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Migräne

(Foto: Andrii Zastrozhnov / stock.adobe.com)

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Therapie

Je nachdem, ob die Migräne mit oder ohne Aura auftritt, wie stark die eigentlichen Symptome sind und wie die Begleiterscheinungen auftreten wird versucht

  • die Übelkeit und das Erbrechen,
  • den Schmerz und die Entzündung sowie
  • die Gefäßstörungen

medikamentös zu beeinflussen.

Man unterscheidet dabei die Behandlung

  • der akuten Migräneattacke und
  • der Migräneprophylaxe.

NSAID und Co

Bei der akuten Migräneattacke gehört es zu einer der ersten Maßnahmen, eine Reizabschirmung einzuleiten. Man sollte sich deshalb nach Möglichkeit immer in ein ruhiges und abgedunkeltes Zimmer zurückziehen. Da die zu häufige Einnahme von Schmerz- und Migränemitteln dazu führen können, dass die Attackenfrequenz der Migräne zunimmt, die Migräneattacken länger andauern, eine stärkere Intensität aufweisen und weniger gut auf Medikamente ansprechen, sollte der Einsatz dieser Arzneimittel gründlich abgewogen werden.

Bei leichten bis mittelschweren und kurzdauernden Migräneattacken bestehen in der Auswahl der Arzneimittel neben rezeptpflichtigen Varianten auch sehr viele Möglichkeiten von OTC-Arzneimitteln, die nach einem Beratungsgespräch an den Patienten abgegeben werden können.

Gut peroral wirksam sind, je als Einzeldosis: Acetylsalicylsäure/ASS (1000 mg), Ibuprofen (200 bis 600 mg), Metamizol (1000 mg), Diclofenac (50 bis 100 mg), Naproxen (500 bis 1000 mg) oder die Kombination von ASS (500 mg) mit Paracetamol (400 mg) und Coffein (100 mg).

Bei Kontraindikationen gegen nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAID) werden Paracetamol (1000 mg) oder Metamizol (1000 mg) eingesetzt.

Leitlinienempfehlung der Akutmedikation zur Behandlung von Migräneattacken

 

Therapie von Übelkeit/Erbrechen (verschreibungspflichtig)

Metoclopramid 10 mg p.o./ggf. Supp. oder Domperidon 10 mg p.o.
 

Analgetika-Therapie (OTC)

ASS 2 x 500 mg p.o.

Ibuprofen 200 mg/400 mg p.o.

2 Tabletten ASS 250 - 265 mg und Paracetamol 200 - 265 mg und Coffein 50 – 65 mg

Analgetika-Therapie (Rx)

Ibuprofen 600 mg p.o.

Metamizol 2 x 500 mg p.o.

Bei Kontraindikation gegen NSAID: Paracetamol 2 x 500 mg (OTC) oder Metamizol 2 x 500 mg (Rx).

 

Für die (mittel-)schwere Migräneattacke und bei (bekanntem) fehlendem Ansprechen auf Analgetika:

Verschreibungspflichtige Triptan-Therapie:

 

Schneller Wirkeintritt

Sumatriptan 6 mg s.c.

Eletriptan 20 mg/40 mg/80 mg p.o.

Rizatriptan 5 mg/10 mg p.o.

Zolmitriptan 5 mg nasal

 

Mittelschneller Wirkeintritt und länger anhaltende Wirkung

Sumatriptan 100 mg p.o.

Zolmitriptan 2,5 mg/5 mg p.o.

 

Langsamer Wirkeintritt mit lang anhaltender Wirkung

Frovatriptan 2,5 mg p.o.

 

OTC-Therapie

Mittelschneller Wirkeintritt und länger anhaltende Wirkung

Sumatriptan 50 mg p.o.

Almotriptan 12,5 mg p.o.

 

Langsamer Wirkeintritt mit lang anhaltender Wirkung

Naratriptan 2,5 mg p.o.

 

Wenn Monotherapie unter Triptanen unzureichend: Triptan und NSAID

Bei wiederkehrendem Kopfschmerz: erneute perorale Einnahme eines Triptans nach frühestens zwei Stunden oder initiale Kombinationstherapie mit einem Triptan und einem lang wirksamen NSAID wie Naproxen.

Triptane

Bei mittelschweren und schweren Migräneattacken bzw. bei fehlendem Ansprechen auf Analgetika oder NSAID sind die Serotonin-5-HT1B/1D-Rezeptoragonisten (sog. Triptane) Almotriptan, Eletriptan, Frovatriptan, Naratriptan, Rizatriptan, Sumatriptan und Zolmitriptan die Mittel der ersten Wahl.

Triptane sind chemisch mit dem körpereigenen Botenstoff Serotonin im Nervensystem verwandt und binden an den gleichen Rezeptoren der Nerven und Blutgefäße. Durch diese Bindung wirken die Triptane auf drei Wegen gegen die Symptome der Migräne:

  • Blutgefäßverengung
  • Hemmung der Schmerzentstehung
  • Unterdrückung der Schmerzwahrnehmung

Früher kam alternativ zu Triptanen bei schweren, sehr langen Migräneanfällen die Gabe von Ergotamintartrat in Betracht. Nach der S1-Leitlinie „Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne“ von Januar 2018 (gültig bis Januar 2021) sollten allerdings angesichts der schlechteren Wirkung und der vermehrten Nebenwirkungen Ergotamine nur ausnahmsweise zur Behandlung akuter Migräneattacken eingesetzt werden. Sie sind nur noch Mittel der zweiten Wahl.

Sumatriptan kam zuerst

Triptane leiten sich strukturell vom Serotonin ab. Als erster Vertreter dieser Wirkstoffgruppe wurde Sumatriptan 1992 in Deutschland zugelassen.

In den folgenden Jahren wurden weitere Triptane entwickelt, die eine verbesserte orale Bioverfügbarkeit, längere Halbwertszeit und höherer Lipophilie für eine verbesserte ZNS-Gängigkeit aufwiesen. Als weitere 5-HT1B/1D-Agonisten wurden Zolmitriptan, Naratriptan, Rizatriptan, Eletriptan, Almotriptan und Frovatriptan abgeleitet. Allen Triptanen ist gemeinsam, dass die Wirksamkeit bei akuten Migräneattacken in klinischen Studien nachgewiesen werden konnte.

Sumatriptan war nicht nur das erste zugelassene Triptan, sondern zudem auch das am häufigsten verordnete. Dank des fundierten Erfahrungsschatzes wurde Sumatriptan, neben Naratriptan (2006) und Almotriptan (2011), nun 2020 ebenfalls aus der Verschreibungspflicht entlassen und stellt somit eine weitere Alternative in der OTC-Auswahl dar.

Ausnahmen der Triptane von der Verschreibungspflicht nach der Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV) Anlage 1

Sumatriptan

Ausgenommen zur akuten Behandlung der Kopfschmerzphase bei Migräneanfällen mit und ohne Aura, nach der Erstdiagnose einer Migräne durch einen Arzt, in festen Zubereitungen zur oralen Anwendung in Konzentrationen von 50 mg je abgeteilter Form und in einer Gesamtmenge von 100 mg je Packung.

Almotriptan

Ausgenommen zur akuten Behandlung der Kopfschmerzphase bei Migräneanfällen mit und ohne Aura, nach der Erstdiagnose einer Migräne durch einen Arzt, in festen Zubereitungen zur oralen Anwendung in Konzentrationen von 12,5 mg je abgeteilter Form und in einer Gesamtmenge von 25 mg je Packung.

Naratriptan

Ausgenommen zur Behandlung der Kopfschmerzphase bei Migräneanfällen mit und ohne Aura, nach der Erstdiagnose einer Migräne durch einen Arzt, in festen Zubereitungen zur oralen Anwendung in Konzentrationen bis 2,5 mg je abgeteilter Form und in einer Gesamtmenge von 5 mg je Packung.



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