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Migräne

(Foto: Clemens Schuessler / stock.adobe.com)

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Migräne ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Am meisten betroffen sind Erwachsene zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr, wobei Frauen dreimal häufiger betroffen sind als Männer.

Migräne – Pathophysiologie

Unter Migräne versteht man häufig einseitige, anfallsweise auftretende, pulsierend-pochende Kopfschmerzen. Diese gehen mit wechselnder Häufigkeit, Stärke und Dauer einher und nehmen bei körperlicher Betätigung an Intensität zu. Die meisten Migräniker leiden zusätzlich an Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen, teilweise sind sie licht- und/oder geräuschempfindlich. In der Selbstmedikation gibt es neben den klassischen Analgetika wie Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure mittlerweile drei Triptane (Almotriptan, Naratriptan, Sumatriptan), die als apothekenpflichtige OTC-Arzneimittel vom pharmazeutischen Personal abgegeben werden dürfen.

Ursachen

Die Pathogenese der Migräne ist noch nicht vollständig geklärt, ihre Auslöser sind vielfältig. Eine genetische Prädisposition konnte als eine Ursache bereits gezeigt werden: In etwa 60 bis 70 Prozent der Fälle lässt sich eine familiäre Belastung nachweisen. Umweltfaktoren spielen jedoch auch eine Rolle. Nachgewiesenermaßen auslösende Faktoren sind u. a. psychischer Stress, Veränderungen des Tagesrhythmus, wie z. B. das Auslassen von Mahlzeiten oder ein unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, ausgeprägte Emotionen, hormonelle Schwankungen sowie Überanstrengung und Erschöpfung. Histamin- und/oder Tyramin-empfindliche Personen, die unter Migräne leiden, müssen bei Nahrungsmitteln wie Schokolade, Hartkäse oder Wein aufpassen: Die Amine, die in diesen Nahrungsmitteln enthalten sind, können weitere Triggerfaktoren einer Migräne darstellen.

Pathophysiologie

  • Bisher noch nicht vollständig geklärt
  • Beteiligt am Migränekopfschmerz sind nach heutigem Wissensstand:
    • Serotoninrezeptoren (Triptane = Serotoninrezeptor-Agonisten
    • Neurogene Entzündung
    • Veränderungen des Gefäßtonus/Änderungen der Durchblutung im Gehirn

Beteiligung von Entzündungsmediatoren und Serotonin-Rezeptoren

Der eigentliche Migränekopfschmerz soll auf einer von Nervenzellen ausgehenden Entzündungsreaktion an den Arterien der Hirnhäute basieren. Dort werden Entzündungsmediatoren [z. B. Prostaglandine, Stickstoffmonoxid, Substanz P, Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP)] im Anfangsstadium der Migräneattacke freigesetzt.

Relevant sind darüber hinaus Serotoninrezeptoren vom Typ 5-HT1B und 5-HT1D sowie 5-HT1F, die auch als pharmakologischer Therapieansatz [Triptane, Lasmiditan (Lasmiditan ist derzeit in Deutschland nicht zugelassen)] eine bedeutende Rolle spielen. Auch CGRP ist in den letzten Jahren zunehmend als Target in den Fokus der Migräneprophylaxe (Migräne-Antikörper Erenumab, Fremanezumab, Galcanezumab) und der Akuttherapie (Rimegepant, Ubrogepant, beide in Deutschland derzeit nicht zugelassen) gerückt.

Phasen der Migräne

Prodromal-Phase: Patienten haben schon bereits ein oder zwei Tage Warnzeichen für eine bevorstehende Attacke. Das äußert sich in Gereiztheit, Appetit auf Süßes, häufiges

Gähnen, Aufgedrehtheit, Müdigkeit, Frieren, Schwitzen.

Aura-Phase: Bei manchen Migräne-Patienten beginnt der Anfall mit Störungen des zentralen Nervensystems, die man als „Aura“ bezeichnet; beginnend 10 bis 30 Minuten vor den eigentlichen Schmerzen, meist mit Sehstörungen, aber auch Flimmern, Doppelbildern, halbseitigen Gesichtsausfällen, Sprachstörungen.

Kopfschmerzphase: Pulsierender oder pochender, meist einseitig auftretender Kopfschmerz.

Als Begleitsymptome können Übelkeit, Lärm-, Geruchs- und Lichtempfindlichkeit auftreten.

Auflösungsphase: Die Kopfschmerzen sind abgeklungen, und die Symptome schwächen sich ab.

Erholungsphase: Nach dem Anfall sind die Patienten noch angeschlagen, oft mit katerähnlichen Symptomen (z. B. eingeschränkter Appetit, Hochgefühl oder Niedergeschlagenheit, Müdigkeit, häufiges Wasserlassen).



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