COVID-19 und Auffrischimpfungen

Antikörpertiter – was sagen sie aus?

Stuttgart - 26.10.2021, 07:00 Uhr

Gibt es einen messbaren Wert für einen sicheren Impfschutz? (Foto: Sendra / AdobeStock)

Gibt es einen messbaren Wert für einen sicheren Impfschutz? (Foto: Sendra / AdobeStock)


Vor allem hinsichtlich einer möglicherweise notwendigen dritten Impfung gegen COVID-19 fragen sich derzeit viele, ob sie ausreichend gegen SARS-CoV-2 geschützt sind – und ob eine Antikörperbestimmung nicht sinnvoll wäre? Aber auch hinsichtlich weiterer Forschung wären Parameter hilfreich, die früh einen Hinweis über die Wirksamkeit neuer Vakzine geben könnten. Doch: Gibt es überhaupt einen messbaren Wert für einen sicheren Impfschutz?

Einige kennen es von der Impfung gegen Hepatitis B: Bei all denjenigen, die sich als Risikogruppe einer Grundimmunisierung unterzogen hatten, wurde vier bis acht Wochen später die Konzentration der Anti-HBs-Immunglobuline bestimmt. Bei einem Wert ≥ 100 IE/l wurde davon ausgegangen, dass ein ausreichender Immunschutz besteht. Wird die Impfung gegen Hepatitis B allerdings als Standardimpfung im Kindesalter durchgeführt, ist keine Bestimmung des Antikörpertiters vorgesehen. Bei der Hepatitis-B-Impfung wird von der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) also ein klarer Grenzwert von 100 IE/l für einen Immunschutz definiert. Interessanterweise legen die US-amerikanischen „Centers for Disease Control and Prevention“ (CDC) diesen Grenzwert bei 10 IE/l fest. Auch wenn es Diskrepanzen zwischen RKI und CDC hinsichtlich der absoluten Zahl gibt, existiert doch zumindest ein Orientierungswert für einen schützenden Antikörpertiter.

Bei einer Impfung gegen COVID-19 ist mittlerweile bekannt, dass der Antikörpertiter bei Geimpften und Genesenen über die Zeit fällt; unbekannt ist jedoch, ob dabei nach wie vor ein ausreichender Immunschutz besteht. Vor kurzem wurden Studienergebnisse publiziert, die versuchen, hier etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Prof. Dr. Robert Fürst (Institut für Pharmazeutische Biologie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main) und Dr. Ilse Zündorf (akademische Oberrätin am Institut für Pharmazeutische Biologie) erläutern diese in der aktuellen DAZ 42/2021.

Dabei wird deutlich: Es ist kompliziert. Auch für Autoren einer Studie mit Vaxzevria® selbst war kein eindeutiger Grenzwert definierbar, der für einen sicheren Immunschutz gültig ist. Und: In einer ähnlich konzipierten Studie mit Spikevax® (COVID-19-Vakzine Moderna) wurden zudem etwas niedrigere Werte für Antikörpertiter ermittelt, letztendlich lagen sie aber doch in einer ähnlichen Größenordnung wie für Vaxzevria®. Damit stünden immerhin Werte zur Verfügung, anhand derer die Wirksamkeit neuer Impfstoff-Kandidaten abgeschätzt werden kann, bevor eine Phase-III-Studie initiiert wird, schreiben Fürst und Zündorf. Doch die erläuterten Studien haben deutliche Limitationen, es sind also dringend weitere Daten nötig. Aktuell gilt deshalb:


Für alle Geimpften sind diese Werte keine wirkliche Hilfe, um sich absolut sicher fühlen zu können. Wir können aber immerhin ungefähr abschätzen, wie gut unser Immunschutz ist und uns dann entsprechend verhalten: Sich gegebenenfalls eine Auffrischungsimpfung verabreichen lassen oder FFP2-Masken in größeren Menschenansammlungen tragen.“

Prof. Dr. Robert Fürst (Institut für Pharmazeutische Biologie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main) und Dr. Ilse Zündorf (akademische Oberrätin am Institut für Pharmazeutische Biologie), DAZ 42/2021


Wer sich für die einzelnen Werte und Zahlen interessiert und mehr Details zu den Studien erfahren möchte, kann als Abonnent:in in der DAZ 42/2021 weiterlesen

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Deutsche Apotheker Zeitung
redaktion@daz.online


Prof. Dr. Robert Fürst, Institut für Pharmazeutische Biologie der Uni Frankfurt, DAZ-Autor
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Dr. Ilse Zündorf, Institut für Pharmazeutische Biologie der Uni Frankfurt, DAZ-Autorin
redaktion@daz.online


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