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Die Notfall-Pille – kompetent beraten

08.06.2020, 08:00 Uhr

(Foto: nenetus / stock.adobe.com)

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Eine ungewollte Schwangerschaft kann zu sozialen, emotionalen und finanziellen Schwierigkeiten führen – allen voran für Jugendliche und junge Frauen. Für die Verhütung stehen heute zahlreiche mechanische und hormonelle Möglichkeiten der Kontrazeption zu Verfügung. Geht mit herkömmlichen Verhütungsmethoden einmal etwas schief, hilft die Notfall-Pille – umgangssprachlich als „Pille danach“ bekannt. Bei korrekter Anwendung kann sie das Risiko für eine Schwangerschaft, beispielsweise nach eben solchen Verhütungspannen oder anderweitig ungeschütztem Geschlechtsverkehr (UPSI = UnProtected Sexual Intercourse) verringern.

Die Notfall-Pille wurde im März 2015 aus der Rezeptpflicht entlassen. Seit mehr als fünf Jahren stellt dieses Thema die Apotheke immer wieder vor eine beratungsintensive und verantwortungsvolle Aufgabe. Je schneller das Notfall-Kontrazeptivum eingenommen wird, desto höher sind die Erfolgschancen. Anstatt einige Stunden mit einem Arztbesuch zu verlieren, oder auch aus Angst oder Scham, suchen viele Frauen direkt Hilfe in der Apotheke. Die Zahl der abgegebenen Packungen der Notfall-Pille steigt stetig und lag laut ABDA im Jahr 2017 bei 808.000. Von diesen wurden 732.000 ohne ärztliche Verordnung durch Apotheken beliefert. Trotzdem scheinen noch nicht alle Frauen im gebärfähigen Alter davon zu wissen, dass sie – sollte es einmal notwendig sein – die Notfall-Pille inklusive sorgfältiger Beratung auch ohne Rezept erhalten. Laut einer forsa-Umfrage wissen 76 Prozent der Frauen über die Apotheke als Bezugsquelle für die Notfall-Pille Bescheid.1 Es gilt also diesen Wissenstand noch weiter zu erhöhen und als Apotheker/PTA aktiv über rezeptfreie Notfall-Kontrazeption zu informieren.

Der Wirkmechanismus

Der Wirkmechanismus der Notfall-Pille sei im Folgenden erklärt und der hormonelle Regelkreislauf der Frau in seinen Grundzügen dafür kurz dargestellt. Entscheidend für die Wirksamkeit ist, dass die Notfall-Pille vor dem Eisprung eingenommen wird.

Der Eisprung

Unter Einfluss des Hypophysen-Hormons FSH (Follikel-stimulierendes Hormon) reifen in den Eierstöcken der Frau ab dem ersten Zyklustag mehrere Follikel heran. Etwa 20 dieser Eibläschen werden so zwar in ihrem Wachstum stimuliert. Im Endeffekt kristallisiert sich aber ein „Hauptfollikel“ heraus, in dem eine Eizelle, umgeben von Flüssigkeit, heranreift. Der Follikel selbst bildet dabei Östrogen (Estradiol), welches in die Blutbahn abgegeben wird. Wird ein gewisser Schwellenwert dieses Hormons überschritten, reagiert die Hypophyse mit der Ausschüttung von LH (Luteinisierendes Hormon). Dieser Botenstoff löst, sobald ein steiler Konzentrationsanstieg erfolgt ist, den Eisprung aus. Circa 24 Stunden nach dem so genannten LH-Peak (maximaler LH-Spiegel) platzt die Follikelhülle, die Eizelle wird in Richtung des Eileiters freigesetzt und durch dessen Fimbrien (fransenförmige Schleimhautausläufer) in den Eileiter befördert, in dem dann die Befruchtung durch Spermien stattfinden kann. Die verbliebene Hülle wandelt sich nach dem Eisprung unter Einfluss von LH zum Gelbkörper um, der wiederum das Gestagen Progesteron bildet. Die Progesteron-Werte sind dementsprechend im zweiten Teil des Zyklus erhöht, wodurch sich die Gebärmutterschleimhaut transformiert und so auf eine Einnistung der befruchteten Eizelle vorbereitet wird. Die Eizelle ist für etwa 24 Stunden befruchtungsfähig. Findet keine Befruchtung statt, wird diese Eizelle zusammen mit der Gebärmutterschleimhaut mit dem nächsten Zyklus abgestoßen (Menstruation), während im Ovar neue Follikel heranreifen.

Abb 1: Hormongehalt im Blut, Temperatur und Vorgänge im Eierstock im Verlauf eines Menstruationszyklus2


1 Quelle: forsa-Umfrage unter 1.035 Frauen zwischen 20 und 40 Jahren; 6.-19.9.2018

2 Quelle: https://www.frauenaerzte-im-netz.de/fileadmin/_processed_/7/f/csm_Zyklus_Hormone_Phasen_9d00004c5d.jpg



Antje Piening, Apothekerin
redaktion@daz.online


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