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Die Notfall-Pille – kompetent beraten

08.06.2020, 08:00 Uhr


Levonorgestrel oder Ulipristalacetat?

Aufgabe der Apotheke ist es, auch die individuelle Situation jeder Patientin in die Wahl des passenden Medikamentes einzubeziehen. Der Unterschied der beiden Wirkstoffe liegt unter anderem im Wirkfenster. LNG kann bis zu drei Tage und Ulipristalacetat bis zu fünf Tage nach der Verhütungsspanne eingenommen werden.

Zu der ohnehin schon unangenehmen Situation machen sich die Kundinnen oft Sorgen über Nebenwirkungen oder Spätfolgen nach der Einnahme. Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sind immer ausführlich in der Packungsbeilage des Präparates genannt. 

Der Wirkstoff Levonorgestrel ist schon seit 1966 als orales Verhütungsmittel / Empfängnisverhütung auf dem Markt und gehört damit zur 2. Generation der synthetischen Gestagene. Eine aktuelle forsa-Umfrage bestätigt, dass 93 Prozent der Befragten die Therapieerfahrung des Wirkstoffs wichtig bis sehr wichtig ist.9 UPA ist seit 2009 auf dem Markt. 

Beratung in der Stillzeit

Ein weiterer Sonderfall in der Beratung ist die Stillzeit. Hat die Kundin in der Stillzeit Sorge, erneut schwanger zu werden (der erhöhte Prolaktin-Spiegel bietet keinen verlässlichen Schutz vor einer erneuten Empfängnis!) und fragt in der Apotheke nach der Notfall-Pille, ist eine Abgabe prinzipiell möglich. Allerdings müssen beide Notfall-Pillen direkt nach dem Stillen geschluckt werden und nach der Einnahme müssen für beide Wirkstoffe Stillpausen eingehalten werden. Bei LNG beträgt die Stillpause mindestens acht Stunden, in dieser Zeit muss die Muttermilch abgepumpt und verworfen werden. Ein Vorrat an Muttermilch (Achtung Lagerungsdauer!) im Kühlschrank oder gar im Tiefkühlfach kann die achtstündige Pause mitunter überbrücken. Eventuell kann für diese Zeit auch auf Muttermilchersatznahrung zurückgegriffen werden. Der Zeitraum nach der Einnahme von UPA, in dem nicht gestillt werden sollte, beträgt eine Woche.

Verhütung mit der Pille: Wahl der Notfall-Pille

Auch viele Frauen in jüngeren Jahren nehmen Arzneimittel ein, die bei der Auswahl des Wirkstoffs bedacht und daher während des Gesprächs sorgfältig abgefragt werden sollten. Besonders häufig sind dabei hormonelle Kontrazeptiva. Die Einnahme der Notfall-Pille (LNG oder UPA) stellt keine Gegenanzeige für die fortgesetzte Anwendung einer regelmäßigen hormonalen Kontrazeption dar. Es wird dringend darauf hingewiesen, nach Anwendung des Notfallkontrazeptivums bis zum Einsetzen der nächsten Regelblutung zusätzlich eine lokale Barrieremethode (zum Beispiel Kondom) für den restlichen Zyklus anzuwenden.


9 Quelle: forsa-Umfrage unter 1.035 Frauen zwischen 20 und 40 Jahren; 6.-19.9.2018



Antje Piening, Apothekerin
redaktion@daz.online


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