des Unternehmens wider, die Shop Apotheke nun vorgelegt hat, nachdem das Unternehmen Anfang Juli bereits vorläufige Zahlen kommuniziert hatte. 

Der Blick auf das Ergebnis fällt dabei ernüchternd aus: Das Betriebsergebnis (Ebit) vor Zinsen und Steuern lag demnach bei -41 Millionen Euro, was einer Vervierfachung gegenüber der Vorjahreszeit (-10 Millionen Euro) entspricht. Das Nettoergebnis, also nach Zinsen und Steuern, fällt mit -47,8 Millionen ebenfalls stark negativ aus. Im ersten Halbjahr 2021 hatte das Minus noch -17 Millionen Euro betragen. Der operative Cashflow, der die Stärke der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit widerspiegelt, fiel mit 14,7 Millionen Euro zwar positiv aus, lag aber ebenfalls deutlich unter dem Vorjahreswert von 25,1 Millionen Euro.

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Belastend wirkten sich in den ersten sechs Monaten unter anderem deutlich gestiegene Vertriebsaufwendungen aus. Diese legten von 113 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2021 auf nunmehr 151 Millionen Euro zu. Nach Angaben des Unternehmens beruht diese Entwicklung vorwiegend auf erhöhten Marketingaufwendungen sowie teilweise auf dem Rückgang der durchschnittlichen Warenkorbgröße.

Shop Apotheke sieht sich auf Wachstumskurs

Ungeachtet dessen stellt sich Shop Apotheke Europe in seiner Kommunikation als ein wachsendes Unternehmen dar. So legte der Umsatz im ersten Halbjahr wie Anfang Juli berichtet um 10,8 auf 592 Millionen Euro und im zweiten Quartal 2022 um 14,7 Prozent zu. Zudem habe das Unternehmen im ersten Halbjahr 0,8 Millionen aktive Kunden hinzugewonnen und zähle damit mittlerweile knapp neun Millionen wiederkehrende Käufer. Finanzchef Jasper Eenhorst spricht in dem Zusammenhang von einem „erneut überdurchschnittlichen Wachstum“ und Marktanteilsgewinnen.

Auf der Grundlage der im ersten Halbjahr 2022 erzielten Geschäftsentwicklung bestätigt das Management die Erwartungen für das Gesamtjahr, sowohl für den Umsatz als auch für das Ergebnis. Demnach soll der Umsatz bei den Non-Rx-Produkten um 15 bis 25 Prozent gegenüber 2021 zulegen, die bereinigte Ebitda-Marge sieht das Management unverändert bei  -1,5 Prozent bis +1,5 Prozent.

Hoffnungsträger E-Rezept

CEO Feltens weist darauf hin, dass das Unternehmen dank des „bewährten Geschäftsmodells“ sowie seiner „stabilen Finanzierungsstruktur“ in der Lage sei, „dem gegenwärtigen makroökonomischen Druck gut Stand zu halten“. Er zeigt sich zudem erneut zuversichtlich, dass Shop Apotheke von der bevorstehenden Einführung des elektronischen Rezepts in Deutschland profitieren werde. Mittlerweile ist die entscheidende Hürde von 30.000 erfolgreich eingelösten E-Rezepten überschritten. Der offizielle Start des elektronischen Rezepts in den ersten beiden Regionen Deutschlands soll am 1. September stattfinden.

Das neue Distributionszentrum in Mailand hat laut Unternehmensangaben mittlerweile seinen Betrieb aufgenommen. Seit dem 1. August würden alle Bestellungen in Italien von dort verschickt.

Die Shop-Apotheke-Aktie reagierte in einer ersten Reaktion auf die endgültigen Halbjahreszahlen mit Abschlägen von rund 3 Prozent.


Thorsten Schüller, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

Sinkflug

von Roland Mückschel am 04.08.2022 um 8:53 Uhr

Ich wäre jetzt gerne schadenfroh.
Wenn es allerdings schon die hochsubventionierten , politisch gepushten, kapitalstarken , steuerlich verschonten Auslandsversender schwer haben dann muss generell im System was nicht stimmen.
Schon vor fast 30 Jahren quasselte mir ein IT ler das Hirn leer von wegen Doc Morris und die Verzichtbarkeit der Apotheken.
Also zumindest ich habe diese apothekenlose Zeit überlebt.

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