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Die Notfall-Pille – kompetent beraten

08.06.2020, 08:00 Uhr


Der Wirkmechanismus der Notfall-Pille

Die Notfall-Pille verschiebt den Eisprung nach hinten und verhindert so ein Zusammentreffen von Eizelle und befruchtungsfähigen Spermien. Sie hat also Einfluss auf den Zeitpunkt der fruchtbaren Tage unter der Voraussetzung, dass der Eisprung noch nicht stattgefunden hat. Während oder nach der Ovulation kann eine Schwangerschaft durch die Notfall-Pille nicht mehr verhindert werden.

Zwei Wirkstoffe stehen als Notfall-Kontrazeptivum zur Verfügung. Zum einen das Gestagen Levonorgestrel (LNG) (in Levonoraristo®, Postinor®, Unofem® Hexal, Levonorgestrel Stada®, Navela® und Pidana®), das als einzelne Tablette mit 1,5 mg Wirkstoffgehalt vorliegt. LNG wirkt als reiner Progesteron-Rezeptor-Agonist. Der zweite eingesetzte Wirkstoff, Ulipristalacetat (UPA), gehört einer anderen Wirkstoffklasse an: UPA ist ein selektiver-Progesteron-Rezeptor-Modulator (SPRM) – er reagiert je nach Gewebe an einigen Progesteron-Rezeptoren agonistisch und an anderen antagonistisch. UPA wird als Einzeldosis von 30 mg zur Notfall-Kontrazeption verabreicht. Die Wirkung für die Verschiebung des Eisprungs erfolgt wie bei LNG über eine aktivierende Bindung an die Progesteron-Rezeptoren von Hypothalamus und Hypophyse. LNG und UPA vermitteln dadurch die Information, dass genügend Sexualhormone vorhanden sind, wodurch die Produktion von GnRH und Gonadotropinen gedrosselt wird. Sie führen also zu einer negativen Rückkopplung im hormonellen Regelkreislauf.

Kommt es zu einer Verhütungspanne oder anderweitig ungeschütztem Geschlechtsverkehr (UPSI), können LNG bzw. UPA dadurch den LH-Peak und damit die Ovulation um etwa fünf Tage nach hinten verschieben. Die Voraussetzung dafür ist jedoch, dass der Eisprung noch nicht stattgefunden hat. Nach diesen fünf Tagen gelten die Spermien, die in den weiblichen Körper gelangt sind, nicht mehr als befruchtungsfähig. Die Wahrscheinlichkeit für eine Verschmelzung von Eizelle und Spermium wird durch die zeitliche Verschiebung stark reduziert. Es gilt also, keine Zeit zu verlieren, die Notfall-Pille muss schnellstmöglich zum Einsatz kommen.

Abb 4: Wirkmechanismus der beiden Wirkstoffe LNG und UPA

Wann wirkt die Notfall-Pille?

Die Notfall-Pille sollte generell schnellstmöglich nach UPSI eingenommen werden, idealerweise innerhalb von zwölf Stunden. Für die zwei Wirkstoffe gelten unterschiedliche Anwendungsfenster. LNG kann bis zu 72 Stunden (drei Tage) nach UPSI eingenommen werden und ist wirksam, solange das LH-Level noch nicht angestiegen ist. UPA kann bis zu 120 Stunden (fünf Tage) nach UPSI eingenommen werden und wirkt auch, wenn der LH-Anstieg begonnen hat. Der Zeitpunkt des beginnenden LH-Anstiegs beziehungsweise des Eisprungs kann im Beratungsgespräch jedoch nicht ermittelt werden. 

Daher ist für die Abgabe der Notfall-Pille nicht von Bedeutung, an welchem Tag im Monatszyklus der ungeschützte Geschlechtsverkehr erfolgt ist, sondern einzig und allein wie lange dieser zurückliegt.7,8 Je nach Situation der Kundin kann demnach innerhalb der ersten 72 Stunden sowohl Levonorgestrel als auch Ulipristalacetat abgegeben werden. Liegt der ungeschützte Geschlechtsverkehr mehr als 72, aber weniger als 120 Stunden zurück, steht nur noch UPA als Wirkstoff zur Verfügung. Kommt die Kundin mehr als fünf Tage nach UPSI in die Apotheke, so sind beide Notfall-Pillen wirkungslos. Die Kundin sollte in diesem Fall umgehend einen Gynäkologen aufsuchen. Eine Einnistung einer befruchteten Eizelle könnte dann noch durch ein Kupfer-Intrauterinpessar verhindert werden.

Abb 5: Befruchtungswahrscheinlichkeit mit und ohne Notfall-Pille


7 Bundesapothekerkammer (BAK). Rezeptfreie Abgabe von Notfallkontrazeptiva („Pille danach“). Handlungsempfehlungen der Bundesapothekerkammer. Stand: 28.02.2018

8 Böser E, Kojda G. Möglichkeiten der Notfallkontrazeption: Hinweise für die pharmazeutische Beratung. Fortbildungstelegramm Pharmazie 2015; 9(1): 1 – 15



Antje Piening, Apothekerin
redaktion@daz.online


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