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Die Notfall-Pille – kompetent beraten

08.06.2020, 08:00 Uhr


Wechselwirkungen mit CYP3A4-Induktoren

Eine weitere Abklärung sollte dahingehend erfolgen, ob die Kundin in den letzten vier Wochen ein Arzneimittel eingenommen hat, das über das Leberenzym CYP3A4 verstoffwechselt wird und dieses Enzym induziert, also in Zahl und Aktivität steigert. Ist bis zu vier Wochen nach der Einnahme eines solchen CYP3A4-Induktors ein Notfallkontrazeptivum notwendig, so sollte der Frau ein nicht-hormonales Notfallkontrazeptivum (d. h. eine Kupferspirale) empfohlen werden. Für Frauen, die keine Kupferspirale verwenden können oder möchten, kann die Einnahme einer doppelten Dosis Levonorgestrel (zum Beispiel 2 x 1,5 mg innerhalb von 72 Stunden nach dem ungeschützten Verkehr) eine Alternative sein (Second Line Anwendung)10.

Zu diesen Medikamenten, die Leberenzyme induzieren (Enzym-Induktoren), gehören unter anderem:

  • Antiepileptika: Carbamazepin, Primidon, Phenytoin und Phenobarbital
  •  Antituberkulotika: Rifampicin, Rifabutin
  • HIV-Therapeutika: Ritonavir, Efavirenz
  • Antimykotika: Griseofulvin
  • Antidepressiva: Johanniskraut

Auf Leberschäden und Asthma bronchiale achten

Auch die Leberfunktion der Kundin muss berücksichtigt werden. Liegt eine eingeschränkte Leberfunktion vor, darf  LNG oder UPA ausgewählt werden. Im Falle von schweren Leberfunktionsstörungen darf keiner der beiden Wirkstoffe abgegeben werden.

Für Frauen, die an schwerem Asthma bronchiale leiden, das durch die Einnahme von oralen Glucocorticoiden behandelt wird, kann LNG empfohlen werden. Die Anwendung von UPA bei Frauen mit schwerem Asthma bronchiale, das durch die Einnahme von oralen Glucocorticoiden behandelt wird, wird nicht empfohlen.

In den Handlungsempfehlungen der Bundesapothekerkammer ist darüber hinaus nachzulesen, dass die Notfall-Pille unabhängig vom Körpergewicht angewendet werden kann – vorausgesetzt es liegen keine Kontraindikationen für den jeweiligen Wirkstoff vor.

Checklisten erleichtern und sichern die Beratung

Es hat sich bewährt, während der persönlichen Beratung auf Checklisten zurückzugreifen, die entweder selbst erstellt oder von der BAK herausgegeben wurden. So kann Schritt für Schritt alles Erforderliche abgefragt werden. Im Gespräch kristallisiert sich dann heraus, ob eine rezeptfreie Abgabe der Notfall-Pille möglich ist und welcher Wirkstoff gewählt werden sollte. Eine Kombination der beiden Wirkstoffe wird ausdrücklich nicht empfohlen11.

Die Anwendung, aber auch die Risiken, sollten genau erläutert werden. 

Dazu folgen einige allgemeingültige Hinweise:

  • Die Notfall-Pille ist nur für den Notfall gedacht und keine routinemäßige Verhütungsmaßnahme
  • Die Notfall-Pille verschiebt den Eisprung um etwa fünf Tage nach hinten.
  • Sie wirkt nur, wenn:
    • der Eisprung noch nicht stattgefunden hat.
    • sie so schnell wie möglich, spätestens jedoch innerhalb 72 (LNG) bzw. 120 (UPA) Stunden nach UPSI eingenommen werden.
  • Ein persönliches, diskretes Beratungsgespräch mit der Kundin sollte unbedingt stattfinden.
  • Die GKV übernimmt die Kosten bis zum 22. Geburtstag, Patientinnen ab 18 Jahren leisten fünf Euro an Zuzahlung.
  • Einnahme mit etwas Essen und reichlich Wasser, um Übelkeit zu verhindern.
  • Schnellstmöglich, Einnahme auch in der Apotheke möglich (Der Kundin kann ein Glas Wasser gereicht werden, sie sollte zusätzlich zeitnah etwas essen).
  • Orale Kontrazeptiva wie gewohnt weiter einnehmen, aber: Für den gesamten restlichen Zyklus soll zusätzlich verhütet werden (mechanisch, also beispielsweise mit Kondomen).
  • Eine wiederholte Einnahme ist notwendig, wenn Erbrechen innerhalb von drei Stunden nach der Einnahme eintritt.
  • Die nächste Regelblutung kann sich verschieben.
  • Bleibt die Menstruation aber mehr als 5 / 7 Tage (bei Anwendung von LNG / UPA) nach Fälligkeit aus oder ist auffallend schwach, sollte ein Schwangerschaftstest durchgeführt werden.
  • Die Notfall-Pille bricht eine bestehende Schwangerschaft nicht ab, sie ist keine Abtreibungspille.
  • Gegenanzeigen und Vorsichtsmaßnahmen sollten berücksichtigt werden, mitunter ist die Abgabe abzulehnen und ein Arztbesuch anzuraten, wenn:
    • UPSI mehr als 120 Stunden zurückliegt.
    • die Kundin unter 14 ist – es sei denn, die Eltern geben ihr Einverständnis (Richtlinie – kein Gesetz!)
    • Erkrankungen (bekannte Wirkstoff-Unverträglichkeiten, schwere Leberfunktionsstörungen ) oder bestimmte Medikationen im vorliegenden Fall einen ärztlichen Rat erfordern.
    • bei bekannter Schwangerschaft


10 Es liegen keine Studien zu dieser Anwendung vor 

11 Lt. Fachinformation Levonoraristo®, Stand 12/2018



Antje Piening, Apothekerin
redaktion@daz.online


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